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Studie: Im Altertum gab es Zehntausende Sprachen

Wissenschaft

Sogar von einem »Goldenen Zeitalter« ist in der Studie die Rede, welche ein internationales Forschungsteam aus Spanien, den USA und Deutschland im Fachblatt »Science« veröffentlicht hat . Denn zuvor, zu Beginn des Holozäns vor etwa 12.000 Jahren, seien weniger Sprachen gesprochen worden, möglicherweise 4500 bis 6200. Dann habe die Vielfalt zugenommen, weil die Bevölkerung wuchs. Vor etwa 1000 bis 3000 Jahren sehen die Forschenden den Höhepunkt der Sprachenvielfalt – möglicherweise seien es zu diesem Zeitpunkt zehnmal so viele Sprachen gewesen wie im frühen Holozän. Das wären dann also ganz grob um 50.000 Sprachen gewesen. Mit der zunehmenden Ausbreitung großer Staaten und Imperien habe dann der rasche Rückgang eingesetzt. Das Forschungsteam kam nicht durch das Zählen prähistorischer Sprachen zu seinen Schlussfolgerungen, sondern mithilfe von Computermodellen. Ausgangspunkt dafür sind ethnografische Daten von 171 Jäger- und Sammlergesellschaften. Damit schätzte das Team die Verteilung von Gruppen, die jeweils eine eigene Sprache hatten, und kombinierte diese mit Schätzungen zur Weltbevölkerung. »Eine erste Überraschung war, dass es unmittelbar vor der Einführung der Landwirtschaft weltweit vermutlich keinen außergewöhnlich großen Sprachreichtum gab. Höchstwahrscheinlich gab es sogar weniger Sprachen als heute«, erklärt Russell Gray, Direktor der Abteilung für Sprach- und Kulturevolution am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. »Goldenes Zeitalter« – und dann rascher Rückgang »Die sprachliche Vielfalt nahm dann über Jahrtausende hinweg zusammen mit der wachsenden menschlichen Bevölkerung zu«, führt er weiter aus. Denn durch die zunehmend praktizierte Landwirtschaft und technologische Innovationen hätten mehr und mehr Nahrungsmittel produziert werden können. Auf das »Goldene Zeitalter« folgte demnach ein rascher Rückgang. Als frühe Imperien sich ausbreiteten, seien einst getrennt lebende Gruppen in ständigen Austausch miteinander getreten – und einige dominante Sprachen hätten sich durchgesetzt. Die Sprachen jener Gruppen, die expandierten, überlebten demnach viel häufiger, wohingegen die Sprachen der aufnehmenden Gruppen eher ausstarben. Die Sprachen, die wir heute sehen, seien die überlebenden, sagt Erstautor Damián Blasi, der an der Catalan Institution for Research and Advanced Studies (ICREA) forscht. »Aussterbeprozesse könnten die sprachliche Vielfalt viel stärker geprägt haben, als uns bisher bewusst war.« Jedes Jahr gehen etwa vier Sprachen verloren Einen Schwenk macht die Studie zur aktuellen Lage: Derzeit gebe es rund 7500 Sprachen, doch nehme die sprachliche Vielfalt stark ab, während sich eine Handvoll »Gigantensprachen« ausbreiteten, darunter Englisch, Spanisch, Mandarin, Arabisch und Hindi. »Fast fünf Milliarden Menschen sprechen mindestens eine der zehn am häufigsten gesprochenen Sprachen, während die Hälfte aller Sprachen der Welt mittlerweile vom Aussterben bedroht ist«, schreibt das Forschungsteam. Etwa vier Sprachen würden pro Jahr verschwinden, ergänzt die Gruppe – womit sie deutlich optimistischer ist als die Unesco, die 2024 noch vom Verlust einer weiteren Sprache alle zwei Wochen ausging.

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