Strom-Sabotage: Polizei startet Einsatz am Hambacher Forst
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Kerpen – Seit Sonntagmittag läuft am Hambacher Forst bei Kerpen (Rhein-Erft-Kreis, NRW) westlich von Köln ein Großeinsatz der Polizei, zahlreiche Einsatzfahrzeuge sind vor Ort. Die Aktion steht offenbar im Zusammenhang mit den versuchten Sabotageakten auf das deutsche Stromnetz. Gibt es eine heiße Spur?
Wegen einer Serie von Sabotageaktionen fahnden die Ermittlungsbehörden seit Tagen intensiv nach dem tatverdächtigen Daniel V. (48). Um Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten, veröffentlichten die Ermittler am Samstag einen Fahndungsaufruf . Eine Polizeisprecherin sagte am Sonntag zu BILD: „Mehrere Menschen haben sich daraufhin gemeldet. Die Hinweise werden geprüft.“
Suche in riesigem Waldgebiet
Ob der Einsatz am Sonntag infolge eines konkreten Hinweises erfolgte, ist bislang nicht bekannt. Der Hambacher Forst war ursprünglich etwa 4100 Hektar groß und damit einer der größten Wälder der Region. Durch den Braunkohletagebau Hambach wurden seit den 1970er Jahren große Teile gerodet, sodass heute nur noch rund 500 Hektar (5 Quadratkilometer) erhalten sind, also ungefähr 700 Fußballfelder.
SEK stürmte Wohnhaus
Bereits am Freitagmittag stürmten Beamte des SEK sein Wohnhaus in Gevelsberg ( NRW ), am Nachmittag auch seinen auffälligen Laster im Bereich des Hambacher Forsts. Doch an beiden Orten konnten die Beamten Daniel V. nicht finden. Jedoch entdeckten die Einsatzkräfte in der Wohnung des Tatverdächtigen Sprengstoff.
Flucht möglicherweise mit dem Fahrrad
Der Gesuchte ist weiterhin auf der Flucht. Ein Sprecher der Kölner Polizei: „Nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen könnte der Gesuchte mit einem Fahrrad der Marke Trenoli, Modell Tazio Sportivo M, Rahmenhöhe 56 Zentimeter, unterwegs sein.“ Unter der Telefonnummer 0331–505950 können Bürger rund um die Uhr Hinweise an die Polizei geben.
Der Verdächtige hatte ein Bekennerschreiben verschickt . In dem Schreiben nannte er seinen vollen Namen und seine Adresse: „Sehr ungewöhnlich, relativ selten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (74, CDU) dazu. Bislang würden die Briefe als authentisch bewertet. „Der Verfasser nennt als Motiv den Kampf gegen fossile Brennstoffe“, sagte Reul. Dennoch werde überprüft, ob er wirklich der Täter ist und ob noch andere Personen beteiligt waren. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU): „Nach aktuellem Stand muss man hier von Klimaextremismus ausgehen.“ Welche Strafe dem Strom-Saboteur droht, lesen Sie hier .
Die versuchten Sabotageaktionen auf Umspannwerke und Hochspannungsleitungen ereigneten sich bislang in Brandenburg (Turnow-Preilack), Nordrhein-Westfalen (Bergheim, Dormagen) und Sachsen (Görlitz, Bautzen). Auffällig: Alle betroffenen Regionen zeichnen sich durch den Abbau und die Verstromung von Braunkohle aus.