Studie: CO₂-Bilanz von Plug-in-Hybriden schlechter als Hersteller angeben
Autos, die neben einem Verbrennermotor auch eine Batterie verbaut haben, stoßen in der Realität oft deutlich mehr CO₂ aus als von den Herstellern angegeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation International Council on Clean Transportation (ICCT). Dabei fanden die Forschenden auch heraus, dass diese Lücke größer wird.
Demnach waren die realen Emissionen sogenannter Plug-in-Hybride, die 2021 zugelassen wurden, im Schnitt 3,5-mal höher als vom Hersteller angegeben. 2023 zugelassene Autos stießen durchschnittlich das 4,6-Fache an Emissionen aus.
Plug-in-Hybridautos verfügen über einen klassischen Verbrennermotor, haben jedoch zusätzlich eine Batterie eingebaut, die extern aufgeladen wird. Diese soll es ermöglichen, streckenweise rein batterieelektrisch zu fahren. Die Autos gelten deshalb als umweltfreundlicher als normale Verbrenner oder Hybridautos ohne aufladbare Batterie. Laut ICCT wird die Batterie in der Realität jedoch oft nur für einen geringen Anteil der Fahrleistung genutzt. Im Schnitt werden Plug-in-Hybride nach Berechnungen der Studienautoren nur über rund 20 Prozent der Fahrzeit elektrisch angetrieben.
Bessere Batterien führen nicht zu höherem E-Anteil
Für die Untersuchung wertete das ICCT nach eigenen Angaben Daten zum Kraftstoff- und Energieverbrauch von rund 920.000 Plug-in-Hybriden aus, die von 2021 bis 2023 zugelassen wurden. Die entsprechenden Daten müssen nach EU-Vorgaben im Bordcomputer gesammelt werden.
Die offiziellen Fahrzeugdaten, auf denen auch die Angaben zu durchschnittlichen CO₂‑Emissionen beruhen, gehen hingegen von rund 80 Prozent E-Anteil aus. Da die Fahrzeuge in der Realität zu sehr viel größeren Anteilen per Verbrennungsmotor laufen, sind auch die realen Emissionen deutlich höher.
Interessanterweise wächst diese Lücke mit der fortschreitenden theoretischen Reichweite neuer Batterien. Während in den offiziellen Daten davon ausgegangen wird, dass der Anteil des reinen E-Betriebs steigt, je besser die verbaute Batterie ist, zeigt die ICCT-Studie eher das Gegenteil: Je neuer das Auto und je besser die Batterie, desto geringer der rein elektrische Fahranteil.
Neuere Automodelle mit höherer Batteriereichweite hätten entgegen der Erwartung nicht zu einem höheren Anteil elektrischen Fahrens geführt, sagte ICCT-Europa-Chef Peter Mock. »Infolgedessen stimmen die niedrigeren offiziellen CO₂‑Werte, die den Fahrzeugen zugewiesen werden, nicht mit den tatsächlichen Emissionen im Straßenverkehr überein.« Mock forderte, die für 2027 geplante Überarbeitung der EU-Vorgaben für die Abgasausweisung von Autos zu nutzen, um »die offiziellen Berechnungen näher an die realen Emissionen heranzuführen«.