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Starnberger See und Ammersee in Zeiten des Klimawandels

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Starnberger See und Ammersee in Zeiten des Klimawandels – Wie ist es um sie bestellt?

Von: Stephanie Uehlein

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Der Starnberger See und der Ammersee sind der zweit- und drittgrößte See in Bayern. Sie sind das Ziel Erholungssuchender, aber auch Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. Doch in Zeiten des Klimawandels verändern sie sich. Welche Auswirkungen können Niedrigwasser und erhöhte Wassertemperaturen haben? Darüber informierten drei Fachleuten vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim.

Landkreis – Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim hat den Starnberger See und den Ammersee auf seine eigene Art laufend unter Beobachtung. Es ermittelt unter anderem Wasserstände und -temperaturen, und zwar am Starnberger See in Starnberg sowie am Ammersee in Stegen, aber auch mitten im See auf der Höhe von Riederau. Dort befindet sich – an der tiefsten Stelle des Gewässers – eine besondere Messstelle: eine schwimmende Boje, mit der sich Temperaturprofile für verschiedene Wassertiefen erstellen lassen. Dies sei in Bayern einmalig, betont Karlheinz Daamen. Er ist beim WWA Leiter der Hochwasservorhersagezentrale, des Hochwassernachrichtendienstes und der hydrologischen Bemessung und ist von der Wichtigkeit der Messstellen überzeugt: „Was wir jetzt nicht messen, das haben unsere Nachfahren nicht mehr zur Verfügung“, sagt er.

Heuer neuer Temperaturrekord

Die Wassertemperaturen, die im Starnberger See und im Ammersee registriert wurden, spiegeln – so erklärt Daamen – „die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen“ wider, also die vergleichsweise hohen Temperaturen der vergangenen Jahre. Robert Kapa, Sachgebietsleiter „Monitoring – Biologie, Chemie“, nennt konkrete Werte von den Messstellen: Auf der Seeoberfläche des Ammersees wurden heuer Spitzenwerte von 27,9 Grad festgestellt. Im Starnberger See wurde mit 27,8 Grad sogar ein neuer Rekord registriert.

Eine Auswertung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin zeigt, dass die Oberflächentemperatur von 46 ausgewählten deutschen Seen in den vergangenen 30 Jahren im Durchschnitt um etwa 0,5 Grad pro Jahrzehnt gestiegen ist. Beim Starnberger See und beim Ammersee sind es laut Kapa an die 0,7 bis 0,8 Grad. Und das sei „biologisch absolut relevant“.

Die im Vergleich hohen Temperaturen bedeuten nämlich unter anderem eine Gefahr für die Tierwelt, wie Kapa deutlich macht: „Unmittelbar davon betroffen sind vor allem die gewässerökologischen Verhältnisse in den Seeausflüssen. Die Spitzenwerte der Temperaturen liegen bereits oberhalb des Toleranzbereichs für kälteliebende Flussfischarten wie Forelle, Äsche und Koppe“, so der Experte. „Diese Arten können in Würm und Amper nur überleben, sofern sie noch in ausreichendem Umfang Rückzugsräume im Bereich von kühlenden Zuflüssen oder Grundwasserzutritten vorfinden.“

Dagegen seien Wassertemperaturspitzen für kälteliebende Fischarten, die in der Oberflächenschicht der Seen leben, „weniger akut“: Die Tiere können nämlich ins ganzjährig kühlere Tiefenwasser ausweichen, sofern dieses ausreichend sauerstoffhaltig bleibt. Doch gerade dies ist laut Kapa nicht selbstverständlich: Verbunden mit der Klimaerwärmung, isoliert das in der Oberflächenschicht stark erwärmte Wasser das darunterliegende kühle Tiefenwasser von der Sauerstoffanreicherung. „Je länger diese Isolation in den Herbst hinein andauert, desto mehr Sauerstoff wird im Tiefenwasser aufgezehrt“, erklärt Kapa. „Schließlich kann hier so viel Sauerstoff verbraucht werden, dass kritische Konzentrationen für sauerstoffbedürftige Organismen unterschritten werden können.“

Es bestehe die Gefahr, dass vor allem im Herbst die unteren Schichten des Tiefenwassers sauerstoffarm oder sogar lebensfeindlich für höhere Organismen, etwa für Fische, werden. Bislang sei es diesbezüglich aber im Starnberger See und im – stärker gefährdeten – Ammersee noch zu „keiner kritischen Größenordnung“ gekommen, stellt Kapa klar. Allerdings sei der Sauerstoffgehalt, der wie zahlreiche andere Parameter immer wieder untersucht wird, in der Tiefe gesunken. Er sei heuer um etwa zehn Prozent niedriger als noch vor drei Jahren. Kapa kann sich vorstellen, dass kälteliebende Fischarten wie Renken, Seeforellen und Seesaiblinge immer mehr aus den beiden Voralpenlandseen verschwinden – verbunden mit entsprechenden Auswirkungen auf die Berufsfischerei.

Niedrigwasser bremst Schifffahrt aus

Obwohl sich die klimabedingt steigenden Wassertemperaturen laut Kapa insgesamt negativ auf die biologische Vielfalt der beiden Seen auswirken: Es gibt auch Arten, die von den Veränderungen profitieren, wie heimische karpfenartige Fische und wärmetolerante Pflanzenarten, darunter das vermehrt auftretende Große Nixenkraut.

Die vergleichsweise hohen Wassertemperaturen begünstigen zudem die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten, die Tiere und Menschen befallen (darunter die Badedermatitis). Trotzdem dürften sich so manche Badegäste, die zum Beispiel in Aidenried am Ammersee sowie in Bernried und Seeshaupt am Starnberger See Erholung suchen, am warmen Wasser erfreuen.

Freizeitaktivitäten ausgebremst hat allerdings heuer das Niedrigwasser am Starnberger See: Denn die Landestege in vier Orten, darunter auch in Bernried, mussten vorübergehend aus dem Fahrplan der Bayerischen Seenschifffahrt gestrichen werden. Der Starnberger See war schon mit Niedrigwasser in das laufende hydrologische Jahr gestartet, das am 1. November 2025 begann. Seitdem hat er laut WWA den mittleren Seewasserstand (etwas über 80 cm an der Messstelle in Starnberg) nicht wieder erreicht. Hauptursache für das Niedrigwasser ist ein unterdurchschnittlicher Niederschlag; seit 1. November fehlt etwa ein Drittel des Durchschnittsniederschlags der Jahre 1991 bis 2020. Aber auch eine hohe Verdunstung durch viel Sonne, extreme Temperaturen und teilweise starken Wind sind dem WWA zufolge Faktoren für den niedrigen Wasserstand.

Etwas günstiger als am Starnberger See sind die Verhältnisse am etwa 47 Quadratkilometer umfassenden Ammersee. Dieser hat die Ammer als großen Zufluss und mit knapp 1000 Quadratkilometern ein deutlich größeres Wassereinzugsgebiet als der Starnberger See (circa 315 km² bei einer Größe von etwa 56 km²). Während sich das Wasser in Letzterem statistisch ungefähr alle 21 Jahre komplett erneuert, liegt diese Zeit am Ammersee bei rund 2,7 Jahren.

Lebensräume können austrocknen

Dass Schiffe nicht wie geplant fahren, ist nur eine Seite des Niedrigwassers. Denn dieses kann sich auch auf Flora und Fauna auswirken. Mit ihm besteht laut Kapa die Gefahr, dass Flachwasserzonen und die dortigen Lebensräume austrocknen. Obwohl diese Lebensräume in der Lage seien, mit dem sinkenden Wasserstand (in Abhängigkeit von der Uferstruktur) „mitzuwandern“, könnten die Bestände von Wasserorganismen kurzfristig deutlich reduziert werden. Das könne vor allem wenig mobile Organismen wie Muscheln und Schnecken treffen. „Aber auch für Jungfische kann sich der geeignete Lebensraum einengen“, erkärt Kapa.

In diesem Zusammenhang ist laut dem Experten zu erwähnen, „dass ein besonders starker Rückgang des Wasserstandes dazu führt, dass der Röhrichtgürtel den Kontakt zur Wasserlinie verliert“. Auch dieser wertvolle Lebensraum stehe dann für wassergebundene Arten wie Fische kurzfristig nicht mehr zur Verfügung. „Das Wasserschilf ist Brutstätte und Nahrungshabitat für viele Fisch- und Vogelarten“, so Kapa, „weshalb zum Beispiel ein Fortdauern des Niedrigwasserstandes bis ins Frühjahr mit deutlichen Reproduktionseinbußen verbunden sein würde.“

Dass sich das Wasser des Starnberger Sees – wie erwähnt – statistisch in einer Zeit von über 20 Jahren erneuert, bedeutet für das Gewässer: Es dauert eventuell monatelang, bis Hochwasser oder Niedrigwasser abklingt. „Änderungen vollziehen sich gefühlt wie in Zeitlupe“, so das WWA.

Wie können Flora, Fauna und der Mensch geschützt werden?

„Aktuelle Klimaszenarien sagen eine Tendenz für höhere Niederschläge im Winter und niedrigere im Sommer voraus“, so die Behörde weiter. „Für den Wasserhaushalt des Starnberger Sees könnte die Tendenz der Jahre seit etwa 2003, wo wir – mit Ausnahme des Jahres 2024 – im Mittel einen Rückgang der Grundwasserneubildung von 15 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert beobachten, häufiger zu einem niedrigeren Wasserstand führen.“ Das Grundwasser bilde sich allerdings überwiegend im Winterhalbjahr während der Vegetationsruhe: „Von daher wäre auch eine wieder ansteigende Tendenz möglich, wenn die Klimaszenarien eintreffen und es zu höheren Niederschlägen im Winter kommen sollte.“ Beim Ammersee, dessen Einzugsgebiet bis in die Alpen reicht, könnte es zum Beispiel negative Folgen haben, wenn die Zahl der Schnee- und Eistage immer weiter abnimmt.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, Flora, Fauna und Menschen vor möglichen Gefahren an den beiden Voralpenland-Seen zu schützen? Aus Sicht des Wasserwirtschaftsamts steht dabei „die Abschwächung der Auswirkungen“ von Problemsituationen im Vordergrund. Eine Entlastung für Gewässer lässt sich der Behörde zufolge zum Beispiel erreichen, indem ehemalige Feuchtgebiete wieder vernässt oder wasserspeichernde Landschaftsstrukturen angelegt werden. Für Zeiten mit geringen Niederschlägen sollten laut WWA Vorkehrungen getroffen werden, um den privaten Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Helfen könnten dabei zum Beispiel Zisternen, die mit Regenwasser gefüllt werden.

„Vernünftiges Handeln“ statt „lauter Diskurs“

Dominikus Findler, Abteilungsleiter beim WWA, wünscht sich, dass die Bevölkerung „die einzigartige Menge und Güte“ an Seen im Voralpenland wertschätzt. Statt eines „lauten Diskurses“ sei „vernünftiges Handeln“ zum Schutz der Naturräume angesagt, sagt er und hofft für die Seen, dass 2027 ein normaleres Jahr als 2026 wird: „Heuer war es sehr heiß und sehr trocken – eine sehr, sehr schlechte Kombination.“

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