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Stendaler Experiment zeigt: Wasserlinsen reinigen belasteten Schwanenteich

Wissenschaft

Experiment geglückt

Stendaler Rentner macht Problemteich wieder sauber

Stand: 08.10.2026 05:00 Uhr

Wasserlinsen statt Chemie: Ein Stendaler Rentner hat eine natürliche Methode zur Seenrettung getestet. Die auch als Wasserlinse bekannte Pflanze entzieht dem Wasser überschüssige Nährstoffe. In einem Probeteich konnte sogar Trinkwasserqualität erreicht werden.

von Aud Merkel, MDR SACHSEN-ANHALT

Dietrich Gerhard Zosel ist Rentner und Tüftler mit immer neuen Ideen. Der ehemalige Ingenieur setzt sich seit Jahren für die Anwendung der als Entengrütze bekannten Wasserlinsen ein. Nun hat er die kleinen Pflanzen in einem Experiment auf dem Stendaler Schwanenteich vermehrt und beobachtet.

Wasserlinsen verbessern Wasserqualität

Bekannt ist es schon lange: Die Wasserlinsen entziehen dem Wasser überschüssige Nährstoffe wie zum Beispiel Nitrat und Phosphor. Außerdem produzieren sie Sauerstoff, helfen gegen Algen und dienen Fischen und Vögeln als Futter.

Nach Fischsterben im Stadtsee

Für Stendal hat Dietrich Zosel die Wasserlinsen ins Spiel gebracht, weil der beliebte Stadtsee am Neubauviertel immer wieder für Schlagzeilen sorgte. In den letzten Jahren kam es in dem 95.000 Quadratmeter großen Gewässer in den warmen Monaten durch einen Nährstoffüberschuss immer wieder zu Fischsterben.

Experiment im Schwanenteich Stendal schafft Trinkwasserqualität

Als Experimentierfeld wählte Zosel den mit 6.000 Quadratmetern deutlich kleineren Schwanenteich im Stendaler August-Bebel-Park. Auch er leidet im Sommer unter einem zu hohen Nährstoffgehalt. Hier vermehrte der Rentner Wasserlinsen und beobachtete ihre Entwicklung, bis sie den gesamten Teich überwuchsen. Für das Abschöpfen entwickelte er verschiedene Methoden, baute sogar eigene Filter im 3-D-Drucker. Parallel dazu hat er die Wasserwerte gemessen. Das Ergebnis: Nach drei Monaten war das Wasser im Probeteich deutlich besser geworden, erreichte sogar Trinkwasserqualität.

Wasserlinsen sind außerdem ein wahres Superfood auch für Menschen. Dietrich Zosel

Wasserlinsen als Dünger, Tierfutter und Superfood

Zosel geht weiterhin davon aus, dass auch Seen mit einer größeren Wasseroberfläche von den Wasserlinsen profitieren. Weil sie sich schnell vermehren, an ein bis zwei Tagen sogar verdoppeln, müssen sie allerdings regelmäßig abgeschöpft werden. Dafür schlägt er eine Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben vor, denn die Pflanzenmasse kann als Dünger oder Tierfutter genutzt werden.

Vom Schwanenteich holte sich ein regionaler Bio-Landwirt rund 36 Tonnen Wasserlinsen ab. Zosel sagt, sie seien außerdem ein wahres Superfood auch für Menschen. "Weil sie ganz viele essenzielle Fettsäuren, Eiweiß, Vitamine enthalten und so von der FAO, der Welternährungsorganisation, angepriesen werden für Vorschulkinder."

Kann Entengrütze auch den Stendaler Stadtsee retten?

Ob die Wasserlinsen auch den großen Stadtsee in Stendal retten, hängt nun von der Hansestadt Stendal ab. Sie hatte das Experiment 2025 als eines von neun "Bürgerprojekten" mit 2.000 Euro gefördert. Hilfe leisteten auch Jugendliche vom MAD-Jugendclub, Bürger, der Bauhof und regionale Unternehmen. Neben Zuspruch von Anwohnern kam es auch zu mutwilligen Zerstörungen von Gegenständen wie Behältern und einem Auto.

Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) lobte das Projekt als gutes Beispiel für wissenschaftsbasiertes Erfindertum: "Ich hoffe, dass es im positiven Sinne Nachahmer findet, weil die Ergebnisse offensichtlich sind. Vielleicht können wir uns das zu Nutze machen, um den Schwanenteich nachhaltig zu helfen."

Doch für den Stadtsee fehlen noch Abnehmer für die anfallenden riesigen Mengen an Entengrütze.

MDR (Aud Merkel, Tatiana Gropius, Norma Düsekow)

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