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Sprachtherapeutin nennt Fehler vieler Eltern beim Vorlesen

Wissenschaft

Startseite Panorama „Zwei-Wort-Modell“: Logopädin nennt Fehler, den viele Eltern beim Vorlesen machen Von: Jana Stäbener Uns auf Google folgen Beim Vorlesen machen viele Eltern einen Fehler: Sie fragen zu viel. Logopädinnen erklären, was Kindern beim Spracherwerb wirklich hilft. Frankfurt – „Was ist das? Was steht da? Welche Farbe hat das?“ – so klingt Vorlesezeit in vielen Kinderzimmern. Die Logopädin Emily aus den USA (@highlandparkspeech) zeigt in einem viral gegangenen Instagram-Video, warum genau das ein Fehler ist. „Lies deinen Kindern so nicht vor. Versuch es stattdessen so: ‚Kuh. Braune Kuh. Muh. Traktor. Hup hup. Traktor. Fahren. Traktor.‘ Indem du einfach diese kurzen Wörter oder Zwei-Wort-Modelle nutzt, holst du viel mehr heraus. Du nimmst sofort den Druck von deinem Kind und kannst ihm die Sprache im richtigen Kontext vorleben“, sagt sie. „Versprachlichen, was geschieht“: Logopädin beschreibt Alternative zu Fragen Was Emily in ihrem Video beschreibt, deckt sich mit dem, was Fachleute seit Jahren empfehlen. Schauen sich Eltern mit ihrem Kind ein Bilderbuch an, sollten sie nicht nur auf das Bild zeigen und abfragen, wie eine Kuh oder eine Katze heiße, sagt Logopädin Nathalie Frey der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Sie sollten stattdessen kommentieren, was sie sehen: „Das ist eine Kuh. Die Kuh ist braun. Ihr Fell ist weich.“ Dasselbe gelte für einen Ausflug auf den Spielplatz oder in den Zoo. „Versprachlichen, was geschieht“, nennt Frey dieses Vorgehen. „Das Wichtigste für die Sprachentwicklung besteht im Schaffen von Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten“, sagt sie. Wer sein Kind beim Anschauen eines Bilderbuchs ständig abfragt, setze es unter Druck – genau das kritisiert Emily. Ihre Lösung sind Babysprache und Wiederholungen. „Die lieben Kinder“, bestätigt Frey. „Wörter sollten häufiger gesagt werden – mal am Anfang eines Satzes, mal als Frage.“ Und sie dürften sich „ruhig zum Affen machen, denn Kinder lieben das“. Die Logopädin betont: „Je übertriebener und spielerischer man spricht, desto mehr ziehen die Kinder daraus.“ „Elterisch“ als Sprache bei Kleinkindern – was dahintersteckt Eltern würden meist intuitiv „richtig“ mit ihren Kindern sprechen. Eine Untersuchung der Princeton University aus dem Jahr 2017 zeigt, dass Mütter automatisch in einem speziellen Tonfall mit Babys sprechen, den die Wissenschaftler als „musikalisch“ beschreiben – und das über mehrere Sprachen hinweg. Dabei verändern sich nicht nur die Stimmlage, Gestik und Mimik, sondern auch die Klangfarbe. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass dies ein wichtiger Baustein für das frühkindliche Lernen ist. Manche Eltern sprechen bei übertriebener Mimik und Gestik und einem besonders hohen Tonfall von „parentese“ (zu Deutsch: Elterisch), also davon, mehr Emotionen in Worte zu legen. Das mache Eltern oft unglaublich viel Spaß: „Es ist weniger Sprache als vielmehr der Beginn von Interaktion“, sagt Frey. Das Kind reagiert auf die Ansprache, die Erwachsenen greifen seine Laute wieder auf und es entsteht ein frühes Wechselspiel. Babys könnten so schon mit zwei bis drei Monaten in Kommunikation treten, auch wenn sie noch nicht sprechen können. Sprachwissenschaftlerin: Vorlesen ist einer der wichtigsten Einflüsse überhaupt Dass frühes Vorlesen langfristig wirkt, bestätigt auch die Sprachwissenschaft. „Das Vorlesen ist einer der allerwichtigsten Einflüsse, über die Kinder in der Vorschulzeit und in der Grundschulzeit mit Schriftsprache in Kontakt kommen, bevor sie selbst aktiv zu Lesenden werden“, sagt Uta Quasthoff der Frankfurter Rundschau. Sie ist Sprachwissenschaftlerin und langjährige Professorin an der TU Dortmund. Durch das Vorlesen würden Kinder nicht nur ihren Wortschatz erweitern und Grammatik lernen, sondern auch verschiedene Gattungen wie Erzählungen, Beschreibungen und Reime kennenlernen. Leider bekommen 18 Prozent der Kinder von ihren Eltern oder Bezugspersonen nie vorgelesen, zeigt der Vorlesemonitor 2024. Ein entscheidender Aspekt beim Vorlesen sei die Interaktion. „Als Vorlesende ist man ansprechbar für das Kind, sieht, was es interessiert, wie lange die Aufmerksamkeitsspanne hält, welche Arten von Büchern es mag“, erklärt Quasthoff. Auch Hörbücher könnten den Spracherwerb sinnvoll ergänzen – durch die wortgleiche Wiederholung entstehe eine Vertrautheit mit schriftsprachlichen Ausdrucksformen. Doch ersetzen könnten sie das gemeinsame Bilderbuch nicht: Die Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson sei es, die den Unterschied mache. Freys Tipp an alle Eltern ist dabei denkbar einfach: „Nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um die Interaktion spannend zu gestalten.“ Beim Bilderbuch bedeutet das: weniger fragen, mehr zeigen und benennen – und dem Kind Zeit lassen, die Sprache in seinem eigenen Tempo aufzunehmen. (Quellen: Vorlesemonitor, eigene Recherche)

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