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Starker Reifenabbau bremst Marc Marquez: "Ich kann es nicht erklären"

Sport

(Motorsport-Total.com) - Der Abbau des weichen Hinterreifens war das große Thema beim MotoGP-Sprint in Silverstone. Nur Jack Miller (Pramac-Yamaha) und Brad Binder (KTM) wählten für das Rennen über zehn Runden den härteren Medium-Hinterreifen, der im Grand Prix voraussichtlich die klare Wahl sein wird. Dass der weiche Hinterreifen im Sprint bei allen so stark nachlassen würde, kam für die Teams und Fahrer überraschend. Michelin hat diesmal einen anderen weichen Reifen als im Vorjahr nach Silverstone gebracht, weil das Rennen im August stattfindet. "Beim Hinterreifen hat sich die Soft-Option weiterentwickelt", sagt Michelin-Manager Piero Taramasso und erläutert die Details: "Mit erhöhter Steifigkeit, um potenziell höheren Temperaturen besser gerecht zu werden." Vor allem Ducati hatte im direkten Vergleich mit Aprilia deutlich größere Probleme. In der Anfangsphase konnte Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati) zunächst noch den Anschluss an die Aprilias von Jorge Martin und Ai Ogura halten. Ab der fünften Runde wurden "Diggias" Rundenzeiten deutlich langsamer. Er wurde zunächst von Marco Bezzecchi und anschließend von Alex Marquez überholt und kam als Fünfter ins Ziel. Noch dramatischer war der Reifenabbau bei Marc Marquez. Die vorletzte und letzte Runde absolvierte er im Bereich von 2:02 Minuten. Zum Vergleich fuhr Sprintsieger Martin in seiner vorletzten Runde noch 1:59,6 Minuten. Yamaha-Fahrer Fabio Quartararo sagt über den weichen Hinterreifen: "Ich denke, es ist weniger der Reifenverschleiß als die Tatsache, dass man den Reifen recht schnell überhitzt." "Wenn man mehr Grip hat, kann man mit dem Gas spielen und die Temperatur etwas niedriger halten. Ich glaube, genau da ist Aprilia stärker als alle anderen, weil sie es meiner Meinung nach schaffen, die Temperatur am Hinterreifen niedriger zu halten und dadurch länger ein starkes Tempo fahren können." Das bestätigt auch Martin indirekt. Auf die Frage, wie er seinen Reifen gemanagt hat, antwortet er: "Das Gas nicht zu hundert Prozent öffnen und warten, bis der Grip da ist." Marc Marquez wollte keinen Highsider riskieren Auch Martin und Ogura bekamen Probleme mit dem Hinterreifen, diese waren jedoch nicht so signifikant wie bei Ducati. Nur ein oder zwei weitere Kurven, und Marc Marquez hätte gar keinen WM-Punkt gesammelt. "Es fühlte sich ziemlich gefährlich an, in die Kurve zu fahren und einen Highsider zu riskieren. Dann habe ich entschieden, das Rennen einfach zu Ende zu fahren, denn ich will mich nicht verletzen. Und das ist momentan das wichtigste Ziel." Das gelang Marc Marquez, aber dennoch ist er über Platz neun enttäuscht, "weil wir im Sprint ein neues Gefühl erlebt haben. Im Training hatten wir diesen Abbau am Hinterreifen nie." "Ich war nicht der Einzige, viele Fahrer hatten das Problem, aber ich war derjenige, der am meisten darunter gelitten hat, weil es super früh angefangen hat. Schon in Runde vier habe ich einen massiven Abbau gespürt." Marc Marquez schiebt die Schuld nicht auf Michelin Warum der Reifen bei ihm so stark nachließ, kann sich Marc Marquez nicht erklären: "Das Problem war kein Reifenverschleiß, es war Graining, und wenn man Graining hat, ist es so, als würde der Gummi nicht in der richtigen Temperatur arbeiten." "Es ist nicht so, dass Michelin die falsche Mischung mitbringt, denn wenn man die Reifentemperatur mit der Fahrbahntemperatur vergleicht, ist es die richtige. Wir sind im richtigen Bereich." "Also müssen wir genau da ansetzen und verstehen. Ich kann es nicht beantworten", rätselt Marc Marquez, der sich dabei an seinem Bruder orientieren will: "Wir müssen gut verstehen, was Alex macht, und ob diese Richtung uns für morgen helfen kann." Auch Michelin nahm Stellung zum starken Reifenabbau, der auch für die Ingenieure der französischen Marke etwas überraschend kam. Aber Taramasso hat dafür auch eine Erklärung. "Wir haben den Abbau zwei Runden vor Schluss erwartet, aber er trat früh auf", sagt der Michelin-Manager. "Jetzt müssen wir das genauer untersuchen. Sicherlich war das Pace sehr schnell." "In den ersten vier oder fünf Runden haben die Fahrer, besonders die an der Spitze, sehr, sehr hart gepusht. Das ist also sicherlich ein Grund. Außerdem war die Streckentemperatur recht hoch." "Am Freitag sind mehrere Fahrer zehn bis elf Runden mit dem weichen Hinterreifen gefahren. Wir haben diesen Abbau nicht gesehen, aber sie sind die Runden in zwei Runs gefahren." "Außerdem war die Pace [im Training] viel langsamer, denn der Sprint war eine Sekunde schneller im Vergleich zum Rekord von 2024. Auch die schnellste Runde war sechs Zehntel schneller im Vergleich zum Rekord." All diese Faktoren zusammen sorgten dafür, dass der Reifen früher als gedacht abbaute. Di Giannantonio büßte dafür, dass er am Anfang versuchte, mit Martin und Ogura mitzuhalten. Er sprach von einem eigenen Fehler. Alex Marquez rechnet sich gegen Aprilia keine Chance aus Alex Marquez hielt nach dem Sprint fest, dass es ein Fehler war, nicht auf den Medium-Hinterreifen gesetzt zu haben. Bei ihm ist der starke Abbau des weichen Hinterreifens schon im Vormittagstraining vor dem Qualifying aufgetreten. "Ich denke, das war das beste Training fürs Rennen", sagt der Gresini-Fahrer. "Und ich hatte auch am Anfang etwas Glück, dass ich Raul und auch Marco vor mir hatte. Sie waren schnell, aber nicht extrem schnell." "Zu diesem Zeitpunkt konnte ich also etwas Reifen sparen. Die anderen hingegen haben versucht, einfach Jorge zu folgen. Ohne Rauls Sturz wäre mein vierter Platz heute ein fünfter Platz gewesen." "Mit allen Aprilias auf der Strecke wird der fünfte Platz also das Maximum sein, um das wir kämpfen", sagt Alex Marquez mit Blick auf das lange Rennen am Sonntag. Er rechnet sich im Duell mit den vier Aprilia-Fahrern daher kaum Chancen aus. Für die Grand-Prix-Distanz über 20 Runden wird der Medium-Hinterreifen am Sonntag voraussichtlich die bevorzugte Wahl sein. Allerdings glaubt Marc Marquez, dass auch dieser Reifen stark nachlassen könnte. "Auf dem Papier sind Soft und Medium sehr, sehr ähnliche Reifen. Die linke Mischung ist gleich, die rechte Mischung ist aus derselben Familie, nur eine Stufe härter, also ist der Unterschied zwischen den Reifen nicht groß." Es ist ein asymmetrischer Reifen mit einer härteren Mischung auf der rechten Flanke.

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