DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Stefan Hartung: Warum Bosch der Wandel nicht gelingt

Wirtschaft

Bosch kommt nicht zur Ruhe. Gerade erst hatte der Traditionskonzern die Gespräche über den größten Stellenabbau in der Unternehmensgeschichte beendet und den Schock über das erste Verlustjahr nach langer Zeit verkraftet, als Ende Juni überraschend Stefan Hartung als Vorsitzender der Geschäftsführung zurückgetreten ist. Nicht nur das Streichen von fast 28.000 Stellen in Deutschland, sondern auch der Rücktritt, der eigentlich eine Entlassung war, machen eines deutlich: Der Umbruch beim weltgrößten Autozulieferer ist noch lange nicht zu Ende. Bosch mag es noch so sehr betonen: Der Abgang von Hartung als oberstem Manager ist kein freiwilliger. Gegen die Legende, dass der 60-Jährige sich auf eigenen Wunsch anderen Aufgaben widmen will, spricht der Fakt, dass zwischen Verkündung und Ende der Dienstzeit gerade einmal vier Tage lagen. Der Westfale hatte kaum Zeit, seinen Schreibtisch aufzuräumen, geschweige denn die wichtigsten Kunden zu informieren. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Hartung geht nur neun Monate nach einer Vertragsverlängerung Zudem geht Hartung nur neun Monate nach einer Vertragsverlängerung um fünf Jahre und mitten in einer Zeit, in der die grundlegende Sanierung des Technologiekonzerns zwar angestoßen, aber noch längst nicht abgeschlossen ist. Vor allem aber wechselt Hartung nicht in die Robert-Bosch-Industrietreuhand, die als unternehmerischer Gesellschafter agiert und die eigentliche Machtzentrale des Konzerns darstellt. Früher war es üblich, fast schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass scheidende Chefs Mitglied in dem für das Unternehmen so entscheidenden Zirkel werden. Kurz vor Hartungs Demission hat Volkswagen eine von Bosch und dem Autohersteller mit großen Zielen begonnene Partnerschaft zur Entwicklung automatisierter Fahrsysteme beendet, weil die Wolfsburger die nächste KI-Stufe des Systems nicht mit dem Traditionskonzern aus Baden-Württemberg realisieren wollten. Die Kündigung zeigt, woran Hartung gescheitert ist und welche Aufgabe sein Nachfolger Christian Fischer zu bewältigen hat. Bosch fehlt die Agilität der neuen Wettbewerber Industrietreuhand und Aufsichtsrat haben das Vertrauen verloren, dass Hartung der richtige Manager war, um den Industriekonzern mit seiner fast 140-jährigen Geschichte in ein schnelles, wendiges Unternehmen für die neue Automobilwelt zu verwandeln. VW setzt auf Partnerschaften mit Start-ups wie Rivian in den USA oder X-Peng in China. Die Agilität, die solche Unternehmen auszeichnet, fehlt Bosch. Hartung ist aber auch am eigenwilligen Charakter des schwäbischen Ingenieurs gescheitert. Die Bosch-Tüftler legen Wert darauf, dass ein Produkt technisch ausgereift ist und einzigartige Innovationen aufweist. Sie hassen es, mit einer 80-Prozent-Lösung an den Markt zu gehen. Das macht Neuentwicklungen langwierig, träge und teuer. In Zeiten, in denen sich nicht nur der Antriebsstrang verändert, sondern sich die gesamte elektronische Fahrzeug-Architektur fortwährend weiterentwickelt, verlangen Kunden schnell Resultate bei laufend neuen Anwendungsfällen. Lange Entwicklungszyklen erfordern hohe Stückzahlen Es geht um Produkte, die gut genug sind, um den bestellten Zweck erst einmal zu erfüllen. Sie müssen nicht sofort alle Eventualitäten abbilden, sondern werden im Laufe der Zeit und der Nutzung optimiert und angepasst. Dieses Vorgehen passt nicht zu der gewohnten Arbeitsweise von Bosch. Der Konzern hat sich in der Vergangenheit durch die inkrementelle Verbesserung eingeführter Produkte marktbeherrschende Stellungen erarbeitet und war aber dann auf hohe Stückzahlen angewiesen, um die hohen Kosten der langen Entwicklungszyklen einzuspielen. Nicht hilfreich bei dieser notwendigen Veränderung der Denkweise ist die Tatsache, dass sich Bosch in den Jahrzehnten, in denen es gut bis sehr gut lief, zu einem Beamtenkonzern entwickelt hat, bei dem die Anspruchshaltung der Mitarbeiter nicht mehr zu aktuellen wirtschaftlichen Realitäten passt. Mit dem Aufkommen neuer Technologien droht der Konzern zu einem Industriedinosaurier zu werden, der sich selbst in erster Linie verwaltet und bei Zukunftsthemen wie vernetzter Mobilität, Quantencomputing oder KI nicht mehr Schritt hält. Wenn Hartungs Nachfolger Christian Fischer Bosch wieder zu einem führenden Technologieanbieter auch jenseits der dominierenden Automobilsparte machen will, darf nicht mehr das Selbstverständnis des schwäbischen Ingenieurs Tempo und Arbeitsweise bestimmen. Maßstab müssen die Unternehmen sein, die die neuen Techniken in der Agilität der neuen Automobilwelt auf die Straße bringen, oder Start-ups wie Neura Robotics, dem deutschen Hoffnungsträger in humanoider Robotik, mit dem Bosch gerade erst eine Partnerschaft eingegangen ist.

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