Sprung an die Spitze: THW Kiel besiegt Rhein-Neckar Löwen
Handball-Bundesliga
Johansson nervenstark: THW Kiel ringt Rhein-Neckar Löwen nieder
Stand: 15.10.2026 21:48 Uhr
Der deutsche Rekordmeister THW Kiel ist zumindest vorübergehend neuer Tabellenführer der Handball-Bundesliga. Dank eines hart erkämpften 37:36 (19:20)-Heimsieges gegen die Rhein-Neckar Löwen überholten sie am Donnerstagabend die SG Flensburg-Handewitt.
von Christian Görtzen
Mit jetzt 17:3 Punkten steht Kiel im Klassement ganz oben. Eric Johansson hatte die THW-Fans unter den 10.156 Zuschauern in der Ostseehalle nach einer Schlussphase des Zitterns lautstark jubeln lassen. Dem Schweden gelang nach schon abgelaufener Spielzeit per Siebenmeter der Siegtreffer gegen die Rhein-Neckar Löwen, die nach der Entlassung von Chefcoach Maik Machulla (ehemals SG Flensburg-Handewitt) von Michel Abt betreut wurden.
Allerdings hat die Mannschaft von THW-Trainer Börge Lund nun schon zwei Partien mehr als Flensburg-Handewitt ausgetragen. Am Sonntag (15 Uhr, im Video-Livestream bei NDR.de) könnte die noch ungeschlagene SG (15:1 Punkte) mit einem Heimsieg gegen die Füchse Berlin wieder an die Tabellenspitze zurückkehren.
Ich bin nur froh, dass der Ball reingegangen ist. Eric Johansson
"Ich wollte eigentlich nicht den Siebenmeter werfen. Ich habe gehofft, dass Julian das Tor macht, aber jetzt bin ich glücklich und froh, dass ich das letzte Tor dann gemacht habe. Wir haben das ganze Spiel einen guten Angriff gespielt, und wir waren geduldig", sagte der wiedergenesene Johansson im Interview mit dem NDR.
Glück für Löwen-Spieler Thrastarson
Den "Zebras" gelang ein Auftakt nach Maß, schnell hieß es 3:0 (4.). Nach zehn Minuten hatten die Löwen großes Glück, dass zu dem frühen Zeitpunkt der Partie für Haukur Thrastarson nicht schon Schluss war. Der Isländer hatte bei einem Sprungwurf von Domen Makuc klar in den Wurfarm des THW-Spielmachers gegriffen.
Die beiden Schiedsrichter Steven Heine und Sascha Standke sahen sich die Szene noch einmal auf dem Bildschirm an. Sie entschieden dann aber nur auf eine Zeitstrafe. Eine Rote Karte wäre aufgrund der gesundheitsgefährdenden Aktion sehr gut möglich gewesen.
Kieler scheitern immer wieder an Späth
So leicht es den Schleswig-Holsteinern in den ersten Minuten der Partie von der Hand ging, so schwer taten sie sich im Anschluss an ihre erste Vier-Tore-Führung (7:3.). Wiederholt scheiterten sie an Löwen-Schlussmann David Späth, zweimal allein von der Siebenmeter-Linie (Lukas Zerbe und Makuc). Aber auch Späths Nationalmannschaftskollege Andreas Wolff parierte auf der anderen Seite bald darauf einen - von Niclas Mierzwa ausgeführten - Strafwurf.
Dass die Kieler nach ihrem starken Start in die Partie sogar mit einem 19:20-Rückstand in die Pause gingen, lag vor allem an zwei Löwen-Spielern: an Späth (Paradenquote: 33 Prozent) und an Thrastarson (sieben Tore bei acht Würfen).
Rote Karte für Löwen-Spieler Mahé
Lund brachte nach 40 Minuten Elias Ellefsen á Skipagötu, der Färinger spielte neben Makuc im rechten Rückraum. Für Löwen-Spielmacher Kentin Mahé war die Partie kurz darauf vorzeitig beendet. Der ehemalige Flensburger sah beim Stand von 27:27 die Rote Karte für seine zu forsche Abwehraktion gegen Zerbe (43.). Er hatte seinen Fuß zu weit in den Laufweg des THW-Rechtsaußen gestellt, sodass dieser beim letzten Schritt vor dem Absprung darauf trat.
Johansson entscheidet per Siebenmeter die Partie
Aber auch ohne Mahé hielten die Gäste weiter stark dagegen, neun Minuten vor Ultimo führten sie mit 31:30. Kiel legte nun aber in der Defensive zu, kam zu Ballgewinnen und durch Ellefsen á Skipagötu per Wurf ins leere Tor zur 34:32-Führung (56.). Die Löwen glichen aber 46 Sekunden vor Schluss durch Tim Nothdurft zum 36:36 aus.
Kiel spielte die Zeit runter. Letztlich war es Julian Köster, der die Verantwortung übernahm, durch die Löwen-Deckung ging - und dabei einen Siebenmeter herausholte. Nach abgelaufener Spielzeit trat Johansson an und behielt die Nerven. Er überwand Späth mit einem harten Wurf ins linke obere Toreck. Johansson war mit sieben Treffern auch erfolgreichster THW-Profi.