St. Ingbert: Wer jetzt ins ehemalige H&M-Gebäude zieht
Etwas verloren wirken sie noch in den weitläufigen, leeren Hallen der ehemaligen H&M-Filiale in der St. Ingberter Fußgängerzone. Stefan Schütz und Marc Hahn, die beiden Chefs des Fahrradfachgeschäfts „Total Normal Bikes“ inspizieren jeden Winkel, diskutieren, spinnen Pläne. Sie sind die neuen Mieter des rund 1800 Quadratmeter großen Objekts, das seit dem Weggang des Bekleidungsgeschäfts im September 2024 leer steht. Nach längeren Verhandlungen steht nun fest: Zum 1. Januar 2027 wird das Ladenlokal Heimat des seit mehr als 30 Jahren bestehenden St. Ingberter Traditionsgeschäfts. „Wir haben über fünf Jahre lang verzweifelt gesucht, es war bislang nichts Passendes dabei“, sagt Hahn. Auch ein bereits geschlossener Mietvertrag auf dem Neubaugelände im Rohrbacher Stegbruch wurde wegen Unstimmigkeiten mit dem Bauherren wieder gekündigt. Mit den neuen Vermietern, der Gewerbegelände-Entwicklungsgesellschaft (GGE), läuft die Verständigung problemloser. Die GGE ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt St. Ingbert. Im Nachhinein sind die beiden Unternehmer sehr zufrieden. Das Objekt in der Fußgängerzone hat sich als Glücksfall erwiesen: „Wir haben hier jede Menge Möglichkeiten. Wir wollen uns vergrößern. Hier lassen sich sehr viele Ideen verwirklichen“, betont Schütz. Die bisherigen Räumlichkeiten in der Kaiserstraße 331 am Ortsausgang in Richtung Rohrbach, in der der Laden über ein Vierteljahrhundert beheimatet war, ist in die Jahre gekommen. Für ein wachsendes Unternehmen ist nicht ausreichend Platz, erklärt Schütz. Nach der Schlüsselübergabe Anfang September steht für die neuen Mieter jede Menge Arbeit ins Haus. Der Umbau des Ladenlokals und der Umzug müssen gestemmt werden: „Es wird sportlich, aber ich denke, wir bekommen das hin“, sagt Hahn, auch wenn ein beauftragter Planer den Zeitrahmen für sehr ambitioniert hält. Das neue Fahrradgeschäft soll auf zwei Ebenen ausreichend Platz für Präsentation, Kundenbetreuung, Verkauf und einen großen Werkstattbereich bieten. Beide Etagen umfassen jeweils rund 900 Quadratmeter. Ein fertiges Konzept haben Schütz und Hahn noch nicht in der Tasche, dafür aber umso mehr Ideen: „Im Eingangsbereich könnte ein Empfangsschalter stehen, wo wir Kundenfragen beantworten. Rechter Hand bauen wir dann einen weiteren Schalter, an dem die Leute ihre Fahrräder zur Reparatur abgeben können.“ Im Großen und Ganzen soll die komplette Etage als Präsentationsfläche dienen: „Wir haben rund 100 Fahrräder, die wir auf der Etage ausstellen möchten. Dazu haben wir hier deutlich mehr Möglichkeiten als vorher“, sagt Hahn. Den beiden schwebt ein offenes Ladenkonzept vor. Die E-Bikes und die „Bio-Bikes“, wie Räder ohne Motor unter Fachhändlern genannt werden, sollen so deutlich besser zur Geltung kommen als zuvor. Die Rolltreppe inmitten der Etage, die ins Untergeschoss führt, soll stillgelegt werden. Der Zugang erfolgt dann nur noch über den Fahrstuhl: „Wie wir diesen Bereich gestalten, wissen wir noch nicht genau, vielleicht kommen ringsherum Präsentationsregale als Sichtschutz“, sinniert Schütz. Die zahllosen Verkaufsregale der ehemaligen H&M-Filiale, die sich über die komplette Wandfläche verteilen, sollen bleiben: „Wir bekommen sicher nicht alle Regale mit Produkten gefüllt, aber wir werden die Schränke für uns nutzen“, ist sich Hahn sicher. Insgesamt wollen die beiden so ein völlig neues ‚Einkaufserlebnis‘ verwirklichen. Die komplette untere Etage wird als Werkstatt und Lagerraum dienen. Auch hier gibt es viele Ideen, aber noch kein fertiges Konzept. „Hier stellen wir uns einen Bereich mit insgesamt sechs Arbeitsplätzen vor“, sagt Hahn und zeigt auf den Bereich links neben der Rolltreppe. Hier könnte unter anderem der Metallbearbeitungsraum Platz finden. Der Werkstattbereich stellt den größten Investitionsbrocken im neuen Laden dar. Ab September beginnen Schritt für Schritt die Umbauarbeiten, der Umzug soll ebenfalls etappenweise über die Bühne gehen. Bis Ende des Jahres sind Hahn und Schütz noch an der alten Adresse für ihre Kunden da. Ab Jahresbeginn 2027 dann an neuer Wirkungsstätte. Eine große Eröffnungsfeier ist aber erst bei schönerem Wetter im Frühjahr geplant. Das Datum sei aber noch nicht spruchreif. Auch wenn der neue Laden deutlich moderner, schicker und vor allem weitläufiger daherkommt, wollen Hahn und Schütz auf dem Boden bleiben: „Wir werden auch weiterhin in kurzen Hosen und mit T-Shirt und nicht im Dresscode unsere Kunden empfangen. Wir bleiben, wer wir sind“, sagt Schütz, „total normal eben!“ (mbe)