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Sprecher wählt drastische Worte – was dahinter steckt

Welt

Ein Kennzeichen autoritär geführter Staaten besteht in der sprachlichen Verschleierung der Realität. Da wird dann aus einem Krieg, in dem täglich Zivilisten und Soldaten sterben, eine „militärische Spezialoperation“. So wurde der russische Angriffskrieg zwei Jahre lang vom Kreml offiziell bezeichnet. Bis Sprecher Dmitri Peskow im März 2024 von einem „Krieg“ redete. Jetzt hat er nachgelegt – und dahinter dürfte ein Kalkül stecken. „Es herrscht Krieg, ein echter Krieg“, sagte Peskow dem russischen Nachrichtenportal „Vesti“. Er begründete das mit der westlichen Unterstützung der Ukraine, getreu der Propagandalinie. Demnach sind es Länder wie Deutschland, Frankreich und die USA, die Russland bedrohen würden. Unter diesen Umständen sei die Ukraine „zu allem fähig“, behauptete Peskow. Warum redet der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgerechnet jetzt von einem „echten Krieg“? Es dürfte mit den ukrainischen Luftangriffen auf Russland zusammenhängen. „In den letzten Wochen hat sich sowohl die unmittelbare Sichtbarkeit des Krieges als auch seine Wirkung auf das Alltagsleben vieler Russen sprunghaft erhöht“, sagt Osteuropa-Experte Andreas Umland dem Tagesspiegel. Drohnen schlugen in Moskau ein, an Tankstellen wurde das Benzin knapp. So wird „das Trugbild einer örtlich und zeitlich begrenzten sowie von Putin vollständig kontrollierten Spezialoperation zerstört“, so Umland. Daher versuche der Kreml nun, „Russland als Kriegsopfer des Westens und weniger als Ordnungshüter Osteuropas darzustellen“. Peskows Worte haben demnach zwei Adressaten. 1 Eine Botschaft an die Russen Der Experte vermutet, dass Peskow die russische Bevölkerung auf verstärkte Zwangsmaßnahmen vorbereiten will, die sich mit der Verteidigung des Vaterlands rechtfertigen ließen. Darunter könnte eine besonders unbeliebte Zumutung sein: eine massenhafte Zwangsmobilisierung von Männern im wehrfähigen Alter nach den Staatsdumawahlen im September 2026. Als Peskow bereits 2024 von einem „Krieg“ sprach, präzisierte er noch, dass es sich juristisch weiterhin um eine „militärische Spezialoperation“ handle. Die Ausrufung des Kriegsrechts stand damals also nicht zu befürchten. Im neuen Zitat wird die Gesetzeslage hingegen nicht thematisiert. Es gab bereits andere Indizien für eine neue – und lange vermiedene – Mobilisierung. Schon länger erscheinen die Verluste auf dem Schlachtfeld zu hoch, als dass sie mit den bisherigen Rekrutierungsmaßnahmen, darunter eine „Schattenmobilisierung“ kompensiert werden können. 2 Eine Botschaft an den Westen Umland geht außerdem davon aus, dass sich Peskows Worte auch an den Westen richten. Wie üblich soll die Botschaft davor abschrecken, die Ukraine zu unterstützen. Doch Warnungen an den Westen habe es schon viele gegeben, sagt der Experte. Er rät zu einer gelassenen Reaktion auf die Rhetorik des Kremls. Stattdessen sollte man die realen Entwicklungen auf dem Schlachtfeld sowie im russischen Hinterland beobachten. Hier deute sich an, dass der Kreml früher oder später zum Einlenken gezwungen sein werde, sollten sich die sozioökonomischen Probleme Russlands verstärken. (mit dpa) Hinweis: Peskows Aussage wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz übersetzt.

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