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Stadtwohnung mit Stauraum-Trick: So wurde ein Apartment in München zum eleganten Rückzugsort für zwei

Allgemein

Stadtwohnung in München-Schwabing: Ausgewählte Materialien und eine elegante Stauraum-Lösung machen dieses Neubau-Apartment zum ruhigen Rückzugsort.

Der Tisch trägt Leder. Nicht nur auf der Platte, sondern von oben bis unten: grün eingefärbtes Ziegenleder, straff über einen Entwurf von Aldo Tura gezogen, dem man sein Jahrzehnt beim besten Willen nicht ansieht. Er steht gleich in der Sichtachse, wenn sich die Wohnungstür öffnet, vor einer Wand aus amerikanischem Nussbaum, geölt und dunkel. Das Grün findet sich wenige Meter weiter wieder, im Verde Alpi der Küchenzeile. Fast schon zu passend.

Die umschriebene Wohnung liegt im fünften Stock eines Neubaus in Schwabing, den Ben van Berkel entworfen hat und der im Frühjahr 2024 fertig wurde. Rund 100 Quadratmeter, ein Wohnbereich, ein Arbeitszimmer, das auch Gäste aufnimmt, ein Schlafbereich, zwei Bäder. Für das Paar, dem sie gehört, ist sie eine Stadtwohnung für die Tage in München, gewohnt wird eigentlich woanders. Mehr ist über die beiden nicht zu erfahren, was irgendwie zur Wohnung passt. Das Briefing an das Münchner Studio Holzrausch war ohnehin knapp: eine ruhige Wohnung, in der sich Abstand zum Stadtleben gewinnen lässt. Gleich daneben stand allerdings noch ein Satz über sehr hohe Ansprüche an Material und Handwerk.

Eine Wandverkleidung aus Holz schafft Atmosphäre und Stauraum zugleich

Holzrausch, 1998 von Tobias Petri und Sven Petzold gegründet, ist Planungsbüro und Schreinerei zugleich: ein Interior-Design-Studio in der Münchner Blumenstraße, dazu eigene Werkstätten in Forstern. Geplant haben die Wohnung Petri, heute Creative Director, und Michèle Trenz, die bei Holzrausch die Innenarchitektur leitet. Vorgefunden haben die beiden einen frisch übergebenen Neubau im Standard des Bauträgers. An der Architektur des Hauses haben sie nichts verändert, im Inneren dafür fast alles: Die Oberflächen von Wänden, Decken und Böden, die Bäder, die Küche und sämtliche Einbauten wurden neu entworfen und in den eigenen Werkstätten gebaut.

Die Materialliste ist erstaunlich kurz. Lehmputz von Matteo Brioni an Wänden und Decken, amerikanischer Nussbaum für Verkleidungen und Einbauten, grüner Verde Alpi in Küche und Bädern, dazu ein paar Boards aus brüniertem Messing. Das war's. Karg wirkt das trotzdem nicht, eher im Gegenteil. „Die Ruhe entsteht nicht durch Leere, sondern durch Konzentration“, sagt Tobias Petri. Wie viel an einer Nuance hängt, zeigte sich beim Putz. Die ersten Muster waren zu grau und zu stark strukturiert, erst im dritten Anlauf stimmte das Verhältnis von Farbe und Oberfläche. Bei einer Fläche, die sich durch die gesamte Wohnung zieht, ist das keine Kleinigkeit. Der Lehm nimmt das Licht weich auf, der Nussbaum wird am Abend tiefer und wärmer, und der Stein tritt dann stärker hervor, beinahe grafisch.

Im Entrée verschwinden die Türen

Am konsequentesten ist das Entrée. Es ist vollständig mit Nussbaum ausgekleidet, eine durchgehende Fläche ohne Griffe, in der selbst die Türen erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Garderobe, versteckter Stauraum, Durchgänge und Technik liegen dahinter und öffnen sich auf leichten Druck neben den Fugen. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, findet alles. Bis dahin wird ein bisschen gesucht, und dabei landet die Hand zwangsläufig auf dem geölten Holz. Auf 100 Quadratmetern ist diese Unsichtbarkeit weniger Spielerei als Notwendigkeit: Der Stauraum ist vollständig da, er drängt sich nur nicht auf. Davor steht eine Konsole von Arno Declercq, ebenfalls aus Nussbaum, allerdings schwarz geölt.

Die Paneelwand zieht sich bis in den Wohnbereich und ist, so sehen es die Planer:innen, das Rückgrat der Wohnung. Auf der einen Seite liegt der geschützte, dunklere Eingang, auf der anderen öffnet sich der Raum über große Fenster zur Stadt. Die Küche, die eher an eine Bar erinnert, und die Möbel reihen sich an dieser Wand auf, und so wandert der Blick fast von selbst hinaus über die Dächer. Auffällig sind die Rundungen. Kannelierte Nussbaumfronten, weiche Radien, ein Waschtisch mit Becken aus Verde Alpi: Das sieht nach Art déco aus, nach einem Zitat. Die Begründung ist nüchterner. Auf so begrenzter Fläche sollten keine spitzen Kanten in den Raum ragen, kubische Formen wären für diesen Grundriss schlicht falsch gewesen. Der Stil ist hier also eher eine Antwort auf den Platz. Dass er den Einbauten nebenbei ihre Härte nimmt, schadet nicht.

Die Möbel lassen sich kaum datieren

Die Möbel hat Holzrausch zusammen mit Robert Stephan ausgesucht, mit dem Tobias Petri seit Langem befreundet ist. Einige Stücke hatte Stephan noch mit seinem früheren Studio aufgetrieben, bevor er mit Vicky und Peter Schlagböhmer The Rope gründete, eine Galerie für Collectible Design und Interiorstudio in einem. Weil die Eigentümer:innen Kunst der Klassischen Moderne ebenso sammeln wie zeitgenössische, sollte auch hier das 20. Jahrhundert neben dem 21. stehen. Also treffen „Taliesin“-Tische von Frank Lloyd Wright aus dem Jahr 1955 auf eine Vase von Rick Owens und ein Stuhl „S34A“ von Pierre Chapo aus Ulme auf einen Schreibtisch von Pierre Yovanovitch. Ob das zusammengeht, ist weniger eine Frage des Stils als eine der Persönlichkeit. „Tranquil, aber charakterstark“, sagt Robert Stephan. Deshalb lässt sich bei den meisten Stücken auch nur schwer sagen, aus welcher Zeit sie stammen. Wie beim Tisch am Eingang.

Über dem Wohnbereich hängt ein langgestrecktes Lichtobjekt, das OHA eigens für diesen Raum entworfen hat. Es folgt der Flucht des Raums und lässt ihn tiefer wirken, als er ist. Sonst gibt es nur wenige Strahler, die gezielt einzelne Bereiche beleuchten, und am Abend die beiden Arbeiten von Helmut Hinterseer über dem Sofa. Zu späterer Stunde gliedert das Licht die offene Wohnung in einzelne Zonen, ohne dass dafür eine einzige Wand nötig wäre. Morgens gibt es Kaffee an der Küchenbar, danach geht es auf einen der Balkone, mitten in München und doch ein Stück darüber. Die Stadt ist nah, sie kommt nur nicht herein. Sie bleibt im Entrée hängen, irgendwo zwischen den Nussbaumpaneelen, die sich erst öffnen, wenn jemand weiß, wo er drücken muss.

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