Stupnikow: Wie ein russischer Soldat zum Verbündeten der Ukraine wurde
Half bei Tötung eigener Kameraden
Wie ein russischer Soldat zum Verbündeten der Ukraine wurde
Von t-online
19.10.2026 - 15:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein russischer Offizier lieferte monatelang geheime Informationen an die Ukraine. Was als Informationsaustausch begann, führte schließlich zum Seitenwechsel.
Ein russischer Offizier soll über Monate hinweg Informationen über die eigenen Truppen an die Ukraine weitergegeben und damit zahlreiche Angriffe ermöglicht haben. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wechselte Lew Stupnikow im Sommer 2024 die Seiten und schloss sich später dem Russischen Freiwilligenkorps an, das an der Seite der Ukraine kämpft.
Stupnikow, 26 Jahre alt, wurde in Kasachstan geboren und absolvierte eine militärische Ausbildung in Russland. Nach dem Abschluss der militärischen Fernmeldeakademie in Sankt Petersburg 2023 wurde er als Leutnant einer russischen Mod-Schützenbrigade zugeteilt und im November in die Ukraine geschickt. Nach eigenen Angaben hatte er bereits vor seinem Einsatz beschlossen, sich im Falle einer Verlegung an die Front zu ergeben.
Der erste Schritt zum Seitenwechsel
Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Mutter Tatjana Jantsen, die sich wegen des Krieges zunehmend von den russischen Behörden abwandte. Im Februar 2024 nahm sie Kontakt zum ukrainischen Blogger Dmytro Karpenko auf, der mit russischen Kriegsgefangenen und Überläufern sprach und Unterstützung bei einer Desertation anbot.
Über diese Verbindung stieg schließlich auch Stupnikow in die Zusammenarbeit mit der ukrainischen Seite ein. Er begann unter anderem Koordinaten, Funkfrequenzen und Informationen über russische Truppenbewegungen weiterzugeben.
Tödliche Hinweise aus den eigenen Reihen
Im Februar 2024 griff die Ukraine ein russisches Übungsgelände nahe Wolnowacha an. Stupnikow hatte zuvor die Koordinaten übermittelt und nach eigenen Angaben Fotos der dort versammelten Soldaten gemacht. Kurz vor dem Raketenbeschuss entfernte er sich unter einem Vorwand. Laut "Wall Street Journal" wurden dabei 68 russische Soldaten getötet und weitere 60 verletzt. Unter den Toten waren zehn Offiziere, darunter der Kommandeur von Stupnikows eigener Brigade.
Er schilderte später, dass ihn die Zusammenarbeit psychisch stark belastet hat und er ständig befürchtet habe, entdeckt zu werden. Im Juli 2024 überquerte er schließlich die Frontlinie und erreichte ukrainische Truppen.
Kurz darauf schloss er sich dem Russischen Freiwilligenkorps an. Mit ukrainischer Hilfe gelang es ihm, seine Mutter und seine Schwester aus Russland herauszubringen. Seine Ehefrau blieb dagegen in Russland und erklärte gegenüber dem russischen Staatssender "RT", sie habe einen Umzug ins Ausland abgelehnt.
"RT" berichtete unter Berufung auf russische Militärangehörige, dass bei Angriffen, die Stupnikow ermöglicht haben soll, mehr als 200 russische Soldaten getötet worden seien. Das "Wall Street Journal" bezifferte die Zahl auf mehr als 300.