Studie zeigt Rolle für Gehirnentwicklung
Startseite Wissen Schlau durch Zucker und Früchte? Studie stellt Bild vom Menschen als cleveren Fleischfresser infrage Von: Denise Burmester Uns auf Google folgen Der Urmensch als Fleischjäger, der dadurch so clever wurde, ist ein hartnäckiges Bild. Eine internationale Studie zeigt nun, was unser Gehirn schon davor half. Der muskulöse Höhlenmensch mit Speer in der Hand, der am Lagerfeuer sein Stück Wildfleisch brät. Dieses Bild prägt bis heute, wie wir uns die Ernährung unserer Vorfahren vorstellen. Diäten wie Paleo oder Low Carb berufen sich genau darauf und verteufeln Kohlenhydrate als Fremdkörper in unserer Biologie. Doch was, wenn dieses Bild von Anfang an falsch war? Ein internationales Forscherteam hat sich die Frage gestellt, was unser Gehirn in Wirklichkeit über Millionen Jahre wachsen ließ. Wie ein internationales Forschungsteam um die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Jennie Brand-Miller der Universität Sydney nun im renommierten Fachmagazin Science berichtet, spielen Zucker und Kohlenhydrate eine bislang massiv unterschätzte Rolle in unserer Entwicklungsgeschichte. Ihr Fazit, dem sie das passende englische Akronym „SWEET“ (Sugars Were Essential in Evolution Too) gaben: Ohne einen ordentlichen „Sugar Rush“ aus der Natur wären wir heute nicht die schlaue Spezies, die wir sind. Warum Zucker unser Gehirn wachsen ließ: Evolutionsforschung gibt Antworten Um zu verstehen, warum Zucker für unsere Vorfahren so überlebenswichtig war, muss man einen Blick auf unsere Anatomie werfen. Das menschliche Gehirn leistet einen enormen Energieverbrauch: Bei einem Erwachsenen macht es gerade einmal zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber rund 20 bis 25 Prozent unserer gesamten Ruheenergie. Und dieser immense Hunger wird fast ausschließlich durch Glukose, sogenannter Einfachzucker, gestillt. Innerhalb von vier Millionen Jahren wuchs das Gehirn unserer Vorfahren von rund 300 auf bis zu 1.500 Gramm. Fleisch gehörte schon vor rund 2,5 Millionen Jahren zum Speiseplan, aber nicht primär. Erst mit Homo erectus vor etwa 1,8 Millionen Jahren nahm der Fleischanteil spürbar zu. Zucker aus Obst dagegen war von Anfang an verlässlich da. Fleisch und Zucker schlossen sich dabei nicht aus: Brand-Miller sieht darin keine Ablösung, sondern eine Ergänzung, die gemeinsam das Gehirnwachstum vorantrieb. Einen schmerzhaften Beweis für diese weiche, süße Ernährung finden Paläontologen übrigens bis heute: Karies gilt gemeinhin als Zivilisationskrankheit. Tatsächlich lässt sich Zahnverfall aber bereits bei frühen Vorfahren wie dem Homo erectus nachweisen. Für die Forscher ist das ein handfestes fossiles Indiz für eine überwiegend zuckerhaltige Ernährung, lange bevor der Mensch überhaupt kochte. Rohe Stärke lässt sich vom Körper kaum in Glukose umwandeln. Die logische Energiequelle blieben deshalb natürliche Süßigkeiten: Obst und Honig. Modellierungen der Forscher zeigen: Schon die frühen, schimpansenähnlichen Vorfahren des Menschen deckten vor vier Millionen Jahren teils über 70 Prozent ihres Energiebedarfs allein durch Früchte. Der Zucker lieferte nicht nur Kalorien, er trainierte auch das Gehirn selbst. Die Suche nach dem Obst war vermutlich ein zentraler Auslöser für unsere Intelligenz. Der moderne Mensch sucht sein Obst im Supermarkt: Worauf Sie beim Kauf von Heidelbeeren achten müssen. Wer im dichten Urwald überleben wollte, benötigte scharfe Sinne und ein gutes Gedächtnis, um reife Früchte zu finden. Evolutionsbiologen vermuten, dass sich das menschliche Farbsehen genau deshalb entwickelte, um rote und gelbe Früchte im grünen Blätterdach zu erkennen. Dieses Wissen erforderte eine Art innere Landkarte im Kopf. Diese Gedächtnisleistung könnte laut den Forschern ein immer größeres Gehirn begünstigt haben. Trotz Vorteil durch Zucker in der Urzeit: Heute gibt es Zucker im Überfluss