Stadtzentren in Deutschland: Innenstädte gewinnen erstmals seit der Pandemie an Attraktivität
Die deutschen Innenstädte sind laut einer Umfrage für den Einzelhandelsverband HDE wieder attraktiver geworden. Demnach sagten 83 Prozent der Befragten, dass sie mindestens so häufig wie bisher oder sogar häufiger als zuletzt das Stadtzentrum besuchen wollen. Das ist der höchste Wert in der HDE-Studie seit der Coronapandemie.
Der Beliebtheitswert stieg gegenüber der letzten Erhebung aus dem Jahr 2024 um rund zwanzig Prozentpunkte an. Damals hatte jeder dritte Befragte angegeben, künftig seltener oder gar nicht mehr in die Innenstadt fahren zu wollen. Der Anteil dieser Gruppe sank deutlich auf jetzt 17 Prozent. Häufiger wollten dagegen 12 Prozent das Stadtzentrum aufsuchen.
Vorige Studien sagten drastischen Besucherschwund vorher
Demnach lassen die Ergebnisse trotz der aufgehellten Stimmung weiterhin einen leichten Rückgang der Besucherzahlen erwarten: In der Summe gaben mehr Menschen an, seltener in die Innenstädte fahren zu wollen. Das sogenannte Besuchernetto-Verlustrisiko betrug damit fünf Prozentpunkte.
In den Vorjahren hatte die HDE-Studie noch einen drastischen Besucherschwund vorhergesagt. Nachdem das Interesse im Jahr 2022 insgesamt um 20 Prozentpunkte zurückgegangen war, war der Wert im Jahr 2024 nochmals um 26 Prozentpunkte abgefallen.
Gastronomie ist weniger wichtig als zuletzt
Die Befragten gaben an, in Innenstädten vor allem die Einkaufsmöglichkeiten zu schätzen (Rang eins), aber auch den Aufenthalt an öffentlichen Orten (zwei) sowie Besuche in Cafés und Restaurants (drei). Demnach verlor die Gastronomie an Anziehungskraft, die zuletzt noch als wichtigster Beliebtheitsfaktor genannt worden war. Von zunehmender Bedeutung sind auch verkaufsoffene Sonntage, die die Befragten an vierter Stelle nannten. Danach wurden berufliche Gründe, ärztliche Versorgung und digitale Angebote wie City-Apps als wichtigste Motivationen genannt, in die Innenstadt zu fahren.
Für den Studienautor und Cima-Geschäftsführer Roland Wölfel legen die Ergebnisse nahe, »dass die vielen Initiativen sowie Investitionen und Entwicklungsprogramme der vergangenen Jahre zunehmend positive Wirkung entfalten«. HDE-Präsident Alexander von Green forderte Kommunalpolitiker auf, »Leerstände konsequent zu bekämpfen«. Dies sei entscheidend, um Innenstädte zu beleben. »Je weniger Leerstände, desto besser auch das Sicherheitsgefühl der Menschen.«
Alter entscheidend bei Sicherheitsgefühl
Für ein besseres Sicherheitsgefühl in Stadtzentren würde der Umfrage zufolge in erster Linie eine bessere Beleuchtung sorgen. Dies gaben 53 Prozent der Befragten an. Mehr Polizeipräsenz wünschten sich 43 Prozent. Bei den Unter-40-Jährigen waren ordnungspolitische Lösungen hingegen deutlich unbeliebter. Besonders unzufrieden mit ihren Innenstädten waren die Befragten beim Thema Wohnen, vor allem im Westen Deutschlands.
Für die repräsentative Studie befragte das Beratungsunternehmen Cima etwa 5.000 Bürgerinnen und Bürger.