Studie warnt vor Weltraumspiegeln
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40 Mal heller als der Vollmond: Studie warnt vor riesigen Weltraumspiegeln
Von: Johannes Weis
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Das US-Startup Reflect Orbital möchte Tausende sonnenreflektierende Weltraumspiegel in die Erdumlaufbahn befördern. Eine Studie macht auf die Konsequenzen aufmerksam.
Frankfurt/Washington – Die nächtliche Dunkelheit ist für viele Menschen entspannend – doch bald könnte es an einigen Orten damit vorbei sein: Das US‑amerikanische Startup Reflect Orbital möchte Weltraumspiegel in der Erdumlaufbahn platzieren, um mit dem damit reflektierten Licht Solarkraftwerke nach Sonnenuntergang zu betreiben. Wissenschaftler befürchten, dass die Gegend in der Nähe des Strahls in eine dauerhafte Dämmerungszone verwandelt wird.
Laut einem Entwurf einer Studie, die bald im Astrophysical Journal erscheinen soll, erscheint einem Beobachter auf der Erde, der sich in dem Strahl des Spiegels befindet, der Himmel etwa 40 Mal heller als der Vollmond. „Es wird schlimmer sein als in Großstädten wie London“, erläutert Gáspár Bakos, Professor für Astrophysik an der Princeton University und einer der Autoren, die Ergebnisse der Studie gegenüber space.com. „Man würde keine Sterne mehr sehen, wenn man sich im Strahl befände.“
Bald erster Satellit des Startups in der Erdumlaufbahn
Kürzlich gab die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) die Genehmigung, den Demonstrationssatelliten Earendil-1 des Startups in eine 600 Kilometer hohe Umlaufbahn über der Erde zu bringen. Der 18 mal 18 Meter große Spiegel soll als Vorreiter dazu dienen, Solarkraftwerke bis in die Nacht zu betreiben und Katastrophengebiete auch nach Einbruch der Nacht zu beleuchten.
Astronomen, Umweltschützer, Berufspilotenverbände und andere Interessengruppen sorgen sich jedoch nicht wegen des Demonstrationssatelliten, sondern wegen des Plans des Unternehmens, in den nächsten Jahren bis zu 40.000 große Weltraumspiegel mit einem Spiegel von 54 mal 54 Metern im All zu platzieren. Bakos zufolge zog die Studie Daten zur Lichtstreuung in der Erdatmosphäre heran, um das Ausmaß der Lichtverschmutzung berechnen zu können. Experten warnen derweil, dass der erdnahe Orbit nur eine begrenzte Zahl von Objekten aufnehmen kann.
Himmel würde in der Nacht so hell sein wie in der Dämmerung
„Die Streuberechnungen wurden in realen Situationen umfassend getestet. Wir verfügen nun also über wissenschaftlich fundierte Darstellungen, die auf dieser Grundlage erstellt wurden“, so Bakos. Laut der Studie ist der Strahl von einem Satelliten mit einem großen Spiegel 40-mal heller als der Vollmond und der Himmel so leuchtend wie in der Abenddämmerung. Auch helle Satelliten können schon heute Beobachtungen im All erschweren.
Das lichtverschmutzte Gebiet über dem Horizont erscheine selbst in einem Abstand von 34 Kilometern noch heller als der Nachthimmel bei Vollmond. Selbst diese Lichtmenge würde aber nicht für die Solarkraftwerke ausreichen: „Tatsächlich ist das zu wenig Licht, als dass Solarpaneele funktionieren könnten. Selbst die besten würden kaum funktionieren, selbst wenn 400 Spiegel die Fläche beleuchten würden“, so Bakos gegenüber space.com.
Studienautor: Lichtverschmutzung von Städten durch Satelliten vergrößert
Ein weiterer Kritikpunkt: Das von der Oberfläche reflektierte Licht würde den Himmel noch zusätzlich erhellen. Für Bakos steht fest: „Die Lichtverschmutzung einer Stadt, die von diesem Strahl beleuchtet wird, wird zehn- bis zwanzigmal heller sein als die künstliche Beleuchtung derselben Stadt.“
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Ein Sprecher von Reflect Orbital wies die Ergebnisse der Studie zurück: Sie basierten auf „ungenauen Annahmen“. Außerdem würde die Mehrzahl der Menschen die Reflektionen niemals sehen, weil die Einsatzorte und Solarprojekte sehr abgelegen liegen würden. In den USA sind Bundesbehörden nach aktueller Rechtslage nicht verpflichtet, die Umweltauswirkungen ihrer Entscheidungen bei Satellitenprojekten zu bewerten. (Quellen: space.com, unveröffentlichte Studie vom 25. August 2026) (jws)