Studie sieht biologisches Altern als Ursache
Startseite Welt Immer mehr junge Menschen erkranken an Krebs – Forscher finden Hiweise auf die Ursache Von: Irina Moritz Uns auf Google folgen Krebs galt lange Zeit als eine Erkrankung des hohen Alters, doch das scheint sich nun zu ändern. Forscher entdecken einen möglichen Grund dafür. Ein überraschender Trend hat den Krebsforschern in den vergangenen Jahren Sorgen bereitet. Immer mehr jüngere Menschen bekommen die Diagnose Krebs. Das meldet unter anderem das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Bei den Altersgruppen der 20- bis 39-Jährigen gibt es einen deutlichen Anstieg an Darmkrebsfällen. In den USA gibt es sogar einen stärkeren Anstieg, darunter auch Knochenmark- und Gebärmutterkörperkrebs. Eine neue Studie liefert eine mögliche Erklärung dafür. In einer Analyse eines Forschungsteams der Washington University School of Medicine wurden die Gesundheitsdaten von über 154.000 Erwachsenen der britischen „UK Biobank“ ausgewertet sowie die Daten von über 10.000 Teilnehmern des US-Forschungsprogramms „All of Us“. Dabei unterschieden die Forscher zwischen dem chronologischen Alter der Menschen – also den tatsächlich gelebten Lebensjahren – und dem biologischen Alter, das beschreibt, wie weit der Alterungsprozess im Körper und in den Organen bereits fortgeschritten ist. Biologisches Altern bei jungen Menschen als Grund für Krebserkrankungen Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass sich bei jungen Menschen eine besonders große Kluft zwischen dem chronologischen und dem biologischen Alter gebildet hatte. Ihre Organe wie Leber, Gehirn, Herz und Darm alterten schneller und wichen deutlich von dem tatsächlichen Alter der Personen ab. Der Effekt scheint generationsbedingt: Menschen, die zwischen 1965 und 1974 geboren wurden, alterten biologisch schneller als die Jahrgänge 1950 bis 1954. Je jünger die untersuchten Personen waren, desto größer war die Kluft. Bei den Millennials und Gen Z war die biologische Alterung besonders stark ausgeprägt. In Australien, Kanada, dem Vereinigten Königreich (UK) und den USA haben Menschen, die in den 1990er Jahren geboren wurden, ein mindestens viermal höheres Risiko für früh auftretenden Darmkrebs als Menschen, die in den 1960er Jahren geboren wurden. Demnach bestand bei Menschen mit einem biologisch besonders stark gealterten Immunsystem ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs. Bei gealtertem Fettgewebe wurde mit Darmkrebs in Verbindung gebracht. „Studien wie diese helfen uns dabei, das Gesamtbild zu erfassen; sie zeigen, dass Krebs möglicherweise nicht nur durch Veränderungen in einzelnen Zellen beeinflusst wird, sondern auch durch umfassendere Veränderungen im gesamten Körper“, erklärt David Scott, Direktor der globalen Initiative Cancer Grand Challenges (via t-online). Eine klare und zweifelsfreie Antwort liefert die Studie allerdings nicht. Die Bestimmung des biologischen Alters ist aktuell noch keine Routineprozedur. Die Forscher der Washington University School of Medicine mussten für ihre Studie auf mehrere verschiedene Parameter zurückgreifen, die neben physiologischen Tests an Körper- und Organfunktionen auch kognitive Untersuchungen und komplexe genetische Tests umfassen. Früher wurde angenommen, dass das biologische Alter sich zu einem Großteil vom Lebensstil beeinflussen lässt, doch das ist laut Ron Jachimowicz vom Universitätsklinikum Köln nicht der Fall.