DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Studie über Abwanderungsabsichten amerikanischer Wissenschaftler

Wissenschaft

Es gibt Daten, die mehr erzählen als die Klagen etablierter amerikanischer Wissenschaftler über durch die Trump-Regierung gekürzte Drittmittel. Dazu gehört eine neue Studie der Ökonomen Pierre Azoulay, Raffaella Sadun und Daniela Scur, die kürzlich vom National Bureau of Economic Research publiziert wurde („Before the Exodus? Young Scientists and the Future of US Science“, NBER Working Paper No. 35330, Juni 2026). Sie ist nicht spektakulär, setzt aber an der richtigen Stelle an: bei jenen, die noch nichts zu verteidigen haben, aber alles zu verlieren. Doktoranden und Postdocs in der Biomedizin in den Vereinigten Staaten, also jenen, die in normalen Zeiten die Labore der Zukunft leiten würden. Der Anlass ist bekannt. Seit Anfang 2025 erschüttert eine Serie politischer Eingriffe die amerikanische Forschungsfinanzierung: eingefrorene Gelder der National Institutes of Health (NIH) und der National Science Foundation (NSF) in Milliardenhöhe, eine neue „Forward Funding“-Regel, die die Zahl neuer Bewilligungen drastisch reduzierte, ein zeitweise drohender Deckel auf die Erstattung indirekter Kosten sowie der Entzug von Visa für mehr als 1400 internationale Wissenschaftler. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Die Frage, die im Raum steht, lautet: Handelt es sich nur um die jüngste Variante eines altbekannten Untergangsgesangs, wie er schon im „Gathering Storm“-Bericht von 2007 angestimmt wurde, oder ist es dieses Mal anders? Der „Rising Above the Gathering Storm“-Bericht von 2007 wurde von der National Academy of Sciences, der National Academy of Engineering und dem Institute of Medicine im Auftrag des US-Kongresses erstellt. Sein zentrales Anliegen war eine Warnung vor dem schleichenden Verlust der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in Wissenschaft und Technologie gegenüber aufstrebenden Konkurrenten, insbesondere China und Indien. Signifikant sinkende Bleibeabsichten Methodisch ist die neue Studie ein Glücksfall, fast ein Laborunfall im besten Sinne. Die Autoren befanden sich mitten in einem ganz anderen Projekt, einer groß angelegten Untersuchung zu Managementpraktiken in biomedizinischen Laboren (dem „Scientific Labs Management Project“), als die politischen Verwerfungen einsetzten. Im März 2025 schoben sie drei knappe Fragen nach. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in der Wissenschaft bleiben? Dass Sie in den Vereinigten Staaten bleiben? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Promotionsentscheidung? Jede Frage wurde doppelt gestellt – für „jetzt“ und für „vor sechs Monaten“, sodass sich Veränderungen innerhalb derselben Person messen lassen, ohne dass man auf wacklige Vergleiche zwischen verschiedenen Kohorten angewiesen ist. Es kamen 916 Antworten aus 770 Laboren an 134 Institutionen zusammen, was einer Rücklaufquote von gut acht Prozent entspricht. Für eine unentgeltliche akademische Umfrage gilt diese Quote als beachtlich. Noch wichtiger ist, dass die Befragten nicht aufgrund ihrer Betroffenheit ausgewählt wurden, sondern zufällig in einer Stichprobe für ein gänzlich anderes Erkenntnisinteresse saßen. Somit entfällt der Verdacht der Selbstselektion durch verbitterte Personen. Für das Standardproblem retrospektiver Befragungen – die Versuchung, die Vergangenheit rosiger zu erinnern, als sie war – liefern die Autoren einen eleganten Gegenbeweis: Ein Viertel der Befragten hatte bereits vor 2025 in Telefoninterviews zeitgleich Auskunft über ihre Promotionszufriedenheit gegeben. Der Vergleich mit den späteren Erinnerungswerten zeigt keine systematische Verzerrung. Die Ergebnisse selbst sind, in der Sprache der Statistik, „groß“. Der Anteil derer, die in der akademischen Welt bleiben wollen, fiel von 66 auf 44 Prozent, ein Einbruch um 22 Prozentpunkte binnen eines halben Jahres. Die Bleibeabsicht für die Vereinigten Staaten sank von 93 auf 72 Prozent, die Zufriedenheit mit der Promotionsentscheidung von 92 auf 76 Prozent. Bemerkenswert ist die Gleichförmigkeit: Der Rückgang bei Akademiekarriere und Zufriedenheit ist für ausländische wie amerikanische Nachwuchsforscher fast identisch, unabhängig von Laborgröße, -alter oder Finanzierungssicherheit. Nur bei der USA-Bleibeabsicht zeigt sich ein Gefälle, ausländische Wissenschaftler reagieren stärker, europäische Forscher mit den besten Alternativen am Heimatmarkt am stärksten von allen. Kritisch ließe sich einwenden: Die Studie misst Absichten, keine Taten. Zwischen „ich erwäge zu gehen“ und dem tatsächlichen Packen der Koffer liegt erfahrungsgemäß eine erhebliche Dämpfungsstrecke. Zudem bleibt unklar, ob die Stimmungsverschlechterung allein den Förderkürzungen oder einem diffuseren Unbehagen gegenüber dem politischen Klima insgesamt zuzuschreiben ist. Die Befragung kann Korrelation, aber kaum kausale Trennschärfe liefern. Die aus einem Projekt zur Laborführung gewonnene Stichprobe mag spezifische Verzerrungen mitbringen, die sich nicht vollständig durch Repräsentativitätstabellen wegrechnen lassen. Dennoch hat diese Untersuchung als Frühwarnsystem, das Jahre vor messbaren Abwanderungszahlen Alarm schlägt, einen Wert, der über ihre methodischen Feinheiten hinausreicht.

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