DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,60 Pkt 21:00:00 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:00:00 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,26 % 64.067,10 Pkt 03:35:03 Gold +0,57 % 4.061,60 USD 04:08:18 Silber +0,12 % 54,18 USD 04:08:29 Brent -4,35 % 110,77 USD 04:07:44 WTI -0,62 % 101,13 USD 04:08:26 Bitcoin +0,05 % 80.842,84 USD 04:18:27 EUR/USD -0,42 % 1,11270 USD 04:17:45 EUR/GBP -0,13 % 0,83620 GBP 04:18:28 EUR/CHF -0,21 % 0,92290 CHF 04:18:30 EUR/JPY -0,19 % 175,674 JPY 04:18:30

Stützpunkten alarmieren Behörden

Welt

Startseite

Politik

Ostsee-Ferienhäuser als Putins „trojanische Pferde“ genutzt – ein Anwesen als „kritische Bedrohung“ eingestuft

Uns auf Google folgen

Eine Recherche des Telegraph enthüllt ein Netz russischer Immobilien nahe Luftwaffenstützpunkten im Ostseeraum. Es sind Putins „trojanische Pferde“.

Russland nutzt ein Netz von Ferienhäusern im Ostseeraum als „trojanische Pferde“, um einen hybriden Krieg gegen den Westen zu führen. Das zeigt eine Recherche des Telegraph. Westliche Behörden gehen gegen Hunderte Immobilien mit Verbindungen nach Russland in Litauen, Schweden und Norwegen vor, die in der Nähe strategisch wichtiger Militärstandorte oder zentraler Infrastruktur gekauft wurden.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Der schwerwiegendste Fall findet sich in Schweden: Dort wurde ein Anwesen mit Verbindungen zu einem russischen Oligarchen als „kritische Bedrohung“ eingestuft, weil es an der Zufahrt zum Marinestützpunkt Muskö im Süden des Landes liegt. Weitere Ferienhäuser kauften Russen in der Nähe der NATO-Luftwaffenstützpunkte Šiauliai Zokniai und Panevėžys Pajuostis in Litauen. In Norwegen bieten Ferienhütten, die Personen mit Kreml-Verbindungen zugeordnet werden, einen Blick auf den Luftwaffenstützpunkt Bardufoss. Er zählt zu den wichtigsten Militärbasen des Landes und beherbergt F-35-Kampfflugzeuge.

Westliche Behörden befürchten, dass die Immobilien als Ausgangspunkte für Drohnenangriffe auf nahe gelegene Stützpunkte oder als Basis für Sabotageangriffe gegen die Nato-Verbündeten genutzt werden könnten. Solche Angriffe sind Teil von Moskaus immer weiter ausgeweiteter hybrider Kriegführung. Zu dieser Kampagne gehörten bereits Versuche, Fabriken in London und Warschau zu sabotieren und Führungskräfte von Rüstungsunternehmen zu ermorden, die militärische Unterstützung für die Ukraine geleistet haben.

Schweden will strategisch wichtiges Anwesen beschlagnahmen

Nach Informationen des Telegraph gehört das Anwesen mit sieben Schlafzimmern nahe dem schwedischen Marinestützpunkt Muskö Tatjana Sasonowa, der Ehefrau von Stanislaw Aleschtschenko, einem russischen Oligarchen und Verbündeten Wladimir Putins. Aus schwedischen Grundbuchunterlagen geht hervor, dass die Immobilie am 14. August 2017 für 18,6 Millionen schwedische Kronen (1,4 Millionen Pfund) gekauft wurde – Jahre bevor Russland als kritische Bedrohung für Schweden galt.

Der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson sagte dem Telegraph, seine Regierung werde die „strategisch wichtige Immobilie“ beschlagnahmen, weil sie die Eigentümerin als „Sicherheitsbedrohung“ für die Anlage in Muskö betrachte. Er erklärte: „Es ist das einzige Grundstück in dem Gebiet, das den schwedischen Streitkräften nicht zur Verfügung steht, wodurch eine kritische Lücke in der Verteidigung des Marinestützpunkts entsteht. Die Immobilie gehört derzeit einer Person mit russischer Staatsangehörigkeit, die nach unserer Einschätzung eine Sicherheitsbedrohung für die schwedischen Streitkräfte darstellt.“

Jonson sagte, die Sicherung des Zugangs zu dem Grundstück sei entscheidend für den Aufbau einer Verteidigung des strategisch wichtigen Marinestützpunkts, insbesondere gegen die wachsende Bedrohung durch Drohnen. Eitvydas Bajarūnas, Litauens ehemaliger Botschafter in London, sagte: „In den baltischen Staaten besteht die Sorge, dass Russland Immobilieneigentum oder Mittelsleute als eine Art ‚trojanisches Pferd‘ nutzen könnte. Nicht unbedingt für unmittelbare militärische Aktionen, sondern zur Informationsbeschaffung, Überwachung, Einflussnahme oder sogar zur Vorbereitung von Sabotage.“

Vorsorgliche Beschränkungen und auffällige Bauarbeiten

Bajarūnas fügte hinzu: „Diese Beschränkungen dienen der Prävention: Sie sollen Schwachstellen im Umfeld militärischer und strategischer Infrastruktur verringern, bevor diese in einer Krise ausgenutzt werden können.“ Bajarūnas war früher Leiter der Abteilung für Sicherheitspolitik im litauischen Außenministerium. Von 2016 bis 2020 war er zudem Sonderbotschafter für hybride Bedrohungen, eine Funktion, deren Schwerpunkt auf der hybriden Kriegführung Russlands lag.

Als der Telegraph das Anwesen in diesem Monat besuchte, war es mit Brettern vernagelt und eingerüstet. Nachbarn sagten, die Eigentümer hätten Zäune errichtet, um Menschen vom Grundstück fernzuhalten, weil Schaulustige es immer wieder unbefugt betreten hätten. Laut Berichten des schwedischen Militärs wird bei den Renovierungsarbeiten auch Dynamit eingesetzt, um unter dem Anwesen einen Keller anzulegen.

Eigentümerin weist Kenntnis von Militärstützpunkt zurück

Nachbarn berichteten, die Bauarbeiten dauerten seit mindestens eineinhalb Jahren an. Sie hätten die Eigentümerin seit der Zeit vor dem Ukrainekrieg 2022 nicht mehr gesehen, doch sie habe wie „ein nettes Mädchen“ gewirkt. Einige Nachbarn sagten dem Telegraph, die Vorwürfe rund um das Anwesen seien ihnen unangenehm. Sasonowa hatte zuvor auf Nachfrage des schwedischen Nachrichtenmediums Bulletin bestritten, beim Kauf gewusst zu haben, dass sich das Anwesen in der Nähe eines Militärstützpunkts befindet.

Der Telegraph versuchte mehrfach, sie für eine Stellungnahme zu erreichen, erhielt jedoch keine Antwort. Die schwedischen Streitkräfte haben öffentlich davor gewarnt, dass das Anwesen Personen gehöre, die eine „Sicherheitsbedrohung“ für ihre Soldaten darstellten, ohne diese namentlich zu nennen. Der Telegraph hat die Lage des Anwesens unabhängig überprüft: Es befindet sich an der Südwestspitze der Insel Muskö, nur einen Steinwurf vom Marinestützpunkt entfernt.

Immobilien in unmittelbarer Nähe militärischer Anlagen

Der Stützpunkt verfügt dem Vernehmen nach über drei Docks, die für Zerstörer und U-Boote gebaut wurden. Laut einem weiterhin online verfügbaren Immobilieninserat, in dem das Haus als verkauft gekennzeichnet ist, besitzt das Anwesen sieben Schlafzimmer, drei Badezimmer, einen Kiesstrand und einen Motorbootsteg. Die Enthüllung dürfte Bedenken verstärken, dass Russlands weitverzweigtes Immobiliennetz in Europa für Drohnenangriffe auf nahe gelegene militärische Infrastruktur genutzt werden könnte.

In Litauen hat die Regierung neue Reformen verabschiedet, um russisches Immobilieneigentum in der Nähe sensibler Standorte zu verbieten und damit eine Nutzung für unlautere Zwecke zu verhindern. Litauische Behörden haben gewarnt, dass Personen mit Verbindungen nach Russland unter anderem Immobilien nahe den Luftwaffenstützpunkten Šiauliai Zokniai und Panevėžys Pajuostis, dem Truppenübungsplatz Gaižiūnai in Rukla sowie den Flughäfen Vilnius und Palanga gekauft haben.

Litauen warnt vor Spionage und Sabotage

Der Luftwaffenstützpunkt Šiauliai ist für Litauen von zentraler Bedeutung, weil er das Einsatzzentrum der Nato-Luftraumüberwachungsmission ist. Dort sind Kampfjets stationiert, die entlang der Ostflanke des Bündnisses patrouillieren. Zugleich ist er der wichtigste Stützpunkt der litauischen Luftstreitkräfte, der KOP. Panevėžys Pajuostis ist derzeit nicht in Betrieb, war im Kalten Krieg unter sowjetischer Herrschaft jedoch ein strategisch wichtiger Stützpunkt, auf dem schwere Transportflugzeuge stationiert waren.

Mindaugas Lingė, ein führender Abgeordneter der Mitte-rechts-Partei Vaterlandsunion, sagte: „Wir haben andernorts in Westeuropa bereits gesehen, dass Immobilien, die von Eigentümern mit Verbindungen nach Russland erworben wurden, für Provokationen und verdeckte Operationen genutzt wurden. Es wäre naiv anzunehmen, dass dasselbe nicht auch in Litauen versucht wird, einem Nato-Frontstaat, der sowohl an Russland als auch an Belarus grenzt.

Für die nationale Sicherheit ist nicht entscheidend, warum jemand eine Immobilie gekauft hat, sondern wofür sie genutzt werden könnte. Eine Immobilie neben einem Militärstützpunkt oder einem anderen strategisch wichtigen Standort kann als Beobachtungsposten, als Lager für Ausrüstung oder als Ausgangspunkt für Drohnen und Sabotage dienen.“ In Norwegen haben mehrere Ferienhütten in Målselv Fjellandsby, einem Wintersportort nahe dem nördlichen Militärstützpunkt Bardufoss, nach Angaben des norwegischen Senders TV2 seit 2010 russische Eigentümer.

Schwedens Nato-Beitritt verschärft Spannungen mit Moskau

Tobias Billström, Schwedens ehemaliger Außenminister und Direktor von Nordic Air Defence, sagte, Russland habe seine feindseligen Aktivitäten gegenüber Schweden seit dessen NATO-Beitritt verstärkt. Er erklärte: „Wir unterstützen die Ukraine nachdrücklich und sind der NATO beigetreten – zwei Dinge, die Moskau dazu veranlasst haben, offen zu erklären, dass wir ein Land sind, das russischen Interessen feindlich gegenübersteht.

Wir beobachten zunehmend die Absicht, Schweden und die baltischen Länder zu stören und russische Geheimdienstinteressen voranzutreiben. Das, worüber wir in Muskö sprechen – eine Immobilie, die erworben und als etwas anderes getarnt wird –, ist eine alte russische Strategie.“ Schwedische Behörden führen bereits einen Rechtsstreit um die Enteignung einer russisch-orthodoxen Kirche im mittelschwedischen Västerås, die gegenüber einem strategisch wichtigen Flughafen liegt.

Kirchenräume nahe kritischer Infrastruktur im Visier

Der Telegraph besuchte die Kirche Anfang dieses Jahres. Es war jedoch niemand für eine Stellungnahme zu dem Vorwurf der schwedischen Nachrichtendienste zu erreichen, sie werde zur Ausspähung des nahe gelegenen Flughafens genutzt. Wie der Telegraph Anfang dieses Jahres enthüllte, haben russische Amtsträger versucht, schwedische Kirchen durch Manipulation dazu zu bewegen, ihnen Büroräume in der Nähe kritischer Infrastruktur zu vermieten.

Kristina Smith, Leiterin der Krisenplanungsabteilung der Schwedischen Kirche, sagte damals: „Wir haben allgemein davor gewarnt, der russisch-orthodoxen Kirche kirchliche Einrichtungen zu vermieten oder zu überlassen, weil uns aufgefallen war, dass die Orte, die sie nutzen wollte, neben militärischen Anlagen lagen.“ Moskau hat sogar sogenannte Spionage-Nonnen eingesetzt, um kremlfreundliche Propaganda in Schweden und anderen Nato-Staaten zu verbreiten.

„Z-Nonnen“ werben für Putins Krieg

Im vergangenen Jahr durften belarussische Nonnen aus dem Kloster Sankt Elisabeth im Rahmen eines Programms zur Unterstützung von Christen, die in Diktaturen leben, kleine Schmuck- und Geschenkartikel an schwedische Kirchgänger verkaufen. Die Kirche in Täby, die die Nonnen beherbergte, wusste nicht, dass das Kloster die Invasion der Ukraine unterstützte und Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU unterhielt.

Die Nonnen sind von Putins Krieg so begeistert, dass sie den Spitznamen „Z-Nonnen“ erhalten haben, weil sie gerne mit dem „Z“-Symbol der russischen Invasion der Ukraine posieren. Nonnen aus Sankt Elisabeth wurden auch mit Schutzwesten in Teilen der besetzten Ostukraine fotografiert, wo sie daran arbeiten, die Moral russischer Soldaten zu stärken. Die schwedische Regierung hat unterdessen bereits Schritte zur Verabschiedung neuer Gesetze eingeleitet, um dem Staat „stärkere Befugnisse zum Eingreifen bei bestehendem Immobilieneigentum zu geben, wenn dieses ein Risiko für Schwedens Sicherheit darstellt“, sagte Jonson.

Neue Gesetze sollen riskante Immobilienkäufe verhindern

Gesetze, die Russen und Personen mit Verbindungen nach Russland den Erwerb weiterer Immobilien zu diesem Zweck erschweren oder verhindern sollen, sind bereits in Kraft. Jonson sagte: „Neue Rechtsvorschriften, die am 1. Juli in Kraft getreten sind, verschärfen die Sicherheitsüberprüfung bei der Übertragung von Immobilien, die mit sicherheitssensiblen Tätigkeiten in Verbindung stehen, und ermöglichen es den Behörden, ungeeignete Übertragungen zu verhindern.“

Er fügte hinzu: „Die Regierung arbeitet außerdem an Vorschlägen für eine verstärkte Kontrolle bestimmter Käufe schwedischer Immobilien durch ausländische Erwerber. Ziel ist es, dem Staat größere Möglichkeiten zu geben, ausländische Erwerbe zu prüfen und nötigenfalls zu verhindern, wenn diese wesentlichen Interessen der Gesamtverteidigung schaden könnten.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren