Straßenbauarbeiter kämpft um Erwerbsminderungsrente
Schöne Straßen pflastern, dabei an der frischen Luft sein: Im Straßenbau zu arbeiten, war Hermann Walds Traumjob. Lange Jahre haben ihm die körperlichen Anstrengungen nichts ausgemacht. Doch vor drei Jahren konnte der damals 49-Jährige plötzlich ein Bein nicht mehr beugen.
Jetzt - sieben Operationen später - hat er ein künstliches Knie, trägt einen Schmerzschrittmacher im Rücken und nimmt starke Opiate wegen der ständigen Schmerzen. Außerdem hat er Pflegestufe 2. Trotzdem soll er laut eines Gutachtens arbeitsfähig sein.
Langer Weg durch bürokratischen Dschungel
Zuerst war der 53-Jährige mehrere Monate krankgeschrieben. Dann beantragte er Arbeitslosengeld. Nach einem Jahr lief auch das aus. "Es fühlte sich an wie eine Schlinge, die sich immer enger um den Hals zieht. Ich war immer der Hauptverdiener, meine Frau hat halbtags gearbeitet."
Immer gearbeitet und trotzdem Bittsteller?
"Ich hätte nie gedacht, dass uns das einmal passieren würde", erklärt der 53-Jährige. "Ich habe immer gearbeitet, wir haben zwei Kinder großgezogen, die studiert und gute Jobs haben. Und jetzt fühle ich mich wie ein Bittsteller, dem man nicht glaubt. Für dieses Gefühl gibt es gar kein Wort!"
Das erste Verfahren vor dem Sozialgericht Duisburg verloren die Walds. Aus einem Gutachten geht hervor, dass Hermann Wald noch zwischen drei und sechs Stunden pro Tag arbeiten könne. Jetzt hat er Berufung vor dem Landessozialgericht Essen eingelegt.
Jeder zweite Antrag wird abgelehnt
Für Greta Lutterbach vom Sozialverband Deutschland (SoVD NRW) ist das nicht ungewöhnlich. "Rund jeder zweite Antrag auf Erwerbsminderung wird im ersten Versuch von der Deutschen Rentenversicherung abgelehnt. Je weiter man rechtlich geht, desto größer werden die Chancen", sagt sie.
"Die bürokratischen Hürden sind so hoch und die Formulare so komplex, dass das kein normaler Mensch richtig ausfüllen kann. Wir raten, sich am besten schon vor Antragsstellung Hilfe bei einem Sozialverband zu holen. Damit steigen die Aussichten auf Erfolg. Trotzdem braucht man einen langen Atem."
Finanzielle Sorgen und Angst ums Eigenheim
Die Walds haben Angst, vom Jobcenter abhängig zu werden. "Unser Haus ist seit Jahren abbezahlt. Das ist unsere Altersvorsorge. Was ist, wenn man uns zwingt, es zu verkaufen?" Inna Wald hat sich als Nageldesignerin selbständig gemacht und versucht, so viel es geht zu verdienen.
Aufgeben ist keine Option
Jetzt ist ein medizinisches Gegengutachten in Auftrag gegeben. Die Walds kämpfen zusammen mit ihrem Anwalt weiter. "So lange das Gerichtsverfahren läuft, gibt es Hoffnung", sagt Hermann Wald. "Ich denke jeden Abend, wenn ich schlafen gehe: Wir müssen das schaffen. Wir werden das schaffen!"
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