Strompreise 2027: Netzentgelte steigen - das kostet Haushalte mehr
Sinkender Staatszuschuss
Strom wird 2027 teurer: Netzgebühren steigen
Von t-online, jb
Aktualisiert am 01.10.2026 - 16:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein sinkender Staatszuschuss treibt die Gebühren im Höchstspannungsnetz nach oben. Regional kann die Belastung unterschiedlich stark ausfallen.
Die Übertragungsnetzentgelte und infolgedessen die Stromkosten werden 2027 steigen. Das geht aus einer Mitteilung der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber hervor, die heute ihre vorläufigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für 2027 veröffentlicht haben. Es werden statt aktuell 2,86 Cent dann 3,54 Cent je Kilowattstunde fällig. Laut Berechnungen des Vergleichsportals Verivox erhöhen sich dadurch die Strompreise für private Haushalte um fast ein Prozent.
Was sind Übertragungsnetzentgelte?
In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber. Diese kümmern sich um das Höchstspannungsnetz und erheben dafür Übertragungsnetzentgelte, die die Netzbetreiber zahlen müssen. Verteilnetzbetreiber sind wiederum die Konzerne, die sich um die Stromnetze in der Nieder- und Mittelspannung kümmern. Also die Leitungen, durch die der Strom an die Stromkunden fließt. Diese Verteilnetzbetreiber erheben dann die Netzentgelte, die auf der Stromrechnung aufgeschlüsselt werden.
Warum steigen die Übertragungsnetzentgelte?
Der Grund für die Preiserhöhung ist unter anderem der geringere staatliche Zuschuss. Für das Jahr 2026 hatte die Bundesregierung 6,5 Milliarden Euro gewährt, um die Strompreise zu senken. Für 2027 sind nur noch 5,525 Milliarden Euro Zuschuss vorgesehen. Infolgedessen steigen die Übertragungsnetzentgelte im kommenden Jahr um 0,68 Cent/kWh (netto). Ein Plus von etwa 24 Prozent.
Was bedeutet das für Stromkunden?
Verbraucher müssen den Kostenanstieg jedoch nicht in vollem Umfang allein tragen. Die Übertragungsnetzbetreiber legen diesen auf die Verteilnetzbetreiber um, die einen gewissen Teil hiervon an ihre Kunden in Form höherer Netzentgelte weitergeben. Laut Verivox könnten dadurch die Verteilnetzgebühren um 0,24 Cent/kWh (brutto) steigen. Bei einem Strompreis von 32,29 Cent je Kilowattstunde entspricht das einem Anstieg von knapp 0,8 Prozent.
Ein Musterhaushalt mit zwei Personen (Jahresverbrauch: 2.800 kWh) müsste dann sieben Euro (brutto) mehr im Jahr zahlen. Für einen Dreipersonenhaushalt (Jahresverbrauch: 4.000 kWh) belaufen sich die Mehrkosten auf zehn Euro (brutto) im Jahr, für einen Einpersonenhaushalt (Jahresverbrauch: 1.500 kWh/Jahr) auf vier Euro.
Wie hoch die Belastung tatsächlich ausfällt, hängt allerdings sowohl vom eigenen Stromverbrauch als auch vom Wohnort ab. Denn Verteilnetzbetreiber können die Höhe ihrer Netzentgelte selbst festlegen, weshalb es teilweise deutliche regionale Unterschiede beim Strompreis gibt.
Schützt eine Preisgarantie vor dem Kostenanstieg?
Haushalte, die einen Stromtarif mit einer Preisgarantie abgeschlossen haben, werden diese Preiserhöhung ebenfalls zu spüren bekommen. Denn oftmals schließen Preisgarantien lediglich den Arbeitspreis und nicht die Umlagen, Steuern, Netzentgelte und anderen Abgaben mit ein. Ob die Erhöhung der Netzentgelte bei diesen Stromkunden ankommt, hängt also von den Tarifbedingungen ab.
Die Übertragungsnetzentgelte fließen in die Netzentgelte der regionalen Verteilnetzbetreiber ein. Steigende Übertragungsnetzentgelte schlagen daher nicht eins zu eins auf die Stromrechnung der Haushalte durch. Zudem kalkulieren Stromversorger die Netzkosten gemeinsam mit weiteren Preisbestandteilen wie Beschaffungskosten, Steuern und Umlagen in ihre Tarife ein.
Das sind die Top-Fragen des Tages:
Allgemeine Mehrbelastung
Allgemein werden die Energiekosten in den kommenden Monaten steigen. Das ergab bereits eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 225 Stadtwerken. Ein Teil der Befragten kündigte an, ihre Preise sowohl für Strom als auch für Erdgas und Fernwärme zu erhöhen. Wie hoch die Preiserhöhung hierbei ausfällt, wurde nicht abgefragt.