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Strompreis: Studie zeigt, wie 80 Prozent Erneuerbare ihn drücken

Technologie

Trotz Mehrbedarf Studie: Strompreis könnte sinken Von t-online, jb Aktualisiert am 06.08.2026 - 11:51 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Eine neue Studie zeigt, wie stark erneuerbare Energien den Strompreis drücken könnten. Die Zahlen sind deutlich. Die Energiekrise vor wenigen Jahren hatte gezeigt, wie abhängig die deutschen Strompreise von steigenden Gas- und Kohlepreisen sind. Doch wie ließe sich diese Abhängigkeit verringern? Eine aktuelle Kurzstudie des Analysehauses Montel Analytics im Auftrag des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Zahlen. In der Analyse haben die Autoren einen sogenannten Stresstest durchgeführt. Dabei haben sie extrem hohe Gas-, Kohle- und CO2-Preise des Krisenjahres 2022 auf drei unterschiedliche Stromsysteme übertragen: das deutsche Stromsystem von 2011 – ein System, das stark von fossiler und nuklearer Energie geprägt ist, das reale System des Krisenjahres 2022, ein Zukunftsszenario für 2030 mit einem System, das auf rund 80 Prozent erneuerbare Energien setzt. Bei der Untersuchung stand nicht der Strompreis im Vordergrund. Die Forschenden wollten vielmehr untersuchen, wie unterschiedliche Systemstrukturen auf denselben fossilen Preisschock reagieren. Durchschnittspreis könnte sinken Das Ergebnis: Im fossil geprägten 2011er-System hätte der durchschnittliche Großhandelsstrompreis unter den Krisenbedingungen bei 382,90 Euro pro Megawattstunde (MWh) gelegen. Im realen Krisenjahr 2022 waren es 235,44 Euro. Im Szenario mit 80 Prozent Erneuerbaren sinkt der Wert auf 137,27 Euro – ein Rückgang um 64 Prozent gegenüber 2011 und fast 100 Euro weniger als 2022. Besonders überraschte die Studienautoren das niedrige Preisniveau im 2030-Szenario. Denn im Laufe der Zeit werden aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung (Wärmepumpen, E-Autos, Elektrolyseure) der Strombedarf und somit die Nachfrage steigen – eigentlich ein Preistreiber. Warum Erneuerbare den Preis drücken Der Grund für die sinkenden Preise ist der sogenannte Merit-Order-Effekt. Vereinfacht erklärt bedeutet er, dass das teuerste Kraftwerk, das gerade noch zur Deckung der Stromnachfrage benötigt wird, den Preis für den Strom bestimmt. Wind- und Solaranlagen erzeugen am günstigsten Energie, da sie hierfür keine oder kaum zusätzliche Brennstoffe benötigen. Teuer sind hingegen Gas- und Kohlekraftwerke – sie benötigen für die Stromerzeugung Gas beziehungsweise Kohle, weshalb sich der von ihnen erzeugte Strompreis an den Preisen dieser fossilen Brennstoffe orientiert. Speisen sie Strom ins Netz ein, orientiert sich auch der Strompreis aus erneuerbaren Energien an den von ihnen geforderten Energiekosten und wird somit teuer. In Krisenzeiten mit hohen fossilen Preisen ist dieser Effekt besonders stark. Wird also mehr Strom aus Anlagen erzeugt, die erneuerbare Energie erzeugen, verdrängen diese die fossilen Erzeugungsstunden, was wiederum die Stromkosten im Allgemeinen senkt. Weniger Preisspitzen Neben dem Durchschnitt zeigt die Studie auch, wie häufig extreme Preisausschläge auftreten. Im 2011er-System lag der Preis in 785 Stunden über 500 Euro pro MWh. Im 2022er-System waren es 499 Stunden. Im Zukunftsszenario: nur noch 41 Stunden. Konsequenz: Ein stärker erneuerbar geprägtes Stromsystem ist nicht nur im Schnitt günstiger, sondern auch stabiler. Die Autoren merken jedoch an, dass der Ausbau von Wind und Solar allein nicht ausreicht. Wichtig ist auch, dass der Verbrauch flexibler wird. Das heißt, dass beispielsweise Wärmepumpen, E-Autos oder Industrieanlagen ihren Strombezug in Stunden verlagern, in denen viel günstiger Ökostrom verfügbar ist. Batteriespeicher können diesen Effekt noch verstärken und stützen. Denn sie speichern überschüssigen Strom aus Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen zwischen und geben ihn in Zeiten eines hohen Strombedarfs wieder ins Netz. Im 2030er-Szenario haben die Autoren einen flexiblen, steuerbaren Verbrauch von 88 Terawattstunden angenommen. Das entspricht knapp einem Fünftel (18 Prozent) des gesamten deutschen Bruttostromverbrauchs im Jahr. BUND kritisiert geplante EEG-Novelle BUND-Vorsitzender Olaf Bandt fordert angesichts der Ergebnisse einen konsequenteren Ausbau: "Erneuerbare hätten uns schon glimpflicher durch vergangene Krisen geführt, jetzt müssen sie konsequent ausgebaut werden. Nur so stoppen wir die fossile Abhängigkeit, die unsere Lebenshaltungskosten hochtreibt." Er kritisiert, dass die Bundesregierung mit der geplanten EEG-Novelle und dem Netzanschlusspaket neue Hürden geschaffen habe – insbesondere für kleine Photovoltaik-Dachanlagen. Anzumerken ist bei den Ergebnissen jedoch, dass die Studie ausschließlich Großhandelspreise betrachtet. Das heißt, dass Netzentgelte, Steuern und Umlagen nicht berücksichtigt sind. Dabei machen diese einen Großteil des Strompreises aus. Zudem könnten diese im Laufe der Jahre steigen, da der Ausbau der Strominfrastruktur noch finanziert werden muss. Dennoch könnte auf absehbare Zeit der Strompreis sinken. Denn sinkt der Großhandelspreis, wirkt sich das mittelfristig auch auf die Stromrechnung privater Haushalte aus.

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