Stornierungen, sinkende Preise
baden24.de Reise & Freizeit Reise Warum immer mehr Strände in Kroatien 2026 plötzlich menschenleer sind Von: Katja Heil Kroatien galt jahrelang als Sehnsuchtsort am Mittelmeer. Aber der Sommer 2026 zeigt ein anderes Bild: freie Liegen, kurzfristige Stornierungen und Unterkunftsanbieter, die ihre Preise senken. Kroatien gehörte in den vergangenen Jahren zu den beliebtesten Reisezielen in Europa. Noch vor wenigen Jahren war es kaum möglich, in der Hauptsaison spontan eine freie Unterkunft an der kroatischen Adria zu finden. Apartments waren Monate im Voraus ausgebucht, Sonnenliegen heiß umkämpft und Preise auf Rekordniveau. Der Sommer 2026 präsentiert sich anders. Selbst für Juli und August sind in beliebten Orten wie Split noch zahlreiche Unterkünfte buchbar. Besonders symbolträchtig ist die Situation in Makarska. Ein Video auf TikTok zeigt nahezu leere Sonnenliegenreihen neben einem Hotelpool. Mehrere Nutzer bezeichneten die Preise als mögliche Hauptursache. Ein Kommentator berichtete, dass ein viertägiger Kroatienurlaub für eine vierköpfige Familie allein für die Unterkunft mehr als 3.800 Euro kosten könne – Flug oder Anreise noch nicht eingerechnet. Warum ist Kroatien so teuer geworden? Seit 2015 sind die Preise in kroatischen Hotels und Restaurants um rund 70 Prozent gestiegen. Für 2026 prognostizierte die Kroatische Nationalbank eine weitere Teuerungsrate von 3,4 Prozent. Lukáš Kovanda, Chefvolkswirt der tschechischen Trinity Bank, sieht einen wichtigen Faktor in der Euro-Einführung 2023. Seitdem können Reisende Preise direkt und ohne Umrechnung mit anderen Euroländern am Mittelmeer vergleichen – und das fällt nach seiner Einschätzung teilweise zu Kroatiens Ungunsten aus. Wer dieselbe Summe in die Hand nimmt, kann in Spanien häufig einen vergleichbaren Urlaub inklusive Flug für rund 2.700 Euro buchen – deutlich weniger als in Kroatien für eine bloße Unterkunft. Solche Preisvergleiche können Urlauber in andere Richtungen treiben. Griechenland, Spanien oder die Türkei könnten dann attraktiver als Kroatien werden, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis dort als besser wahrgenommen wird. MANNHEIM24 weiß, dass Menschen, die immer wieder an den gleichen Strand gehen, laut Psychologie etwas Tieferes suchen. Deutsche Urlauber spielten historisch eine zentrale Rolle für Kroatiens Tourismus. 2025 verzeichnete das Land in kommerziellen Unterkünften einen Rückgang von 30.913 deutschen Ankünften. Von Januar bis Mai 2026 legte der deutsche Markt zwar wieder zu – im Juni 2026 kamen in Split jedoch insgesamt 6,2 Prozent weniger Touristen als im Vorjahresmonat, die Zahl der Übernachtungen sank um rund vier Prozent. Hinzu kommt ein verändertes Buchungsverhalten. Immer mehr Reisende verzichten auf frühe Buchungen und warten auf Last-Minute-Angebote – in der Hoffnung, dass die Preise kurz vor der Abreise noch weiter sinken. Das bringt Unterkunftsanbieter zusätzlich unter Druck, führt zu Unsicherheit und kann einen Teufelskreis befeuern: Je mehr Apartments leerstehen, desto eher senken einzelne Vermieter ihre Preise, und desto mehr Gäste warten möglicherweise noch ab. Warum sollte ich nicht mehr nach Kroatien reisen? Ganz so eindeutig lässt sich nicht sagen, warum oder ob man nicht mehr nach Kroatien reisen sollte – doch die Tendenz der Adria-Urlauber geht in eine klare Richtung. Ante Glavaš, stellvertretender Vorsitzender der kroatischen Vereinigung für Familienunterkünfte HUOS, berichtet, dass Vermieter zahlreiche Stornierungen verzeichnen, teils noch wenige Tage vor der geplanten Anreise, wenn Gäste ein günstigeres Angebot in der Umgebung entdecken. Das zeigt: Die Treue zu Kroatien ist nicht mehr selbstverständlich. Einige Vermieter reagieren mittlerweile mit Preissenkungen, um ihre Unterkünfte kurzfristig zu füllen. Wer flexibel ist und spontan reisen kann, kann daher Last-Minute-Angebote an der Adria finden. Wer hingegen verlässlich planen und für sein Geld ein faires Angebot will, findet in Griechenland oder Spanien je nach Reisezeit und Angebot möglicherweise bessere Konditionen – oder aber in einem Küstenort in Kroatien, der stille Buchten und stille Wege abseits des Massentourismus bietet. Kroatiens Tourismusbehörde gibt sich unterdessen zuversichtlich: Nach vorläufigen Daten lagen die Gästezahlen in den ersten neun Tagen des Julis 2026 landesweit etwa zwei Prozent über dem Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Land insgesamt 7,6 Millionen Ankünfte und 29,5 Millionen Übernachtungen – ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Branche setzt nun weniger auf weiteres Wachstum, sondern auf Qualität, bessere Serviceleistungen und eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung. (khei)