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Studie zu Missbrauch im Bistum Hildesheim: 84 weitere mutmaßliche Täter

Nation

Stand: 10.07.2026 13:50 Uhr Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs an Kirchenmitgliedern innerhalb des Bistums Hildesheim ist wohl größer als bisher bekannt. Das zeigt ein erstes Zwischenergebnis einer laufenden Aufarbeitungsstudie. Im Rahmen der Studie wurden Hinweise auf deutlich mehr mutmaßliche Täter gefunden, die in früheren Studien nicht entdeckt worden seien. Das haben die Forschenden am Donnerstagabend bei einer Infoveranstaltung mitgeteilt. Sie sind demnach im Bistumsarchiv seit dem Jahr 1945 auf 84 weitere Personen gestoßen, bei denen es nun auch einen Missbrauchsverdacht gebe. Zusammen mit den 64 schon bekannten Beschuldigten aus zwei vorangegangenen Studien seien es nun insgesamt 148 Tatverdächtige im Bistum Hildesheim, so die Forschenden. Die Suche nach weiteren Hinweisen auf mutmaßliche Täter sei aber noch nicht abgeschlossen. Deutlich mehr als 150 Missbrauchsopfer Wie viele Opfer sich hinter den einzelnen Fällen verbergen, ist nach Angaben der Wissenschaftler noch unklar. Es seien aber deutlich mehr als die rund 150 Betroffenen, die bislang bekannt sind. Die aktuelle Aufarbeitungsstudie beleuchtet erstmals auch den Umgang des ehemaligen Hildesheimer Bischofs Wilmer mit dem Missbrauch in der Zeit von 2018 bis 2026. Wilmer, der mittlerweile Bischof von Münster ist, hatte die Studie 2025 in Auftrag gegeben. Opfer verfolgen die Aufarbeitung intensiv Bei der Vorstellung der ersten Zwischenergebnisse waren jetzt auch viele Betroffene anwesend, wie auch Markus Buller aus Kissenbrück. Er wurde nach eigenen Angaben in den 80er-Jahren als Jugendlicher Opfer von Übergriffen durch einen Pater bei Göttingen. "Das alles fand in einer Zeit statt, als mein Vater gestorben ist", schildert der heute 56-Jährige seinen Fall. "Der Pater bot sich in dieser Situation, in der es mir schlecht ging, als Ersatzvater an." Er habe also seine damalige Situation ausgenutzt und durch die Übergriffe dafür gesorgt, dass er bis heute mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. In seinem früheren Beruf als Unternehmensberater kann Buller eigenen Angaben zufolge nicht mehr arbeiten. "Das Versagen der Kirche muss in den Vordergrund!" In seinem Fall sei es auch so gewesen, dass es gegen den betroffenen Pater schon im Vorfeld Missbrauchsvorwürfe gegeben habe, sagt Markus Buller. Trotzdem habe man ihn sehenden Auges auf unschuldige Kinder losgelassen, so sein Vorwurf. Von daher sei es ihm auch wichtig, dass das institutionelle Versagen der Kirche bei der neuen Studie in den Vordergrund gestellt wird. Und es eine Antwort auf die Frage gibt: Wie war das alles möglich? Studie läuft noch bis April 2027 Angelegt ist die Studie zunächst auf zwei Jahre. Sie endet im April 2027, könnte nach Angaben der Forscher aber auch noch einmal verlängert werden. Am Ende soll es einen ausführlichen Bericht mit Handlungsempfehlungen für das Bistum Hildesheim geben. Die sollen dann auch dafür sorgen, dass Menschen innerhalb der Kirche - insbesondere Kinder - in Zukunft besser vor sexualisierter Gewalt geschützt werden.

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