Sturzflut in Nepal: Mehr als 400 Touristen vermisst - auch Deutsche darunter
Nach der heftigen Sturzflut in der Gebirgsregion von Nepal sind bislang mindestens 95 Todesopfer geborgen worden, teilte die Polizei in dem Himalaja-Staat mit. Hunderte Menschen werden Behördenangaben zufolge vermisst. Insgesamt würden 403 Touristen, darunter mehr als 341 Ausländer, etwa aus Deutschland, den USA und Spanien, vermisst, teilte die nationale Tourismusorganisation Nepal Tourism Board in Kathmandu mit. Unter den Vermissten sind demnach 133 Inder, fast 47 Amerikaner und 33 Briten.
Auch acht Südkoreaner, die bei einem Wasserkraftwerk in dem Gebiet arbeiteten, werden vermisst, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Außenministerium in Seoul meldete.
Nach Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in umliegenden Ortschaften und Infrastruktureinrichtungen entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Unter anderem seien Häuser und Brücken zerstört oder beschädigt worden.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaja-Staat eine Katastrophenwarnung heraus. Sie soll zunächst drei Monate dauern, berichtet „Sky News“.
Die britische BBC berichtet von Aufnahmen aus Tibet, auf denen zu sehen ist, wie eine Wasser- und Schlammwand auf Gebäude an einem Grenzübergang trifft. Weitere Bilder aus Nepal zeigten Menschen, die verzweifelt vor der herannahenden Flutwelle zu fliehen versuchten.
Was hat die Sturzflut in Nepal ausgelöst?
Unklar war zunächst, was konkret die Sturzflut ausgelöst hat. Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal sagte hingegen laut BBC, die Flutkatastrophe sei möglicherweise durch ein Erdbeben ausgelöst worden.
Das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) informiert auf seiner Internetseite über ein Erdbeben der Stärke 4,4 nördlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Zwischen dem Beben und Aufnahmen der verheerenden Flutwellen würden etwa sieben Minuten liegen, berichtet „Sky News“.
Behörden würden vor einer möglichen zweiten Flutwelle warnen, sagte der nepalesische Experte Qianggong Zhang dem Sender. Er vermutet, dass ein Gletscherabgang ursächlich für die Katastrophe war.
„Nepal Correspondence“ sieht die Ursache in Bauarbeiten auf chinesischer Seite der Grenze. „Die Schädigung des empfindlichen Ökosystems auf den Gletschergipfeln führt mittlerweile jedes Jahr zu Lawinen, die in Nepal Sturzfluten auslösen und erhebliche Verluste an Menschenleben und Sachwerten verursachen“, schreibt das Nachrichtenportal auf X.
Vermisste auch im Südwesten Tibets
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Weiterhin soll er gefordert haben, das Frühwarnsystem zu stärken.
Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.
Auch aus dem benachbarten Tibet wurden laut der Nachrichtenagentur Xinhua nach dem Abgang einer Schlammlawine an einem Grenzübergang zwischen China und Nepal zahlreiche Opfer und Vermisste gemeldet.