Starke Muskeln können älteren Frauen ein längeres Leben sichern Studie
Beim Thema gesundes Altern denken viele Menschen zuerst an Ausdauertraining: Spazierengehen, Joggen oder Radfahren. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass ein anderer Faktor mindestens ebenso entscheidend sein kann – und häufig unterschätzt wird: die Muskelkraft.
Die Forschenden fanden heraus, dass ältere Frauen mit höherer Muskelkraft ein deutlich geringeres Sterberisiko aufweisen. Besonders interessant: Dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst wenn andere zentrale Einflussgrößen wie körperliche Aktivität, Sitzzeiten oder die allgemeine Fitness mit in die Auswertung einbezogen wurden.
Die Resultate liefern damit einen entscheidenden Hinweis für ein gesundes Altern – und für das Konzept der Longevity.
Nils Behrens ist einer der bekanntesten Longevity-Experten im deutschsprachigen Raum und Host des Podcasts HEALTHWISE. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Die Studie: Über 5.400 Frauen wurden acht Jahre begleitet
Die Untersuchung wurde im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht. Analysiert wurden Daten von 5.472 Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren, die Teil der großen Women’s Health Initiative waren. Das durchschnittliche Alter lag bei etwa 78,7 Jahren.
Die Teilnehmerinnen absolvierten mehrere körperliche Tests, darunter:
Messung der Handgriffkraft mit einem Dynamometer
Chair-Stand-Test, bei dem die Zeit gemessen wird, die man braucht, um mehrfach vom Stuhl aufzustehen
Bewegungsmessung über sieben Tage mittels Beschleunigungssensor
Die Frauen wurden im Durchschnitt 8,3 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit starben 1.964 Teilnehmerinnen, also etwa 36 Prozent der Gruppe.
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Die Forschenden analysierten, wie stark Muskelkraft mit der Sterblichkeit zusammenhängt.
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Das zentrale Ergebnis: Mehr Kraft – geringeres Sterberisiko
Das Ergebnis war klar: Frauen mit höherer Muskelkraft hatten ein deutlich geringeres Risiko zu sterben.
Konkret zeigte sich:
Eine Zunahme der Griffkraft um eine Standardabweichung war mit rund 12 Prozent niedrigerer Sterblichkeit verbunden.
Auch schnellere Zeiten im Chair-Stand-Test waren mit einem geringeren Sterberisiko verbunden, wenn auch etwas schwächer.
Entscheidend: Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Kontrolle anderer Faktoren bestehen, darunter
objektiv gemessene körperliche Aktivität
sitzende Lebensweise
Gehgeschwindigkeit
Entzündungsmarker im Blut.
Mit anderen Worten: Muskelkraft scheint ein eigenständiger Marker für gesundes Altern zu sein.
Warum Muskelkraft so wichtig für gesundes Altern ist
Die Ergebnisse passen zu einem wachsenden Forschungsfeld rund um Sarkopenie, also den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft.
Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelmasse und Kraft natürlicherweise ab. Dieser Prozess kann mehrere Folgen haben:
erhöhtes Risiko für Stürze
Verlust von Mobilität
zunehmende Gebrechlichkeit
steigendes Risiko für Krankheiten und Pflegebedürftigkeit.
Muskelkraft gilt deshalb in der Altersmedizin zunehmend als wichtiger Marker für funktionelle Gesundheit.
Ein einfacher Griffkrafttest kann sogar Hinweise auf das allgemeine Sterberisiko liefern. Studien zeigen seit Jahren, dass geringe Griffkraft mit höherer Sterblichkeit verbunden ist.
Longevity bedeutet nicht nur Ausdauer, sondern auch Kraft
In der öffentlichen Diskussion über Longevity steht häufig Ausdauertraining im Fokus. Die neue Studie erinnert daran, dass Krafttraining ein ebenso wichtiger Bestandteil gesunder Langlebigkeit sein könnte.
Selbst bei Frauen, die die Empfehlungen für aerobe Bewegung erfüllten, zeigte sich ein zusätzlicher Vorteil durch höhere Muskelkraft. Die Forschenden betonen deshalb, dass der Erhalt von Muskelkraft ein zentraler Bestandteil des gesunden Alterns sein sollte.
Was das konkret für deinen Alltag bedeutet
Die aktuellen Bewegungsempfehlungen vieler Gesundheitsorganisationen raten dazu, mindestens zweimal pro Woche Muskeltraining in den Alltag zu integrieren.
Dazu zählen zum Beispiel:
Krafttraining mit Gewichten
Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
Widerstandsband-Training
funktionelle Übungen wie Kniebeugen oder Ausfallschritte.
Wichtig: Auch im höheren Alter lassen sich Muskelkraft und Muskelmasse noch verbessern. Muskeln reagieren lebenslang auf Trainingsreize.
Fazit: Krafttraining ist ein zentraler Baustein für ein langes Leben
Die Studie zeigt deutlich: Muskelkraft ist mehr als nur ein Fitness-Thema. Sie könnte ein entscheidender Faktor für gesundes Altern sein.
Frauen mit stärkerer Muskulatur hatten in dieser Untersuchung ein deutlich geringeres Sterberisiko – unabhängig davon, wie viel sie sich sonst bewegten.