Südlich von München werden die Bäume der Zukunft gepflanzt
Die massive Trockenheit im Sommer hat dem deutschen Wald zugesetzt. Auch für die bayerischen Staatsforsten war er eine Herausforderung. Angeschlagene Fichten fielen vielerorts dem Borkenkäfer zum Opfer, die Blätter von Linden und Buchen färbten sich bereits im Sommer braun. Aufgrund des Klimawandels könnten Jahre wie 2026 zur neuen Normalität werden – die der jetzige Wald aber nicht überleben kann.
Wanderung zeigt Wald der Zukunft
Doch wie sieht ein Wald aus, der das aushält und auch in Zukunft noch wirtschaftlich genutzt werden kann? Eine Wanderung durch den Forstenrieder Park im Rahmen der Munich Climate Week gab darauf konkrete Antworten.
Das Waldgebiet im Süden Münchens ist wie viele deutsche Wälder von Fichtenmonokulturen geprägt. Seit dem 19. Jahrhundert pflanzten Förster sie wegen ihres schnellen Wachstums und hohen wirtschaftlichen Ertragspotenzials an. Diese Monokulturen sind jedoch nicht zukunftsfähig. Deshalb gestalten die Forstbetriebe sie um.
Die Munich Climate Week
Eine Metropole und der Klimawandel: Die Munich Climate Week (MCW) bringt von Montag bis einschließlich Sonntag Akteure und Experten aus Forschung, Wirtschaft, Politik, Entwicklung und Zivilgesellschaft zusammen, damit aus Ideen für effektiven Klimaschutz konkrete Maßnahmen werden. Rund 300 Vorträge, Workshops und Veranstaltungen sollen München sieben Tage lang in eine offene Plattform für Klima-, Umwelt- und Sozialthemen verwandeln. FOCUS online Earth ist Medienpartner der Munich Climate Week. Mehr Informationen und den kompletten Terminkalender gibt es unter munichclimateweek.com.
Eichen als Zukunftshoffnung
Große Hoffnungen setzt man dabei auf eine altbekannte Art: „Wir müssen immer 100 Jahre vorausdenken und wissen, dass die Eiche dann vielleicht die konkurrenzkräftigste Baumart ist“, erklärt Emil Hudler, Leiter des Forstbetrieb München. „Jede Eiche, die wir jetzt in den Boden bringen, ist Gold wert. Leider kostet das aber unheimlich viel Geld.“ Pro Hektar 25.000 Euro. Dennoch ist Hudler überzeugt vom Sinn seiner Arbeit.
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Die Eiche ist eine Lichtbaumart. Unter dem Schatten älterer Bäume würde sie absterben, deshalb braucht sie freie Flächen. Auf den meisten heutigen Standorten würde sie sich gegen natürliche Konkurrenz noch nicht durchsetzen. Hudler zeigte den Teilnehmern der Wanderung eine eingezäunte Freifläche. Hier wurden junge Eichensetzlinge geschützt vor Wildverbiss angepflanzt. Die vorherige Fichtenmonokultur wurde gefällt, damit die Stieleichen genug Licht bekommen.
Fichtenanteil soll stark sinken
Insgesamt werden jährlich rund 120.000 Bäume gepflanzt, davon sind 70.000 Eichen. Ziel ist es, den Fichtenanteil in 50 Jahren von heute rund 50 Prozent auf etwa ein Drittel zu senken. Die Buche galt lange als Baum der Zukunft. Gerade in diesem Jahr zeigte sich jedoch ihre Anfälligkeit bei Trockenheit. Diese Baumarten sind jetzt neben Eichen wichtig:
Weißtannen an schattigen Standorten (15.000 pro Jahr)
Douglasien, die gut mit Trockenheit zurechtkommen (15.000 pro Jahr)
Edellaubhölzer wie Ahorn und Linde als Ergänzung
Finanzierungsmodell der Staatsforste unter Druck
Für neue Bäume gibt der Forstbetrieb München 500.000 Euro pro Jahr aus. Finanziert wird das komplett selbst – staatliche Zuschüsse für den laufenden Betrieb gibt es nicht. Geld verdient wird hauptsächlich mit dem Holzverkauf.
Doch diese wirtschaftliche Basis steht unter Druck: Ein Hektar Fichte liefert nach 100 Jahren rund 400 Festmeter Holz. Eichen brauchen hingegen mindestens 160 Jahre, bis sie hochpreisiges Furnierholz liefern können. Der klimaangepasste Waldumbau wird daher für geringere Einnahmen sorgen. Dennoch stehen die Staatsforsten auch dank anderer Einnahmequellen wie der Verpachtung von Flächen für erneuerbare Energien verhältnismäßig gut da.