Startschuss für die US-Quartalssaison! Wer geht steil und wer schmiert jetzt ab?
Dienstag, 13. Oktober: Johnson & Johnson
Für viele Biotechnologie- und Pharmawerte sind die vergangenen 12 Monate überaus erfolgreich verlaufen. Der Nasdaq Biotechnology Index hat mit einem Plus von knapp 36 Prozent die übrige Technologiebranche gemessen am Nasdaq 100 outperformen können. Rückenwind liefern eine starke Ertragsentwicklung, Forschungsdurchbrüche mithilfe KI-unterstützter Wirkstoffentwicklung und schnellere Zulassungsverfahren.
Davon profitierte Dividendenkönig Johnson & Johnson – das Unternehmen zahlt seit 63 Jahren ununterbrochen eine steigende Ausschüttung – im Besonderen. Die Aktie konnte sogar knapp 37 Prozent zulegen, was für eine lange als Value- und Dividendenwert gehandelte Aktie außergewöhnlich viel ist. Grundsätzlich wurde der Kursanstieg durch die Geschäftsentwicklung unterstützt.
Die Umsatzentwicklung hat sich in den vergangenen 4 Quartalen deutlich beschleunigt, ausgerechnet dank des lange schwächelnden Pharmageschäfts, wo die Erlöse zeitweise zweistellig zugelegten – vor allem dank des Blockbuster-Präparats Darzalex, einem monoklonalen Antikörper, der in Krebs- und Immuntherapie zur Anwendung kommt.
Da der Aktienkurs aber schneller gestiegen ist als die Gewinne gewachsen sind, handelt Johnson & Johnson mit einem KGVe 2026 von 23,2 inzwischen um 38,1 Prozent über seinem 5-Jahres-Mittel. Bei anderen Kennziffern liegt die Bewertungsprämie in ähnlicher Höhe und auch gegenüber dem Branchenmittel ist Johnson & Johnson inzwischen rund 20 bis 30 Prozent höher bewertet.
Damit sind starke Zahlen und ein zuversichtlicher Ausblick essenziell für eine Rallyefortsetzung. Werden die Umsatzerwartungen von 25,39 Milliarden US-Dollar (+5,8 Prozent) und die Gewinnschätzung von 2,50 US-Dollar pro Aktie (bereinigt; Non-GAAP) nicht erfüllt, könnten die Anteile vor einer Bewertungskorrektur stehen.
Anlegerinnen und Anleger sind zuversichtlich, dass es Johnson & Johnson gelingen wird, die hohen Erwartungen zu erfüllen. 52,4 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Optionen liegen auf der Call-Seite, ihnen steht ein Put-Anteil von 47,6 Prozent gegenüber. Eingepreist ist eine Kursreaktion von bis zu 3,5 Prozent. Das ist ein für die Aktie überdurchschnittlich hoher Wert.
Dienstag, 13. Oktober: JP Morgan
Für Banken und andere Finanzwerte steht mit der kommenden Woche der Höhepunkt der US-Quartalssaison bereits bevor. Neben dem führenden und ertragsstärksten Institut JP Morgan werden insbesondere am Dienstag und Mittwoch zahlreiche weitere Banken ihre Quartalszahlen präsentieren. Eine Auswahl kann der untenstehenden Tabelle entnommen werden.
Die Branche insgesamt hat in den zurückliegenden Jahren sowohl operativ als auch mit Blick auf die Aktienkursentwicklung hervorragend performt. Der Branchen-ETF Financial Select Sector von Vermögensverwalter State Street erwirtschaftete in den vergangenen 3 Jahren eine Gesamtperformance von 73,4 Prozent, die Aktie von JP Morgan brachte es sogar auf eine Rendite von knapp 145 Prozent.
US-Großbanken profitieren von einer Sonderkonjunktur aus hohen Anleiherenditen, welche für stark gestiegene Zinserträge sorgen, zahlreichen großen IPOs wie dem von SpaceX sowie einer robusten Konjunktur und einer gewaltigen Kreditnachfrage im Zusammenhang mit dem KI-Boom. Inzwischen zeichnet sich allerdings ein Ende dieser Sonderkonjunktur ab.
Geplante Börsengänge wie die von OpenAI und Firmus fallen für das erste ins Wasser, bei der Finanzierung des KI-Booms treten zunehmend die Risiken in den Vordergrund und Anleihen werden aufgrund wachsender Buchverluste ebenfalls zu einem Problem. Während JP Morgan im abgelaufenen Quartal noch einmal stark performt haben dürfte, könnte der Ausblick auf das kommende Vierteljahr daher umso schwächer ausfallen und die Aktie weiter belasten.
Von Analystinnen und Analysten wird ein Umsatzergebnis in Höhe von 51,22 Milliarden US-Dollar erwartet, was gegenüber dem Vorjahresquartal eine Steigerung von 10,3 Prozent wäre. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 5,94 US-Dollar ebenfalls noch einmal um 17,2 Prozent höher ausfallen. Mit Blick auf ihre Bewertung handelt die Aktie gegenwärtig mit einem KGVe 2026 von 13,7. Das liegt um rund 12 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel.
Nach den zuletzt substanziellen Kursverlusten wettet eine deutliche Mehrheit der Optionsmarktteilnehmenden auf eine Erholung der Anteile, die Call-Quote liegt bei 64,3 Prozent. Damit wetten Händlerinnen und Händler aber gegen die statistische Wahrscheinlichkeit, denn in den vergangenen 6 Quartalen ging es 4 mal nach unten. Die erwartete Kursreaktion beträgt ±3,4 Prozent.
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Mittwoch, 14. Oktober: ASML
Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte halten gegenwärtig den US-Aktienmarkt zusammen, denn unter der Last rasant steigender Anleiherenditen haben sich viele andere Branchen, vor allem Value- und Substanzwerte, längst aus dem Rennen um neue Rekordnotierungen verabschiedet.
Im Gegenteil markierten zuletzt deutlich mehr Werte neue 52-Wochen-Tiefs, als sich Aktien überhaupt noch auf neue Hoch steigern konnten. Sollten Chip- und KI-Aktien in der in der kommenden Woche beginnenden Quartalssaison also enttäuschen, könnte es zum von Crash-Propheten schon länger vorhergesagten Einbruch am Aktienmarkt kommen.
Einen ersten Vorgeschmack auf das, was sich Anlegerinnen und Anleger von der Branche erwarten können, wird ASML liefern. Dessen Geschäftsentwicklung gilt als Frühindikator für die gesamte Branche, denn ohne die Lithografiemaschinen der Niederländer geht in der Herstellung der leistungsfähigsten Halbleiterprodukte nichts mehr.
Dementsprechend stark war die Geschäftsentwicklung in den vergangenen drei Quartalen mit einem Umsatzwachstum von jeweils etwa 20 Prozent. In den zurückliegenden drei Monaten sollen die Erlöse von 8,75 auf 13,09 Milliarden US-Dollar und damit sogar um stolze 49,6 Prozent gewachsen sein. Das wäre der beste Wert seit Q1 2025. ASML selbst hatte vor 3 Monaten Nettoerlöse von 12,88 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich auf 11,94 US-Dollar belaufen - das wäre gegenüber dem Vorjahresquartal ein Anstieg um 86,9 Prozent. Die Anteile spiegeln das mit einem Plus von 81,6 Prozent in den zurückliegenden 12 Monaten jedoch bereits wider.
Die Hürden für positive Kursreaktion nach den Zahlen liegen hoch, denn mit einem KGVe 2026 von 41,5 liegt das Gewinnvielfache bereits um rund 12 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel. Gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis mit 1,25 moderat, aber nicht mehr günstig.
Angesichts der fortgeschrittenen Unternehmensbewertung überwiegt am Optionsmarkt das Absicherungsbedürfnis. Einem Call-Anteil von 45,0 Prozent steht eine Put-Quote von 55,0 Prozent gegenüber. Gleichzeitig liegt die eingepreiste Kursreaktion mit ±6,0 Prozent etwas unter dem Durchschnittswert der Aktie, die in den vergangenen 6 Quartalen zuletzt 4 Mal nachgegeben hat.
Mittwoch, 14. Oktober: BlackRock
Ähnlich wie für Banken herrschte in den vergangenen Jahren auch für Vermögensverwalter ein außerordentlich konstruktives Umfeld. Der Aktienmarkt entwickelte sich stark, wodurch die Assets under Management (AUM) und damit auch die Gebühren aus dem ETF-Geschäft gestiegen sind. Dank der robusten Wirtschaftslage besparten Anlegerinnen und Anleger in anhaltendem hohem Umfang ihre Depots und sorgten so für zusätzliche Mittelzuflüsse.
Gleichzeitig hat der nach AUMs größte Vermögensverwalter der Welt sein Geschäft expandiert und diversifiziert – BlackRock mischt und mehr und mehr auch im Finanzierungsgeschäft vor allem von Infrastruktur mit, so hat sich das Unternehmen zu einem wichtigen Kreditgeber auch für den Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen entwickelt.
Im Aktienkurs hat sich das allerdings nicht positiv niedergeschlagen, gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht ein Minus von 7,3 Prozent zu Buche. Dadurch ist die Unternehmensbewertung mit einem KGVe 2026 von 19,3 unter das 10-Jahres-Mittel von 21,4 gefallen. Auch Analystinnen und Analysten sehen das Papier gegenwärtig unterbewertet, sie veranschlagen den fairen Wert der Aktie mit 1.312,88 US-Dollar um 21,3 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag.
Für die Underperformance auch gegenüber dem Gesamtmarkt sind vor allem Sorgen um die zukünftige AUM-Entwicklung verantwortlich, denn der Wettbewerb im ETF-Markt wächst ständig. Der sorgt gleichzeitig für eine Abwärtsspirale bei den Gebühren und für geringere Erträge. Davon dürfte aber zumindest im zurückliegenden Quartal nichts zu sehen gewesen sein. Für die Erlöse wird mit einem Anstieg um 15,5 Prozent auf 7,52 Milliarden US-Dollar gerechnet, der Gewinn pro Aktie soll von 11,55 auf 14,31 US-Dollar und damit um 23,9 Prozent angewachsen sein.
Optionshändlerinnen und -händler sind zuversichtlich, dass die BlackRock-Aktie von der Vorlage des Geschäftsberichtes profitieren wird, sie wetten mit einer Mehrheit von 63,8 Prozent auf steigende Kurse – das passt zur Historie, denn in 5 der letzten 6 Fälle ging es nach den Zahlen bergauf. Im letzten Quartal legte BlackRock 6,6 Prozent zu, für dieses Mal sind ±5,0 Prozent eingepreist.
Donnerstag, 15. Oktober: Taiwan Semiconductor
Neben ASML wartet mit dem Geschäftsbericht des weltweit größten Auftragsfertigers für Halbleiterprodukte, Taiwan Semiconductor, in der kommenden Woche bereits ein zweites Highlight aus der Chip-Branche – auch wenn Anlegerinnen und Anlegern die Umsatzentwicklung bereits bekannt ist, denn die aus den Monatsberichten konsolidierten Zahlen für das abgelaufene Quartal entwickelten sich sehr stark.
Nach einem Umsatzplus von 54,6 Prozent im September legten die Erlöse im abgelaufenen Quartal um 50 Prozent zu. Damit bestätigt sich ein anhaltend starker Trend für die gesamte Halbleiterindustrie. Nach der jüngsten Erhöhung der Wafer-Preise dürfte sich auch der Gewinn von Taiwan Semiconductor erneut ansprechend entwickelt haben. Hier wird mit einem Anstieg von 2,92 auf 4,48 US-Dollar und damit um 53,4 Prozent gerechnet. Das entspricht in etwa dem Kursanstieg in den zurückliegenden 12 Monaten um 51,2 Prozent.
Operativ viel zu befürchten hat Taiwan Semiconductor, solange der KI-Boom intakt bleibt nicht. Mit Samsung und Intel verfügt das Unternehmen zwar über zwei ernstzunehmende Rivalen, technologisch sind die Taiwaner diesen aber überlegen. Das sorgt für Preissetzungsmacht bei den leistungsfähigsten Halbleiterprodukten und dürfte in den kommenden Jahren für eine anhaltend ansprechende Kursentwicklung sorgen.
Eine längere Konsolidierungsphase der Aktie sollten Anlegerinnen und Anleger früher oder später jedoch einplanen, denn mit einem KGVe von knapp 7 liegt Taiwan Semiconductor um 23 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel. Bei anderen Bewertungsvielfachen sind die Aufschläge noch höher. Damit sind neben starken Zahlen auch ein zuversichtlicher Ausblick nicht die Kür, sondern eine Pflicht.
Nach dem in den vergangenen 12 Monaten starken Kursanstieg überwiegt unter Anlegerinnen und Anlegern das Absicherungsbedürfnis. 60,0 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Optionen liegen auf der Put-Seite, ihnen steht auf der Call-Seite ein Anteil von 40,0 Prozent gegenüber. Gerechnet werden muss dabei mit einer Kursbewegung von bis zu 4,3 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
Wert Datum Zeit erw. EPS erw. Umsatz erw. Kursbew. Börsenwert UnitedHealth Di., 13.10. Vorbörse 4,15 $ 111,49 Mrd. $ ± 3,5 % 885,2 Mrd. $ Goldman Sachs Di., 13.10. Vorbörse 13,80 $ 17,03 Mrd. $ ± 4,7 % 264,1 Mrd. $ Wells Fargo Di., 13.10. Vorbörse 1,82 $ 22,35 Mrd. $ ± 4,6 % 252,7 Mrd. $ Citigroup Di., 13.10. Vorbörse 2,63 $ 23,71 Mrd. $ ± 4,1 % 217,5 Mrd. $ Domino's Pizza Di., 13.10. Vorbörse 4,38 $ 1,17 Mrd. $ ± 6,7 % 10,2 Mrd. $ Bank of America Mi., 14.10. Vorbörse 1,11 $ 30,58 Mrd. $ ± 4,0 % 381,2 Mrd. $ Morgan Stanley Mi., 14.10. Vorbörse 2,94 $ 20,24 Mrd. $ ± 4,5 % 298,7 Mrd. $ Wells Fargo Mi., 14.10. Vorbörse 1,82 $ 22,35 Mrd. $ ± 4,6 % 252,7 Mrd. $ Progressive Mi., 14.10. Vorbörse 4,35 $ 22,51 Mrd. $ ± 3,5 % 126,2 Mrd. $ Fastenal Mi., 14.10. Vorbörse 0,34 $ 2,44 Mrd. $ ± 5,8 % 58,2 Mrd. $ State Street Mi., 14.10. Vorbörse 3,68 $ 4,04 Mrd. $ ± 5,1 % 48,1 Mrd. $ Charles Schwab Do., 15.10. Vorbörse 1,66 $ 7,20 Mrd. $ ± 4,3 % 167,2 Mrd. $ Prologis Do., 15.10. Vorbörse 1,57 $ ** 2,22 Mrd. $ ± 4,1 % 123,1 Mrd. $ US Bancorp Do., 15.10. Vorbörse 1,33 $ 8,00 Mrd. $ ± 4,0 % 88,9 Mrd. $ PNC Financial Do., 15.10. Vorbörse 4,98 $ 6,60 Mrd. $ ± 3,9 % 87,5 Mrd. $ Interactive Brokers Do., 15.10. Nachbörse 0,67 $ 1,68 Mrd. $ ± 5,7 % 39,8 Mrd. $ JB Hunt Do., 15.10. Nachbörse 1,81 $ 3,59 Mrd. $ ± 6,8 % 21,5 Mrd. $ Alcoa Do., 15.10. Nachbörse 1,54 $ 3,75 Mrd. $ ± 6,8 % 11,1 Mrd. $ Travelers Fr., 16.10. Vorbörse 7,33 $ 11,02 Mrd. $ ± 3,6 % 76,9 Mrd. $ Truist Financial Fr., 16.10. Vorbörse 1,17 $ 5,36 Mrd. $ ± 4,0 % 56,3 Mrd. $
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilieninvestitionsfonds (REIT), daher FFO statt EPS
Stand: Sonntag, 11. Oktober, 10:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion