Stromnetz-Sabotage weitet sich aus: Polizei findet zwölf Sprengsätze in Sachsen
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Stromnetz-Sabotage weitet sich aus: Polizei findet zwölf Sprengsätze in Sachsen
Von: Simon Schröder, Christian Stör
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Infolge mehrerer Angriffe auf die Energieversorgung hat die Polizei bei einem Tatverdächtigen in NRW Sprengstoff gefunden. Die Fahndung läuft. Dobrindt nennt ein Motiv.
Update, 16:23 Uhr: Nach Angriffen auf das Stromnetz in anderen Bundesländern hat die Polizei auch in Ostsachsen insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen entdeckt. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). „Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen“, sagten die Sicherheitsbehörden. Dabei sollen die Sprengsätze „selbst hergestellt“ worden sein. Spezialisten des Landeskriminalamtes hätten sie entschärft. Weiter hieß es: „Zu einem tatsächlichen Schaden oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung kam es nicht. Es besteht keine Gefahrenlage für die Bevölkerung.“
Update vom 5. September, 6:17 Uhr: Die Sabotageversuche auf das deutsche Stromnetz häuften sich zuletzt. Die Polizeibeamten fanden am Freitag Sprengstoff in der Wohnung eines 48-jährigen Tatverdächtigen im nordrhein-westfälischen Gevelsberg. Später am selben Tag stürmte ein Spezialeinsatzkommando in einem Wald bei Niederzier, rund 100 Kilometer entfernt, einen Lastwagen, der offenbar zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde dort aber nicht angetroffen.
Auch im nordrhein-westfälischen Hamm kam es zu einem Polizeieinsatz im Zusammenhang mit den Sabotageakten. Nach Angaben eines dpa-Reporters rückten am Freitagabend zahlreiche Polizeifahrzeuge zu einer Stelle an einer Landstraße bei einem Waldstück aus. Auch ein Hubschrauber war Berichten zufolge im Einsatz. Später teilte die Polizei gegenüber dem Westfälischen Anzeiger mit, man habe fünf Personen kontrolliert und zur Befragung mit auf die Wache genommen. Weitere Informationen wurden zunächst nicht bekannt.
Sabotagevorfälle gab es in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen, teilweise liegen Bekennerschreiben vor, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Das Motiv sei demnach sehr wahrscheinlich „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Im Bekennerschreiben steht demnach: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ Auffällig ist, dass die Orte, an denen die Sabotageakte stattfanden, nahe an Regionen liegen, in denen weiterhin Braunkohle abgebaut wird.
Update, 18:13 Uhr: Nach mehreren Angriffen auf die Stromversorgung in Deutschland gibt es nun auch in Sachsen einen Polizeieinsatz, bei dem es laut einem Medienbericht um einen ähnlichen Vorfall gehen soll. Die Polizeidirektion Görlitz bestätigte einen laufenden Polizeieinsatz. Nähere Details wurden „aus ermittlungstaktischen Gründen“ zunächst nicht genannt, zitiert die Deutsche Presse-Agentur. Der Einsatz sei nördlich von Bautzen, hieß es lediglich.
Die Bild berichtete, dass bei zwei Umspannwerken Spreng- und Brandvorrichtungen gefunden worden seien. Demnach liegen die betroffenen Umspannwerke an der Grenze zu Brandenburg im Lausitzer Braunkohle-Tagebaugebiet.
Stromnetz-Sabotage: Sprengstoff-Fund bei Tatverdächtigem – Dobrindt spricht von „Klimaterrorismus“
Update, 18:02 Uhr: Nach Sabotageversuchen gegen die Energieversorgung hat die Polizei Sprengstoff bei einem Tatverdächtigen in NRW gefunden. In der Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg gebe es klare Sprengstofffunde, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Es gebe keine weiteren Indizien, dass der Mann besonders gefährlich sei. Die Fahndung nach dem Mann laufe. Sein Bekennerschreiben sei authentisch. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Einzeltäter und um „Klimaterrorismus“.
Später erklärte Reul, die Polizei habe das Fahrzeug des Verdächtigen für mehrere Sabotageaktionen gegen die deutsche Stromversorgung gestürmt. Der Zugriff sei in Niederzier erfolgt. Jetzt sei der Mann vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen.
Es gab in dieser Woche mindestens zwei Sabotageversuche mit Bezug zur Stromversorgung. Zuletzt sorgten Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen für Aufregung. So wurde an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, laut Polizei möglicherweise eine Abschussvorrichtung.
Update, 07:50 Uhr: Nach dem Vorfall in Dormagen ist die Polizei nun auch in Niedersachsen im Großeinsatz. Am Morgen haben die Einsatzkräfte das Umspannwerk in Ganderkesee nahe Oldenburg weiträumig abgesperrt. Zum Grund des Einsatzes war zunächst nur von „verdächtigen Umständen“ die Rede. Die Kreiszeitung zitierte eine Polizeisprecherin, es habe eine „Feststellung“ gegeben, „die eine polizeiliche Überprüfung nach sich zieht“.
Neue Spur nach Dormagen führt zu weiteren Umspannwerken
Erstmeldung vom 4. September: Erneuter Angriff auf die Stromversorgung: Nach dem Fund eines verdächtigen Gegenstands an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf geht die Polizei von einem Sabotagedelikt aus. Den Ermittlern liege ein Bekennerschreiben vor, in dem auch andere – schon öffentlich bekannte – Verdachtsfälle in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg erwähnt seien, sagte ein Sprecher der Polizei Köln der Deutschen Presse-Agentur.
Die Untersuchungen an dem verdächtigen Gegenstand, den ein Spaziergänger am Donnerstagabend an dem Umspannwerk in Dormagen entdeckt hatte, seien bisher nicht abgeschlossen. Möglicherweise handle es sich dabei um eine „verdächtige Abschussvorrichtung“, sagte der Sprecher in der Nacht. Nach Angaben der Bild wurden Abschussvorrichtungen für selbst gebaute Raketen entdeckt. An den Bausätzen sollen demnach Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt gewesen sein. Offiziell bestätigen wollte die Polizei diese Informationen nicht.
Ähnlicher Vorfall auch in Südbrandenburg
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte die Kölner Polizei, dass es sich bei dem in Dormagen gefundenen Gegenstand um „eine ähnliche Vorrichtung“ zu handeln scheint wie bei dem jüngsten Vorfall in Bergheim nahe Köln, wo am 1. September Abschussvorrichtungen für pyrotechnische Gegenstände gefunden worden waren. Zudem gibt es demnach Hinweise darauf, dass weitere Anlagen mit ähnlichen Vorrichtungen versehen worden sein könnten. Dies sei nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen der in dem Fall federführenden Kölner Polizei und werde geprüft.
Auch in Südbrandenburg hatte es am Dienstag einen ähnlichen Vorfall gegeben. Dort kamen nahe dem Kraftwerk Jänschwalde ebenfalls Abschussvorrichtungen für Pyrotechnik zum Einsatz. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen hierfür wurden gefunden. Auch dort wurde offenbar versucht, eine Verbindung zwischen der Höchstspannungsleitung und dem Erdboden herzustellen und einen Kurzschluss auszulösen. Zu einem Stromausfall kam es laut Netzbetreiber nicht. Die Polizei geht davon aus, dass die Vorfälle in Bergheim und Jänschwalde auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.
Bekennerschreiben ging auch an Zeitung
Die taz berichtete am Donnerstagabend, sie habe ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall in Brandenburg erhalten, das laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt worden sei. Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als Einzeltäter dar, der die verwendeten Selbstbauraketen im Detail beschreibt. Er habe als Motiv „unermessliches Leid“ genannt, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache. Die taz wies nach umfassender Recherche ausdrücklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Verfasser des Schreibens auch der Täter sei.
Brandenburg will kritische Infrastruktur besser schützen
Als Reaktion auf die Stromnetz-Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium am Donnerstag ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in Jänschwalde sowie in Bergheim zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschützt werden müsse. „Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind“, sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU).
Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien. (Quellen: dpa, AFP) (cs)