Steigt der Ölpreis weiter? Saudi
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Krise in Nahost: Zange schließt sich um Saudi-Arabien – Anstieg der Benzinpreise droht
Von: Christian Stör
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Im Westen bedroht die Huthi-Miliz eine Exportroute, im Osten blockiert der Iran die Straße von Hormus. Eine Pipeline wird nach Attacken dichtgemacht.
Riad/Mokka/Teheran – Der Konflikt im Nahen Osten setzt Saudi-Arabien massiv unter Druck. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss der weltgrößte Ölexporteur nach Drohnenangriffen auch noch eine wichtige Pipeline abschalten. Eine daraus folgende zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis und damit die Benzinpreise auch in Deutschland noch weiter ansteigen lassen.
Die Ost-West-Pipeline, die unter Umgehung der faktisch blockierten Straße von Hormus große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Das saudische Außenministerium teilte in der Nacht auf Samstag (12. September) auf der Plattform X mit, bei dem Drohnenangriff, der aus dem Irak gestartet worden sei, seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden.
Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle
US-Medien wie CNN und das Wall Street Journal berichteten, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden. Sie beriefen sich dabei auf Satellitenbilder, die zeigen sollen, dass es dort zu Bränden gekommen ist. Wie groß der Schaden ist, und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar. Die Pipeline-Infrastruktur war bereits im April angegriffen worden, woraufhin die Kapazität der Röhren kurzzeitig gedrosselt werden musste.
Die Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle: Über die mehr als 1200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Litern) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden. Saudi-Arabien war vor dem Iran-Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und der weltweit wichtigste Exporteur des Rohstoffs, der für die gesamte Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.
Huthi-Rebellen greifen nach Meerenge Bab al-Mandab
Inzwischen ist auch Saudi-Arabiens wichtigste Routenalternative zur Straße von Hormus, die Verschiffung über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien, zunehmend gefährdet. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben laut der jemenitischen Regierung inzwischen alle Inseln in der Meerenge Bab al-Mandab erobert und die strategisch wichtige Wasserstraße unter ihre Kontrolle gebracht. Ein Huthi-Sprecher versicherte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet – das gelte jedoch nicht für saudische Schiffe.
Ein Berater von Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei, Mohammed Mochber, gratulierte den Huthis im Onlinedienst X zu einem „überragenden Sieg“. Farea Al-Muslimi, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Denkfabrik Chatham House, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Iraner kontrollierten jetzt nicht mehr nur die Straße von Hormus, „sondern auch die andere strategisch wichtigste Meerenge“ in der Region.
Bab al-Mandab zählt zu den weltweit wichtigsten Schifffahrtsstraßen und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Besonders für den Export von saudiarabischem Öl ist sie zentral. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch Teheran seit Beginn des Iran-Kriegs hat Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Saudi-Arabiens Ölrouten geraten von zwei Seiten unter Druck
Damit schließt sich nun die Zange um Saudi-Arabien immer mehr. Im Osten des Landes ist die Passage aus dem Persischen Golf über die Straße von Hormus weitestgehend blockiert, im Westen schließt sich Bab al‑Mandab – damit werden die möglichen Exportrouten massiv eingeschränkt. Offen bleibt weiterhin die Passage durch das Nadelöhr des Suezkanals. Der Transport zu den Kunden in Asien dauert von der saudischen Westküste über den Kanal und das Mittelmeer sowie um Afrika herum jedoch mehrere Wochen länger und ist entsprechend teurer. Und auch diese Exportroute setzt stellenweise eine funktionierende Ost-West-Pipeline voraus, denn die größten saudischen Ölfelder liegen im Osten näher am Persischen Golf.
Die Meerenge Bab al-Mandab ist noch enger als die Straße von Hormus. An der schmalsten Stelle ist sie nur etwa 20 Kilometer breit. Deswegen dürfte es kaum möglich sein, dort einen vor Angriffen relativ sicheren Korridor zu etablieren – anders als in der Straße von Hormus entlang der omanischen Küste, wie das Institut für Kriegsstudien (ISW) in einer Analyse schreibt. Die Fähigkeit der Huthi, „die Schifffahrt im Bab al-Mandab zu bedrohen, bietet dem Iran eine Alternative zur Störung des globalen Energiemarktes“, schreibt das Institut.
Steigt der Ölpreis weiter? Saudi-Arabien verliert Spielraum
Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem Wall Street Journal. Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.