Studie: Vier von fünf Menschen mit Übergewicht kennen diese Kassenleistung nicht
Drei von vier kämpfen ohne professionelle Hilfe gegen ihr Übergewicht Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas. Die gesundheitlichen Folgen reichen von Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Gelenkbeschwerden. Obwohl 86 Prozent bereits versucht haben abzunehmen, hat nur jeder Dreizehnte jemals ein strukturiertes Programm genutzt. Viele Betroffene scheitern nicht an mangelnder Motivation, sondern daran, dass sie geeignete Unterstützung nie angeboten bekommen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Medizinischen Fakultät Mannheim mit mehr als 2.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas. Viele sprechen das Thema beim Hausarzt nie an Die Befragung zeigte nun: Rund 86 Prozent der Befragten hatten bereits versucht abzunehmen. Drei von vier setzten dabei ausschließlich auf eigene Maßnahmen. Weniger als die Hälfte hatte jemals mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt über das Gewicht gesprochen. Und obwohl fast zwei Drittel ein solches Gespräch grundsätzlich für hilfreich halten, bleibt es häufig aus. Auch wirksame Behandlungsangebote werden selten genutzt: Nur 7,8 Prozent der Befragten hatten schon einmal an einem verhaltensbasierten Programm teilgenommen oder eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) genutzt. DiGA sind ärztlich verordnungsfähige Apps, deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Lediglich 6,2 Prozent hatten Medikamente gegen Adipositas angewendet. Vier von fünf kennen diese Kassenleistung zum Abnehmen nicht Besonders groß ist die Wissenslücke bei den DiGA. Obwohl sie ärztlich verordnet werden können und die Kosten in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, kannten sie nur knapp 20 Prozent der Befragten. Gleichzeitig hatten rund 39 Prozent grundsätzlich Interesse an einem verhaltensbasierten Programm oder einer DiGA zur Unterstützung beim Abnehmen. Diese Behandlung empfehlen Experten heute bei Übergewicht Fachgesellschaften raten längst zu einem strukturierten Vorgehen. Im Mittelpunkt stehen Programme, die Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen kombinieren. Je nach individueller Situation können auch Medikamente oder bei schwerer Adipositas operative Verfahren sinnvoll sein. Ziel ist eine langfristige Verbesserung der Gesundheit – nicht nur eine kurzfristige Gewichtsabnahme. Diese Unterstützung können Betroffene nutzen Die Studie macht deutlich: Häufig scheitert professionelle Hilfe nicht am fehlenden Wunsch, sondern an mangelnder Information. Wer dauerhaft Gewicht reduzieren möchte, sollte das Thema aktiv in der Hausarztpraxis ansprechen und nach strukturierten Programmen, Ernährungsberatung oder digitalen Gesundheitsanwendungen fragen. Dazu gehören zertifizierte Ernährungsprogramme, Adipositas-Schulungen oder verordnungsfähige Gesundheits-Apps (DiGA). Gerade weil Übergewicht eine chronische Erkrankung sein kann, müssen Betroffene den Weg nicht allein gehen – oft gibt es mehr Unterstützung, als ihnen bewusst ist.