Start in Deutschland rückt näher
Xiaomi hat auf der IFA 2026 in Berlin den Aufbau eines eigenen Vertriebs- und Werkstattnetzes für Deutschland besiegelt. Wer ein chinesisches Elektroauto bislang nur per Direktimport bekommen konnte, hat damit erstmals Aussicht auf eine Werkstatt mit Herstelleranbindung. Belastbar ist vorerst allerdings nur die Handelsstruktur. Alles weiteren Details zum eigentlichen Kauf steht noch aus und auch der wichtigste Technologiewechsel im Fahrzeug fällt ausgerechnet in dasselbe Jahr.
Xiaomi in Deutschland: Händler unterschreiben auf der IFA 2026
Acht deutsche Handelsgruppen tragen den Markteintritt von Xiaomi: Emil Frey Germany, Ernst Dello, Autohaus Dinnebier, Hahn Automobile, LUEG Mobility, Fett & Wirtz, SPT Avior und Penske-Jacobs. Xiaomi verzichtet damit auf den reinen Onlinedirektvertrieb, mit dem Tesla den europäischen Markt aufgerollt hat, und setzt auf Partner, welche verschiedenste Premiummarken teils bereits seit Jahrzehnten betreuen.
Geplant sind zunächst rund 15 Verkaufsstandorte in den großen Metropolregionen und etwa doppelt so viele Servicepunkte. "Xiaomi Auto setzt auf langfristige Investitionen in Europa", sagte Yu Liguo, Vice President von Xiaomi und Leiter des Auslandsgeschäfts.
Europa ist ein Schlüsselmarkt für unsere globale Strategie
Mit dem Ausbau von Mijia in Europa und dem geplanten Marktstart von Xiaomi Auto im Jahr 2027 werden die drei zentralen Komponenten unseres Ökosystems – persönliche Geräte, intelligente Fahrzeuge und Smart-Home-Lösungen – künftig auch in Europa nahtlos zusammenwirken.
Dabei geht es um mehr als die Einführung weiterer Produkte: Wir möchten unsere Technologie- und Ökosystem-Kompetenz europäischen Verbrauchern zugänglich machen.
― Xiaomi im Rahmen der IFA 2026 in Berlin ―
Neben dem Entwicklungszentrum in München, welches bereits im September 2025 seine Arbeit aufgenommen hat, seien die lokalen Handelspartner eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen verlässlichen Start in Deutschland.
Unterschrieben wurden Absichtserklärungen, keine Händlerverträge. Auch das Zieljahr 2027 ist nicht neu, es steht bereits seit anderthalb Jahren fest. Neu sind die Namen der Händlergruppen, welche hinter dem Deutschlandstart stehen. Auf seinem großen Messestand in Halle 6.2 zeigte Xiaomi auf 3.300 Quadratmetern die aktuelle SU7-Baureihe samt Ultra sowie das Konzeptfahrzeug Vision Gran Turismo, doch ausgerechnet das Volumenmodell YU7 wurde auf der IFA nicht präsentiert.
Vom Nürburgring in den Autohandel: Was Xiaomi bisher gezeigt hat
Der Xiaomi YU7 GT umrundete die legendäre Nordschleife am 8. Juni 2026 in 10:29,483 Minuten ohne Fahrer an Bord und hält damit den Rundenrekord in der vom Nürburgring neu eingeführten Kategorie "Autonomous Driving". Zum Vergleich: Mit dem Rennfahrer Vincent Radermecker am Steuer stand am 2. April 2026 eine 7:22,755 auf der Uhr.
Hinweis: Das Serienmodell des Xiaomi SU7 Ultra fuhr im April 2025 eine 7:04,957, ebenfalls eine neue Rekordrunde in der Wertung für elektrische Oberklassefahrzeuge.
Für Käufer sagt die Bestzeit weniger aus als der Abstand von gut drei Minuten zwischen Mensch und Software. Er zeigt auch, wie konservativ das Fahrsystem im Grenzbereich abgestimmt ist. Die autonome Runde entstand zudem mit einem Sonderaufbau und nicht mit dem Serienassistenten.
Xring D100 statt Nvidia Drive: Der Chipwechsel fällt ins Startjahr
Mit dem Xring D100 hat Xiaomi am 24. August 2026 einen selbst entwickelten Chip aus TSMCs 3-nm-Fertigung ("N3") vorgestellt, welcher ab 2027 die bislang zugekauften Plattformen von Nvidia ablösen soll.
Der Xiaomi SU7 und YU7 setzen bislang auf Nvidia Drive, zunächst mit Orin, inzwischen mit dem neueren Thor. Der hauseigene D100 bietet eine CPU mit 20 Prozessorkernen, eine NPU mit 16 Cores und Unterstützung für bis zu 160 GiB gemeinsam genutzten Speicher. KI-Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern sollen damit lokal im Elektrofahrzeug lauffähig werdenl, wie Xiaomi offiziell angegeben hat.
Eine TOPS-Angabe nennt Xiaomi bis heute nicht. Damit fehlt der branchenübliche Vergleichswert gegenüber dem Nvidia Thor. Beide Umstellungen fallen in dasselbe Jahr; welche Rechenplattform die ersten hier verkauften Fahrzeuge nutzen, ist offen. Selbst entwickelt heißt dabei nicht unabhängig: Gefertigt wird bei TSMC, die Rechenkerne stammen aus bestehenden Arm-Lizenzen.
Preise, Zölle und Termin: Was für deutsche Käufer offen bleibt
Auf in China gebaute Elektroautos erhebt die EU Ausgleichszölle von 7,8 bis 35,3 Prozent, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent. Seit dem Januar 2026 können Hersteller diesen Zöllen entgehen, wenn sie sich auf einen Mindestimportpreis verpflichten; die Kommission prüft jeden Antrag einzeln. Ein namentlich für Xiaomi festgelegter Satz ist bislang nicht veröffentlicht. Das Unternehmen exportierte zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht nach Europa.
Der spätere Endpreis hängt damit von einer Entscheidung ab, die zum Zeitpunkt der Ankündigung in Berlin niemand kennt. Auf ein Startdatum legte sich Xiaomi ebenfalls nicht fest; Firmenchef Lei Jun hatte zuvor die zweite Jahreshälfte für den Europastart genannt. Unerreichbar sind die Elektrofahrzeuge hierzulande dennoch nicht: Einzelne Exemplare rollen über Direktimporte, und Xiaomi selbst bewegt einen SU7 Ultra mit deutschem Kennzeichen zu Testzwecken in München.
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