DAX +2,41 % 25.361,03 Pkt 18:00:00 MDAX +1,37 % 32.106,50 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,02 % 6.282,21 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,96 % 52.210,08 Pkt 22:52:48 S&P 500 +0,07 % 7.413,18 Pkt 22:52:41 Nasdaq -0,82 % 24.932,08 Pkt 23:15:59 Nikkei -4,20 % 62.201,03 Pkt 03:09:00 Gold -0,47 % 4.057,80 USD 03:13:55 Silber -1,77 % 57,68 USD 03:13:54 Brent -0,76 % 87,69 USD 03:12:53 WTI -1,14 % 81,67 USD 03:13:59 Bitcoin -0,86 % 63.155,77 USD 03:23:54 EUR/USD -0,14 % 1,13790 USD 03:23:23 EUR/GBP +0,25 % 0,85560 GBP 03:24:01 EUR/CHF +0,12 % 0,93120 CHF 03:24:01 EUR/JPY -0,09 % 186,266 JPY 03:24:01

"Spricht nur noch mit sich selbst": Zweifel an Putins "Realität"

Welt

"Wir gewinnen allmählich den Eindruck, dass Wladimir Putin in seinen öffentlichen Reden nur noch mit sich selbst spricht. Er hört nur auf seine innere Stimme und deren Echo um ihn herum", heißt es in einem der mit 650.000 Fans größten russischen Polit-Kanäle ("Moskauer Wäscherei") über die angeblich gestörte Wahrnehmungsfähigkeit von Putin [externer Link]: "Wir wollen nicht behaupten, dass diese Stimme Putin völlig in die Irre führt, aber sich hundertprozentig darauf zu verlassen, ist gefährlich. Wenn sich ein Alleinherrscher in einen Kokon einspinnt und isoliert, hat das noch nie zu etwas Gutem geführt." Grund für solche und ähnliche Bestandsaufnahmen: Der kasachische Staatspräsident Tokajew hatte Putin ins Gesicht gesagt, dass er bis heute nicht verstehe, warum Russland die Ukraine angegriffen hat. "In diesem Moment stirbt der Hidalgo" Der kremlkritische Politologe Andrei Kalitin verglich Putin mit dem "Ritter von der traurigen Gestalt" Don Quijote [externer Link]: "Don Quijote ist laut [dem Autor des Werks] Miguel de Cervantes nicht im medizinischen Sinne verrückt. Er lebt in einem historischen Mythos, in dem die Grenzen des 17. Jahrhunderts wichtiger sind als die Zukunft des Landes, und ist von ihm fasziniert. Die Menschen um ihn herum versuchen, ihm nicht zu widersprechen, denn es ist vorteilhafter, ihm permanent rechtzugeben. Am Ende des Romans hat Don Quijote eine Offenbarung und erkennt, dass all seine Anstrengungen vergeblich waren, dass er selbst gar kein Ritter und Windmühlen keine Riesen sind. In diesem Moment stirbt der Hidalgo." Kalitins Fazit: "Deshalb schweigen die russischen Eliten – es ist für sie von Vorteil, [wie Don Quijotes Gefährte Sancho Panza] an Putins Seite zu reiten und die Preisschilder an den Tankstellen in Irkutsk, wo die Anzeigen pünktlich zu Putins Besuch wieder auf die Preise der Vorjahre zurückgesetzt wurden, dekorativ auszutauschen." Die in New York lehrende Politikwissenschaftlerin Nina Chruschtschowa verwies auf Putins "andere" Logik, die der von Stalin folge [externer Link]: "Treibstoffknappheit, hohe Preise und massive Verluste gelten in Putins Augen nicht als Krise. Sie sind schlicht der Preis des Sieges." Der Krieg sei das "Organisationsprinzip" von Putins Regime: "Für ihn geht es darum, Respekt zu erzwingen und zu demonstrieren, dass er niemals Schwäche zeigt." Putin: "Verlasse mich auf offizielle Quellen" Putin selbst hatte auf die Frage eines Gardekapitäns nach seinen Informationsquellen kürzlich geantwortet [externer Link]: "Ich verlasse mich hauptsächlich auf offizielle Quellen, obwohl ich meine endgültigen Schlussfolgerungen aus der Analyse aller mir vorliegenden Informationen ziehe." Bei der Gelegenheit lobte er ungenannte russische Blogger, die er "manchmal sogar gerne lese". Öffentlich zugängliche Websites nannte Putin dagegen "nicht nutzlos, aber gefährlich, weil dort viele Falschinformationen" kursierten. Schon 2022 hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow öffentlich behauptet [externer Link], Putin lese zwar keine Telegram-Kanäle und betreibe auch keine Social-Media-Konten, er bekomme jedoch tägliche "Zusammenfassungen". "Seltsames Realitätsverständnis" Dazu meinte der Polit-Blogger Dimitri Petrowski [externer Link]: "Nun, es ist kein Wunder, dass unser Präsident, gelinde gesagt, ein seltsames Realitätsverständnis hat, wenn er diese Blogger liest. Und höchstwahrscheinlich bezieht er seine Erkenntnisse, einer alten bürokratischen Tradition folgend, von den populärsten Bloggern." Die Blogger mit den höchsten Abrufzahlen, also die wichtigsten Propagandisten, hätten zu Russland "ein ähnliches Verhältnis wie ein luxuriöses Sofa in einem Moskauer Penthouse zu einer Matratze im Keller eines verfallenen Hauses in einem Dorf an der Grenze zur Ukraine". Leute in der Umgebung von Putin, die ihm die "Wahrheit" sagten, müssten jederzeit damit rechnen, rausgeworfen zu werden. "Kriegsursachen existierten nur in Putins Kopf" Ein anonymer russischer Kommentator vermutete [externer Link], Putin habe seinen Krieg "aus Unsicherheit" angefangen: "Ein Mann, der sich schämt, seinen Töchtern seinen Nachnamen zu geben, Informationen über seine Eltern und mögliche weitere Kinder verheimlicht und sogar seine Minister und Generäle von sich fernhält – ein solcher Mann handelt nicht rational, sondern getrieben von der Eitelkeit eines kranken, alten Kindes." Publizist Dmitri Kolesew schlussfolgerte [externer Link], Tokajews diplomatischer Affront sei ein "schwerer Schlag" für den russischen Präsidenten gewesen: "Es gab keine Kriegsursachen; sie existierten nur in Putins Kopf."

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