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Studie: Coronainfektion kann elf schlummernde Viren reaktivieren

Gesundheit

Die Pandemie ist vorbei. Das Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 sind – vor allem in Medizin- und Forschungskreisen – aber immer noch Thema. Nun zeigt eine Studie aus den USA: Eine Coronainfektion kann elf verschiedene Viren, die unbemerkt im Körper schlummern, reaktivieren. Dass Covid-19 und andere Infektionen persistente Viren «wecken» können, war bereits bekannt. Die große Zahl an Viren, die eine Coronaerkrankung reaktivieren kann, ist jedoch neu. Hospitalisierte Covid-Erkrankte im Fokus Das Team um Esther Melamed von der University of Texas at Austin wertete für seine Studie die Daten von rund 1150 Menschen aus, die wegen Covid-19 hospitalisiert wurden. Die Forschenden untersuchten unter anderem Blut, Nasenabstriche und bei beatmeten Patienten auch Sekret aus den Atemwegen. Weiter begleiteten sie die Betroffenen auch Monate nach der akuten Erkrankung. Wie das Team im Fachjournal Nature schreibt, fand es bei den teilnehmenden Coronapatientinnen und -patienten innerhalb der ersten 40 Tage nach Einlieferung ins Krankenhaus Reaktivierungen von insgesamt elf verschiedenen Viren. Fast die Hälfte von ihnen zeigte mindestens eine solche Reaktivierung, so die Forschenden. Möglicher Zusammenhang mit Long Covid Zu den am häufigsten nachgewiesenen reaktivierten Viren zählten das Epstein-Barr-Virus (EBV), das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), das Zytomegalievirus (CMV), ebenfalls ein Herpesvirus, und Viren der Familie Anelloviridae. Besonders die Reaktivierung letzterer ist laut den Forschenden auffällig: Die Anelloviridae-Erreger traten bei Long-Covid-Betroffenen häufiger auf. Die Viren sind weit verbreitet. Bisher ist allerdings nicht bekannt, dass sie selbst Krankheiten verursachen. Fachleute vermuten jedoch schon länger, dass sie indirekt an Erkrankungen beteiligt sein könnten. Die Studie stützt diese These nun. «Dieser Befund deutet darauf hin, dass Covid-19 möglicherweise nicht immer als einzelne Virusinfektion wirkt und das innere Ökosystem ruhender Viren im Körper stören kann», sagt Melameds Kollege und Co-Autor Cole Maguire. Ofer Levy vom Boston Children’s Hospital, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, spricht von «einem interessanten Befund», der den Weg zu einem besseren Verständnis und letztendlich zu besseren Diagnose- und Behandlungsmethoden ebnen könnte. Weiterer Befund der Studie: Je schwerer die Coronainfektion verlief, desto häufiger wiesen die Forschenden reaktivierte Viren nach. Bei kritisch kranken Patienten hing der Nachweis von EBV, CMV oder HSV-1 zudem mit einer höheren Sterblichkeit innerhalb eines Jahres zusammen, zitiert T-online.de aus der Studie. Studie stellt bisherige Annahme auf den Kopf Die Analyse der Blutproben führte noch zu einer weiteren Überraschung im Zusammenhang mit dem Epstein-Barr- und dem Zytomegalievirus. Denn bislang ging man davon aus, dass diese aufgrund einer Unterdrückung des Immunsystems reaktiviert werden. In der Studie wurden sie jedoch auch bei Personen ohne vorherige Immunschwäche «aufgeweckt». Sie schienen als Reaktion auf Entzündungen aktiv zu werden. Dies deutet laut dem Forschungsteam darauf hin, dass allein der Stress einer Coronavirus-Infektion das Immunsystem überlasten kann. Die Erkenntnis, dass Sars-CoV-2 als Katalysator für die Reaktivierung anderer Viren wirkt, könnte zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen, so die Forschenden. Diese Fragen beantwortet die Studie nicht Die Studie unterstreicht die Häufigkeit von Virusreaktivierungen während akuter Covid-19-Erkrankungen und Long Covid, so die Forschenden. Einen kausalen Zusammenhang zwischen Virusreaktivierung und klinischen Verläufen belegt sie jedoch nicht. Der Immunologe Danny Altmann vom Imperial College London, der nicht an der Studie beteiligt war, nennt noch eine weitere Einschränkung: «Diese Studie beantwortet nicht die grundlegende Frage, ob diese normalerweise harmlosen Viren Krankheiten verursachen oder ob sie lediglich ein Indikator für ein erschöpftes Immunsystem sind.» Das müssen weitere Untersuchungen zeigen. Eine weitere Einschränkung der Studie stellt die Tatsache dar, dass alle untersuchten Patientinnen und Patienten in der Studie ungeimpft waren und sich im Zeitraum 2020 bis Anfang 2021 mit einer früheren Virusvariante infiziert hatten. Ob heutige Virusvarianten bei geimpften oder bereits zuvor infizierten Menschen vergleichbare Reaktivierungen auslösen, ist ungewiss.

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