Suche nach Endlager für hochradioaktiven Müll: BGE grenzt Gebiete ein
Atommüllendlager-Suche: Bundesgesellschaft grenzt Gebiete weiter ein
Stand: 27.10.2026 10:21 Uhr
Schon lange sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) nach einem Standort für hochradioaktiven Atommüll. Heute werden neue Infos zu geeigneten Flächen veröffentlicht - viele dürften in Norddeutschland liegen.
von Dennis Pyzik
Die aktuelle Karte des BGE zeigt, dass vor allem in Norddeutschland viele Flächen grau - also in der Prüfung - sind. Türkis sind Gebiete, die bereits geprüft und geeignet sind. Gebiete die orange und gelb sind, sind eher nicht geeignet und werden daher nicht weiter betrachtet. Heute sollen in der Karte nun alle grauen Flächen farbig werden, so der Plan der BGE mit Hauptsitz im niedersächsischen Peine. Damit wird also klarer, welche Gebiete für ein mögliches Endlager geeignet scheinen und welche nicht. 25 Prozent der Flächen in Deutschland kamen bisher infrage.
Endlager-Entscheidung könnte Jahrzehnte dauern
Auf Grundlage geologischer Daten, die zum Beispiel durch Bergbau oder Erkundungsbohrungen für die Förderung von Öl oder Gas gewonnen wurden, hatte eine Expertenkommission die bisher noch nicht geprüften Gebiete untersucht. Die geprüften Gebiete zeichnen sich durch Tongestein, Steinsalz oder Kristallingestein als geologische Grundlage aus. In den norddeutschen Gebieten dominiert Tongestein. Bis Ende 2027 will die BGE die sogenannten Standortregionen identifizieren und dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) vorschlagen. Damit sind die Gebiete in Deutschland gemeint, die oberirdisch erkundet werden sollen. BASE prüft und bewertet den Vorschlag, bevor er in einem nächsten Schritt ans Bundesumweltministerium weitergeleitet wird. Hier wird ein Gesetzesvorschlag erarbeitet, der letztlich im Bundestag beschlossen werden muss. Bis zu einer endgültigen Endlager-Entscheidung wird es aber noch Jahrzehnte dauern. Aktuell wird von den 2050er Jahren ausgegangen. Nach circa 20 Jahren Bauzeit könnte ein fertiges Endlager dann in den 2070er Jahren stehen.
Gesucht wird Endlager für eine Million Jahre
Wenige Themen werden in Deutschland so kontrovers diskutiert wie die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Dazu gehören zum Beispiel die Brennstäbe aus Atomkraftwerken, die noch Jahrtausende eine tödliche Menge Strahlung abgeben. Daher wird ein Endlager für mindestens eine Million Jahre gesucht.
Atommüll aus 60 Jahren Kernkraft
Seit Jahrzehnten ringt Deutschland mit der Frage, wie der angefallene Atommüll aus knapp 60 Jahren Atomenergie gelagert werden soll. Insgesamt geht es um 27.000 Kubikmeter hochradioaktives Material, welches derzeit oberirdisch gelagert wird. Das entspricht zwar nur fünf Prozent des gesamten radioaktiven Materials, dies sorgt aber für 99 Prozent der verursachten Strahlung. Das gilt auch noch für die kommenden Jahrtausende. Dem gegenüber steht das schwach- und mittelradioaktive Material. Dazu zählen kontaminierte Schutzkleidung, Werkzeuge und rückgebauter Beton aus Atomkraftwerken.
Erstes Endlager im Ausland bereits genehmigt
Finnland ist in der Frage bereits deutlich weiter. Hier hat vor Kurzem das weltweit erste Endlager für hochradioaktiven Müll eine Genehmigung erhalten. Auf der Insel Olkiluoto im Westen Finnlands sollen künftig die Brennstoffe in 400 Metern Tiefe gelagert werden. Dabei werden unterirdisch Bohrlöcher gesetzt, in die die in einer Kupferhülle eingeschlossenen Brennstäbe versenkt werden. Anschließend werden die Löcher und die Gänge darüber mit Bentonit verschlossen. Wann genau die ersten Brennstäbe eingelagert werden, steht aber noch nicht fest.