DAX -0,24 % 26.140,13 Pkt 18:00:00 MDAX -0,40 % 32.431,12 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,39 % 6.502,56 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,26 % 53.946,95 Pkt 20:35:32 S&P 500 -0,26 % 7.716,30 Pkt 20:35:38 Nasdaq -0,84 % 26.361,76 Pkt 20:35:36 Nikkei -0,93 % 65.683,26 Pkt 08:45:03 Gold +1,43 % 4.306,50 USD 20:25:36 Silber -0,53 % 61,77 USD 20:25:36 Brent +3,81 % 82,48 USD 20:25:31 WTI +2,81 % 77,33 USD 20:25:37 Bitcoin -0,34 % 64.380,78 USD 20:35:35 EUR/USD -0,05 % 1,15260 USD 20:34:55 EUR/GBP -0,12 % 0,85630 GBP 20:35:31 EUR/CHF +0,31 % 0,93590 CHF 20:35:35 EUR/JPY +0,36 % 182,514 JPY 20:35:37

Suche nach zweitem Objekt an Flughafen Leipzig läuft weiter: Mitarbeiter holte Sprengstoff

Nation

Der Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle, der in der Nacht zum Mittwoch eine Drohne mit Sprengstoffvorrichtung auf einer Start- und Landebahn entdeckt hatte, hat großes Glück gehabt. Er holte das Fluggerät nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen mit einem Fußtritt aus der Luft und brachte es zu Boden. Nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen hatte er die Drohne auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ bemerkt. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung. Flugverkehr findet über die Südpiste statt Nach dem Fund der Sprengstoff-Drohne steht der Flugverkehr auf der nördlichen Landebahn weiter still. In direkter Nähe der „Nordpiste“ standen zwischenzeitlich etwa 20 Einsatzwagen der Polizei, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete. Die Fahrzeuge fuhren demnach anschließend zurück in einen Bereich am Rande des Flughafens, wo sie bereits am Morgen abgewartet hatten. Seit dem Morgen starten und landen die Flugzeuge den Beobachtungen zufolge auf der sogenannten Südpiste, die gestern noch gesperrt war. Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei. Bei der Maschine seien nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt worden, hieß es. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte, es werde noch nach Teilen einer möglichen zweiten Drohne gesucht. Die Suche nach diesem zweiten Objekt sollte nach Angaben des Landeskriminalamtes heute fortgesetzt werden. Die Generalstaatsanwaltschaft nannte zunächst keine Details zu den laufenden Maßnahmen. „Das Ermittlungsverfahren und die polizeilichen Maßnahmen werden mit höchster Priorität geführt und dauern an“, teilte ein Sprecher mit. Weitere Auskünfte, etwa zur gefundenen Drohne und dem Sprengstoff oder Erkenntnissen aus der Untersuchung der DHL-Maschine, die mit dem noch unbekannten Objekt kollidierte, würden derzeit nicht erteilt. Offen blieb auch, ob die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernimmt. Diese ist unter anderem bei Terrorismus und Spionage zuständig. Dobrindt sieht „neue Gefahrenqualität“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Mittwochabend in einer Pressekonferenz am Flughafen von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“ gesprochen. Er hält den Vorfall für einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Dabei schließt er auch „fremde Mächte“ als Drahtzieher nicht aus. Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff. Außerdem sei davon auszugehen, dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um militärischen Sprengstoff handele. „Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen“, so Dobrindt. Bombe entschärft – dann gesprengt Eines der ukrainischen Flugzeuge, neben dem in Leipzig die Sprengstoff-Drohne gefunden wurde, war einem Medienbericht zufolge mit militärischer Munition beladen. Diese sei offenbar kurz zuvor aus Frankreich nach Leipzig transportiert worden und für den Weitertransport vorgesehen gewesen, berichteten am Donnerstag NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung. Nach Angaben des LKA wurde der Zünder entfernt. Später wurde die Bombe kontrolliert gesprengt. Dobrindt hatte nach dem Vorfall seinen Sommerurlaub unterbrochen, um zu einer Lagebesprechung mit dem sächsischen Innenminister und den Spitzen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern am Flughafen Halle/Leipzig zu reisen. Es sei „nicht auszuschließen“, dass es auch in der Zukunft zu ähnlichen Anschlagsversuchen kommen werde, und das nicht nur an Flughäfen, sagte Dobrindt. Denkbar seien etwa größere Menschenansammlungen oder Industrieanlagen. Dies habe unter anderem das Ziel, eine „Verunsicherung in der Bevölkerung“ zu schaffen. Es gebe eine „hohe Bedrohungslage“ im Land. Alles Weitere, inklusive der Frage, wer hinter der Drohne in Leipzig steckte, müsse jetzt ermittelt werden, „in alle Richtungen“ – inklusive der Bereiche Extremismus und Terrorismus. Es deute aber vieles auf ein „nicht-amateurhaftes Vorgehen“ und „professionelle Technik“ hin. „Bild“ berichtet von Lockerbie-Sprengstoff im Paket Die Drohne war kurz vor Mitternacht von einem Busfahrer des Flughafens bemerkt worden – in der Nähe von vier ukrainischen Antonow-Transportmaschinen. Zuvor hatte „Bild“ über den Vorfall berichtet. Der Zeitung zufolge waren Sprengstoff und Zünder in einem Paket an der Drohne befestigt. Dass es nicht zur Explosion kam, lag demnach daran, dass der Zünder defekt war. Laut „Bild“-Informationen aus Sicherheitskreisen soll im Paket Semtex gewesen sein, ein Plastiksprengstoff, der auch beim Anschlag von Lockerbie 1988 zum Einsatz kam und den Geheimdienste und Terroristen nutzen. Zusammenstoß nahe des Flughafens Der Flugverkehr war wegen des Drohnen-Vorfalls zwischenzeitlich eingestellt worden. Eine Passagiermaschine sowie mehrere Frachtflieger wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Wegen der kurzfristigen Sperrung konnte jedoch ein DHL-Frachtflugzeug nicht dort landen und musste durchstarten, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin vor Journalisten sagte. Dann sei es „anscheinend mit etwas kollidiert“. „Bild“ zufolge ereignete sich der Zusammenstoß rund sechs Kilometer vom Flughafen entfernt in 400 Metern Höhe. Das Flugzeug konnte jedoch sicher in Hannover landen. Dort wurden leichte Beschädigungen im Frontbereich festgestellt. Unklar ist bislang noch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem zuerst gesichteten Flugobjekt und der Drohne mit Sprengvorrichtung gibt, die am Boden gefunden wurde. Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe stellte klar, dass Unbefugte nicht einfach auf das Rollfeld gelangen können. Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt, mutmaßlich auch eine Drohne, aus der Luft auf den Boden gelangt sei. Schuster spricht von „sehr ernstem Sicherheitsvorfall“ Die Ermittler fahnden nun nach dem Drohnenpiloten. Der sächsische Innenminister sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“. „Deshalb ermitteln Landes- und Bundessicherheitsbehörden seit heute Nacht unter Hochdruck Hand in Hand“, erklärte Schuster am Mittwoch in Dresden. Auch das gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei seien involviert. „Die Bedrohungslage in Deutschland hat eine neue Qualität erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne macht unmissverständlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist, erklärte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Infrastruktur müsse besser geschützt werden. „Dem müssen Bund und Länder auch finanziell viel stärker Rechnung tragen.“ Wichtiges Drehkreuz für DHL Der Chef des Logistikkonzerns DHL, Tobias Meyer, sprach von einem Zwischenfall. „Das hatte betriebliche Auswirkungen“, die „durchaus spürbar“ gewesen seien, sagte Meyer in einem Mediengespräch. Untersuchungen müssten nun zeigen, was genau an dem Flughafen vorgefallen sei. Leipzig/Halle ist ein wichtiges Drehkreuz für DHL und der zweitwichtigste Flughafen für Fracht in Deutschland. Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet. Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Ländern bei der Bundespolizei eingerichtet. Ukrainischer Botschafter hat einen Verdacht Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. „Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem Nachrichtensender Welt TV. Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. „Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an.“ (AFP/dpa/Reuters/Tsp)

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