Stillen und ADHS: Je länger Babys voll gestillt wurden, desto weniger Symptome entwickelten sie
Jeder weitere Monat war mit weniger ADHS-Symptomen verbunden
Anhand von Elternangaben erfassten die Forscher, wie ausgeprägt ADHS-Symptome bei den Kindern im Alter von drei, fünf und acht Jahren waren. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang mit der Stilldauer: Mit jedem zusätzlichen Monat vollen Stillens waren die späteren Symptomwerte etwas niedriger. Der Zusammenhang war mit drei Jahren am stärksten und mit acht Jahren etwas schwächer ausgeprägt.
Für die Studie werteten die Forscher Daten von 37.643 Kindern aus der norwegischen Mutter-Vater-Kind-Kohortenstudie MoBa aus. Die Mütter hatten sechs Monate nach der Geburt angegeben, wie lange sie ihr Kind voll gestillt hatten. Dazu zählten die Forscher ausschließliches oder überwiegendes Stillen.
Sechs Monate volles Stillen fielen besonders auf
Auch bei einer Einteilung nach Stilldauer zeigte sich das Muster. Kinder, die sechs Monate voll gestillt worden waren, hatten im Durchschnitt niedrigere ADHS-Symptomwerte als Kinder mit kürzerer Stilldauer. Die Unterschiede waren allerdings moderat. Die Studie untersuchte zudem ADHS-Symptome und nicht, ob bei den Kindern später tatsächlich ADHS diagnostiziert wurde.
Genetisches ADHS-Risiko wurde berücksichtigt
Wie lange eine Mutter stillt und wie stark ein Kind zu ADHS neigt, kann von zahlreichen Faktoren abhängen. Die Forscher bezogen deshalb unter anderem sozioökonomische und perinatale Faktoren sowie das genetische ADHS-Risiko von Kindern und Eltern in ihre Berechnungen ein. Der Zusammenhang zwischen Stilldauer und ADHS-Symptomen blieb bestehen.
Zusätzlich verglichen sie 8.209 Geschwisterpaare. Bei 5.285 Paaren waren die Geschwister unterschiedlich lange gestillt worden. Auch diese Analyse stützte grundsätzlich das Ergebnis, wobei die Zusammenhänge bei der getrennten Betrachtung von Jungen und Mädchen schwächer ausfielen.
Beweist die Studie, dass Stillen vor ADHS schützt?
Trotz der großen Teilnehmerzahl und der verschiedenen statistischen Analysen handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann einen Zusammenhang zeigen, aber nicht beweisen, dass längeres Stillen die niedrigeren ADHS-Symptomwerte verursacht hat.
Hinzu kommt, dass die Teilnehmer der norwegischen MoBa-Studie im Durchschnitt einen höheren Bildungsstand hatten und häufiger sowie länger stillten als die Gesamtbevölkerung. Die Autoren halten deshalb weitere Untersuchungen für nötig, um mögliche Ursachen des beobachteten Zusammenhangs zu klären.