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Studie: KI erkennt Herzkrankheit anhand Fotos von Gesicht und Zunge

Technologie

Neue Diagnostik

Zustand der Herzkranzgefäße: KI sieht Anzeichen im Gesicht

Von Geraldine Nagel

21.10.2026 - 08:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Laut einer neuen Studie erkennt eine KI auf Fotos von Gesicht und Zunge Hinweise auf eine koronare Herzkrankheit. Doch wie zuverlässig ist die Methode?

Eine koronare Herzkrankheit (KHK) bleibt oft lange unbemerkt, kann aber gefährlich sein. Umso wichtiger ist es, Veränderungen der Herzkranzgefäße frühzeitig zu entdecken. Bislang stützen sich Ärzte bei der Einschätzung des Risikos vor allem auf Faktoren wie Blutdruck, Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes.

Erhärtet sich der Verdacht auf eine KHK, folgen Untersuchungen wie ein EKG, Bluttests oder bildgebende Verfahren. Um Engstellen der Herzkranzgefäße direkt sichtbar zu machen, kann eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich sein. Ein Forschungsteam aus China wollte nun wissen, ob auch äußerlich sichtbare Merkmale Hinweise auf die Erkrankung liefern können. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Gut zu wissen

Die koronare Herzkrankheit ist eine häufige chronische Erkrankung. Das Risiko steigt mit dem Alter: Bei den 40- bis 49-Jährigen sind etwa 2 Prozent betroffen, bei den 70- bis 79-Jährigen rund 22 Prozent. Männer erkranken häufiger als Frauen. Mögliche Symptome sind etwa Brustschmerzen oder ein Engegefühl in der Brust.

Zunge und Gesicht im Fokus

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler der Hainan Medical University 518 Menschen: 200 Patienten mit diagnostizierter koronarer Herzkrankheit und 318 gesunde Vergleichspersonen. Alle Teilnehmer wurden mit einem speziellen Gerät unter standardisierten Lichtbedingungen fotografiert. Eine künstliche Intelligenz (KI) analysierte anschließend die Aufnahmen von Gesicht und Zunge.

Die Software wertete beide Bildarten zunächst getrennt aus und kombinierte ihre Ergebnisse dann in einem gemeinsamen Modell. Dabei erreichte sie im internen Test mit 104 Personen eine Trefferquote von 98,1 Prozent: 102 Teilnehmer wurden richtig zugeordnet.

Besonders stark gewichtete die KI die Zungenmitte, den Zungenbelag sowie die Haut rund um den Mund und an den Wangen. Bei einem Teil der Patienten waren unter anderem dunklere Zungen, dickere Beläge und Veränderungen der Gesichtsfarbe aufgefallen.

Was die Ergebnisse aussagen

Dass Zunge und Gesicht Hinweise auf Erkrankungen liefern könnten, ist keine völlig neue Idee. In der traditionellen chinesischen Medizin werden äußerlich sichtbare Merkmale schon lange zur Beurteilung des Gesundheitszustands herangezogen. An diese Vorstellung knüpften die Forscher an, als sie untersuchten, ob eine KI auf Fotos Muster erkennen kann, die mit einer koronaren Herzkrankheit zusammenhängen.

Dass die erkannten Muster tatsächlich durch verengte Herzkranzgefäße verursacht werden, lässt sich anhand der Studie jedoch nicht belegen. Auch Alter, Medikamente und andere Erkrankungen können das Aussehen beeinflussen.

Zudem ist die hohe Trefferquote mit Vorsicht zu interpretieren. Die Software musste bereits diagnostizierte Erkrankte von ausgewählten gesunden Personen unterscheiden. Ob sie auch bei einer Vorsorgeuntersuchung in der Allgemeinbevölkerung zuverlässig funktioniert, wurde nicht geprüft. Dafür müsste sie beispielsweise Menschen mit frühen, bislang unentdeckten Erkrankungen erkennen und diese von Personen mit anderen gesundheitlichen Problemen unterscheiden. Auch eine externe Überprüfung in anderen Kliniken und Bevölkerungsgruppen steht noch aus.

Das sind die Top-Fragen des Tages:

Hinzu kommt eine Unstimmigkeit in der Veröffentlichung: Die Ergebnistabelle legt nahe, dass die KI zwei gesunde Personen fälschlich als herzkrank einstufte. Eine Abbildung deutet dagegen darauf hin, dass sie zwei tatsächlich erkrankte Personen übersah. Damit bleibt unklar, ob die Software hier Fehlalarme auslöste oder ob sie Erkrankungen nicht erkannte.

Noch kein Ersatz für Herzuntersuchungen

Eine koronare Herzkrankheit entsteht meist durch Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die den Blutfluss zum Herzmuskel einschränken können. Im schlimmsten Fall droht ein Herzinfarkt. Ein einfaches, schmerzfreies Fotoverfahren könnte künftig dazu beitragen, dass gefährdete Menschen frühzeitig weiterführende Untersuchungen erhalten. Bis dahin sind jedoch größere Studien nötig. Sie müssen zeigen, wie zuverlässig die Methode unter Alltagsbedingungen arbeitet und ob sie bestehende Verfahren sinnvoll ergänzen kann.

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