Strategy stellt neues Framework vor: Größere Cash-Reserve und Bitcoin-Verkaufsprogramm
In den vergangenen Tagen und Wochen wurde bereits häufiger darüber diskutiert, ob Strategy bei schlechteren Marktbedingungen noch in der Lage sein würde, frisches Kapital aufzunehmen. Schließlich basierte das Geschäftsmodell in erster Linie darauf, neue Stammaktien zu einer hohen Bewertung auszugeben und das Geld langfristig in Bitcoin zu investieren. Je näher sich der Aktienkurs dem Nettoinventarwert annähert, desto schwieriger und vor allem unrentabler wird dieses Modell. Mit den heute bekannt gegebenen Kapitalmarktmaßnahmen der vergangenen Woche liefert Strategy nun eine erste Antwort auf diese Zweifel. Das Unternehmen konnte trotz des deutlich gefallenen mNAV innerhalb einer Woche über 1,15 Milliarden US-Dollar neues Kapital aufnehmen. Die zunächst wichtigste Meldung ist, dass Strategy die Cash-Reserve deutlich vergrößert hat. Dem 8-K-Filing ist zu entnehmen, dass das Unternehmen vergangene Woche rund 12,7 Millionen neue MSTR-Aktien ausgab und dadurch netto etwa 1,15 Milliarden US-Dollar einnahm. Üblicherweise fließen die Mittel bekanntlich – zumindest teilweise – in den Kauf weiterer Bitcoin. Diesmal wurde sich jedoch bewusst dagegen entschieden. Stattdessen wurde die bestehende Cash-Reserve von zuletzt 1,4 Milliarden auf 2,55 Milliarden US-Dollar erhöht und gleichzeitig (relativ) verbindlich geregelt, wie sie künftig verwendet werden darf. Die Cash-Reserve soll jetzt nämlich immer mindestens 12 Monate an Dividendenzahlungen abdecken. Aktuell sind es 17,4 Monate. Als die US-Dollar-Reserve errichtet wurde, waren 2 bis 3 Jahre angepeilt. Strategy konnte mit den Aktivitäten der vergangenen Woche also beweisen, dass trotz schwieriger Marktbedingungen genügend Kapital für mehrere Monate an Dividenden eingesammelt wurde und die Cash-Reserve eine hohe Priorität darstellt. Phong Le, Geschäftsführer von Strategy, erklärte kürzlich in einem Interview, dass der Hauptgrund für die Schwäche der Vorzugsaktie STRC sei, dass die Cash-Reserve angezapft wurde, um 1,5 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Wandelanleihen zurückzukaufen. Ich glaube, dass der Abbau der US-Dollar-Reserve Druck auf STRC ausgeübt hat – insbesondere bei einigen unserer institutionellen Anleger. Wir werden die US-Dollar-Reserve wieder aufstocken. Phong Le Diese zusätzliche Stabilität gibt es allerdings nicht kostenlos. Da Strategy diesmal neue Aktien ausgegeben hat, mit dem Erlös aber keine zusätzlichen Bitcoin gekauft hat, sinkt zwangsläufig der Bitcoin-Anteil je Aktie. Hinzu kommt, dass das Management Strategy in der letzten Quartalspräsentation kommunizierte, dass es unter einem mNAV von 1,22 x eigentlich weniger verwässernd für die Aktionäre sei, Bitcoin zu verkaufen, als MSTR-Aktien auszugeben, um Cash für die Dividenden aufzutreiben. Genau diesen Weg ist Strategy in der vergangenen Woche allerdings nicht gegangen. Statt Bitcoin zu verkaufen, entschied sich das Unternehmen erneut für die Ausgabe neuer Aktien und nahm damit eine stärkere Verwässerung der bestehenden Aktionäre in Kauf – obwohl das mNAV in der vergangenen Woche konstant unter 1,22 x lag. Rückblickend dürfte das auch einen Teil des deutlichen Kursrückgangs der MSTR-Aktie erklären. Diese verlor vergangene Woche nämlich mehr als 20 % in BTC gemessen. Besonders sichtbar wird diese Verwässerung bei der sogenannten „BTC Yield“. Diese Kennzahl beschreibt das Wachstum des Bitcoin-Bestands pro vollständig Aktie und gehört zu den wichtigsten Kennzahlen, auf die Michael Saylor regelmäßig verweist. Der „BTC Yield“ ist für das laufende Jahr nach den Aktivitäten der vergangenen Woche von 11,8 auf 8,3 % gefallen. Damit wird im Grunde auch der Zielkonflikt des neuen Frameworks deutlich. Strategy stärkt zwar seine Liquidität und reduziert kurzfristig das Finanzierungsrisiko. Das geht aber auf Kosten des Bitcoin-Bestands pro Aktie. Die größere Cash-Reserve ist allerdings nur ein Bestandteil des neuen „Digital Credit Capital Frameworks“. Mindestens genauso interessant ist, welche Möglichkeiten sich Strategy künftig selbst explizit einräumt. Wie in der Pressemitteilung kommuniziert wurde, gibt es jetzt einen konkreteren Rahmen für mögliche: Bitcoin-Verkäufe Stamm- und Vorzugsaktienrückkäufe Auch wenn Strategy diese Optionen bereits mehrfach angesprochen hat, gab es dazu nun Details. Konkret wurde ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 1 Milliarde US-Dollar sowohl für die MSTR-Stammaktie als auch für die Vorzugsaktien etabliert. Die Mittel dafür sollen nicht aus der Cash-Reserve kommen. Hinsichtlich potenzieller Bitcoin-Verkäufe hieß es, dass für bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar BTC verkauft werden könnte, um die Cash-Reserve aufzufüllen. Überdies soll die BTC-Reserve gegebenenfalls genutzt werden, um Zahlungsverpflichtungen zu bedienen oder Aktienrückkäufe zu tätigen. Das bedeutet nicht, dass Strategy zwingend Bitcoin verkaufen oder eigene Aktien zurückkaufen wird. Die ohnehin schon in den Raum gestellten Optionen wurden lediglich ein wenig konkretisiert, während sich die selbstauferlegten Regeln natürlich auch ändern können. Mit den eingerichteten Rückkaufprogrammen scheint Strategy dem Markt in erster Linie signalisieren zu wollen, dass das Unternehmen bereit wäre, die eigenen Wertpapiere zu verteidigen. Ob das allein die Short-Seller abschrecken kann oder Strategy dafür tatsächlich tätig werden muss, dürfte die Zukunft zeigen. Parallel dazu erhöht Strategy die Dividende der STRC-Vorzugsaktie von 11,5 auf 12 %. Das Flaggschiffprodukt, das durch Dividendenanpassungen eigentlich bei 100 US-Dollar stabil gehalten werden sollte, fiel in der vergangenen Woche im Tief bis auf 71,25 US-Dollar. Strategy machte heute schließlich deutlich, dass ein fallender Kurs nicht zwangsläufig eine höhere Dividende bedeuten muss. Strategy wird nicht zwangsläufig die STRC-Dividende erhöhen, nur weil die STRC-Aktie unter dem Zielwert notiert. Aus der Pressemitteilung Zudem sei die Dividendenpassung neben etwa der Größe der Cash-Reserve oder Rückkäufen nur ein Tool, das eingesetzt werden kann, mit dem Ziel, STRC zu stabilisieren. Die erste Reaktion des Marktes auf die Meldungen fiel positiv aus. Sowohl die MSTR-Aktie als auch die Vorzugsaktie STRC waren zum US-Börsenstart deutlich im Plus. Während MSTR bisher um rund 4 % gestiegen ist, gewinnt STRC sogar knappe 6 % hinzu. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Strategy auf die Sorgen des Marktes reagierte. Das Unternehmen zeigte nämlich, dass es trotz schwieriger Marktbedingungen weiterhin Kapital aufnehmen kann und theoretisch betrachtet jetzt erst einmal ein paar Monate die Füße stillhalten könnte. André Dragosch, der Research-Chef des Vermögensverwalters Bitwise Invest, kommentierte die Neuigkeiten mit den folgenden Worten: Ich glaube ehrlich gesagt, dass es für die Bären vorbei ist. André Dragosch, Bitwise Invest In einem weiteren Beitrag erklärte er seine Einschätzung genauer. Solange es keine gravierenden Bilanzprobleme oder unerwarteten rechtlichen Entwicklungen bei Strategy geben sollte, werde es für Short-Seller zunehmend schwieriger, auf die „Liquidationsthese“ zu setzen. Als wesentlichen Grund nennt Dragosch die nun deutlich gestärkte Liquiditätsposition des Unternehmens. Ob sich diese optimistische Einschätzung bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Die erste Marktreaktion zeigt jedoch, dass Investoren die Maßnahmen zunächst als Stärkung der Kapitalstruktur und nicht als Schwäche interpretieren, obwohl die Cash-Reserve auf Kosten der MSTR-Halter und entgegen der zuletzt kommunizierten Linie vergrößert wurde.