Surfen am Main? Hier könnte Frankfurts Surfwelle entstehen
In München ist die Eisbachwelle längst eine über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Attraktion. Eine innerstädtische Möglichkeit für Surferinnen und Surfer, ihrem Sport nachzugehen. So bedeutend, dass über Monate hinweg um ihre Rettung gerungen wurde, als sie Ende letzten Jahres an Kraft verlor. In Frankfurt hingegen können Wassersportlerinnen und -sportler von so einer Welle nur träumen. Bislang jedenfalls.
Denn tatsächlich prüfen die Behörden von Stadt und Land, ob sich nicht auch am Main eine Surfwelle realisieren lässt. Einen geeigneten Standort hat man schon ausgemacht: die Mainschleuse im Stadtteil Griesheim.
Hohes Gefälle, gute Erreichbarkeit
Bereits 2025 wurde im Auftrag des Deutschen Kanu-Verbands eine Naturverträglichkeits- und Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die mehrere mögliche Standorte entlang des Mains untersucht hat. Neben der Staustufe in Griesheim zählten dazu vergleichbare Anlagen in Krotzenburg, Mühlheim, Offenbach und Kostheim.
Das Ergebnis: Aus Sicht der Gutachter bietet das nördliche Griesheimer Mainufer die besten Bedingungen für eine Surf- und Wildwasseranlage. Diese könnte auf einem Areal entstehen, das derzeit noch als Parkplatz genutzt wird. Vorteile des Griesheimer Standorts wären vor allem ein großes natürliches Gefälle von 4,50 Metern, eine gute Erreichbarkeit sowie kurze Leitungswege, wodurch die Baukosten verringert würden.
Möglichkeiten für den Breitensport
Anstoß für die Pläne hat die Initiative Rhein-Main-Welle gegeben, ein Zusammenschluss von 50 Vertreterinnen und Vertretern von Wassersportvereinen und Verbänden. Vor gut fünf Jahren wurde die Idee entwickelt. Seit 2023 arbeitet die Initiative mit dem Sportkreis und den zuständigen Frankfurter Dezernaten und Ämtern an der Umsetzung des Konzepts.
"Es gibt in jedem Dorf einen Fußballplatz", sagt Jonas Künkel, Sprecher der Initiative. Für Wassersportler, insbesondere Kanuten oder eben Surfer, fehlten im Rhein-Main-Gebiet die Übungsmöglichkeiten. "Dabei sind wir die erfolgreichste deutsche Disziplin bei olympischen Sommerspielen", so Künkel, "wir brauchen Trainingsstätten vor Ort."
Tatsächlich schwebt der Initiative allerdings kein exklusives Projekt für Hochleistungssportler vor. Vielmehr ginge es darum, vor allem den Breiten- und Jugendsport zu fördern. "Und da wäre Griesheim allein schon aufgrund der Erreichbarkeit ideal", glaubt Künkel. Zudem lege die Initiative großen Wert auf hohe Sicherheitsstandards. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden unter anderem Rettungswege sowie Not-Ausschaltvorrichtungen eingeplant. Darüber hinaus ist das Tragen von Schwimmwesten und Helmen verpflichtend.
Sportamt unterstützt das Projekt
Was vor gut fünf Jahren als ehrgeizige Idee begonnen hat, ist inzwischen zu einem ernsthaften Projekt herangewachsen. Bereits Anfang 2025 hat sich eine Frankfurter Behördenrunde mit dem Thema befasst und ähnliche Anlagen unter anderem in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), in Augenschein genommen.
Und das Ergebnis ist positiv: "Bei einer weiterhin positiven Bewertung des Standorts Griesheim steht die Stadtverwaltung der Initiative "Rhein-Main-Welle" gern für die zukünftige Begleitung des Prozesses unterstützend zur Seite, zumal das Sportamt aus sportfachlicher Sicht den Bau einer solchen Strecke in Frankfurt am Main begrüßt", heißt es in einem Magistratsbericht von Anfang Juni dieses Jahres.
Projekt steht noch ganz am Anfang
"Wir sind bislang sehr zufrieden mit dem Prozess", sagt Rhein-Main-Welle-Sprecher Künkel. Als er und seine Mitstreiterinnen das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen haben, hätten sie sich zum Ziel gesetzt, in zehn Jahren eine Welle zu haben. Ob der Zeitplan realistisch ist, lässt sich schwer abschätzen.
Tatsache ist jedoch, dass die Surfwelle am Main vorerst noch Zukunftsmusik ist. Denn bevor überhaupt mit einer Bauplanung begonnen werden kann, müsste die Initiative erst noch eine vertiefte Prüfung des Standorts durchführen, inklusive umfangreicher Untersuchungen zu Fragen von Umweltverträglichkeit und Naturschutz. Zudem müsste ein Betreiberkonzept entwickelt werden.
Auch in Gießen wird an einer Surfwelle gearbeitet
Etwas länger als in Frankfurt wird bereits in Gießen über eine mögliche Surfwelle diskutiert. Dort setzt sich seit 2020 der aus einer Initiative hervorgegangene Verein Lahnwelle für ein ähnliches Projekt ein. Im März 2026 wurde der erste Teil einer Machbarkeitsstudie zur technischen Umsetzbarkeit erfolgreich abgeschlossen.
Im Gespräch sind zwei alternative Standorte: im Bereich der Stadtwerke Gießen sowie in einem Seitenkanal der Lahn. Der zweite Teil der Machbarkeitsstudie inklusive Kostenschätzung lässt aber noch auf sich warten.
Und auch in Frankfurt ist klar: Bis am Griesheimer Ufer gesurft werden kann, wir wohl noch einiges an Wasser den Main herunterfließen.