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Staatsschulden: In Frankreich tickt eine Zeitbombe

Wirtschaft

Frankreich verschuldet sich immer weiter. Sich Geld zu leihen, wird für das Land immer teurer. Jetzt haben die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen die Vier-Prozent-Marke gerissen und viele fragen sich: Gefährdet die "Grande Nation" die Stabilität der Eurozone?

Die Renditen französischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit haben die Vier-Prozent-Marke überschritten: Mitte August notierten sie zwischen 4,04 und 4,14 Prozent, wie "n-tv" berichtet. Vergleichbare deutsche Bundesanleihen lagen im selben Zeitraum lediglich bei 3,20 bis 3,26 Prozent. Noch bemerkenswerter: Selbst Griechenland – lange das wichtigste finanzpolitische Sorgenkind Europas – konnte sich mit 3,82 bis 3,93 Prozent günstiger Geld leihen als Frankreich.

Frankreichs Schuldenberg ist der höchste in der EU

Frankreich müsse inzwischen so viel Geld für Zinsen aufbringen wie seit 18 Jahren nicht mehr, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung" (Bezahlinhalt). Dass die "Grande Nation" als riskanter eingestuft wird als die einstigen Krisenländer Griechenland und Italien, ist ein deutliches Warnsignal der Märkte. Der Hintergrund: Frankreich lebt seit Jahren über seine Verhältnisse. Während der Präsidentschaft Emmanuel Macrons wuchs der französische Schuldenberg auf mehr als 3,5 Billionen Euro an – der größte in der gesamten EU.

Die Schuldenquote liegt bei knapp 116 Prozent der Wirtschaftsleistung. EU-weit ist sie nur in Griechenland und Italien höher – doch während sie dort sinkt, dürfte sie in Frankreich weiter ansteigen, wenn alte Anleihen mit Minizinsen nach und nach durch neue mit über vier Prozent Verzinsung ersetzt werden müssen. Schon in diesem Jahr wendet Paris 59 Milliarden Euro allein für Zinszahlungen auf – mehr als für den gesamten Verteidigungshaushalt, so "n-tv".

Wirtschaftliche Entwicklung und Wahlkampf machen Trendwende unwahrscheinlich

Was die Situation weiter verkompliziert: Die französische Wirtschaft stagniert. Die Arbeitslosenquote liegt bei acht Prozent. Der laufende Präsidentschaftswahlkampf macht eine Trendwende zusätzlich unwahrscheinlich. Welcher Politiker will sich da schon mit Sparvorgaben unbeliebt machen? In der ersten großen Kandidatendebatte am Donnerstag plädierte lediglich der konservative Ex-Premierminister Édouard Philippe dafür, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, um die Finanzen zu stabilisieren. Marine Le Pen, in Umfragen mit rund 35 Prozent deutlich vorn, forderte hingegen sogar eine Absenkung des Rentenalters auf 62 oder gar 60 Jahre.

Das jährliche Defizit könnte so von aktuell gut fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Einschätzung von Ökonomen sogar auf fast sieben Prozent klettern. Erlaubt sind nach den europäischen Fiskalregeln lediglich drei Prozent.

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Immerhin: Die Ratingagentur Fitch ließ Frankreichs Bonitätsnote vorerst bei A+. Noch sprechen Experten nicht von einer akuten Eurokrise. Die Schuldenquote der gesamten Eurozone liegt nach vorläufigen Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat bei knapp 89 Prozent, die Zinsabstände zwischen den Ländern sind im historischen Vergleich moderat, wie "n-tv" einordnet. Doch das Vertrauen in Frankreich erodiert. Längerfristig könnte die Stabilität des gesamten europäischen Finanzsystems leiden. (red)

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