SV Elversberg: „Es ist mal ein neues Reiseziel“ - Leverkusen-Fan staunt über Elversberg
Am Samstag wird es ernst: Die SV Elversberg startet gegen Bayer 04 Leverkusen in ihre erste Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs. Die SVE ist damit der 59. Bundesligist und, gemessen an der Einwohnerzahl, zugleich der kleinste Bundesliga-Standort der Geschichte. Noch vor vier Jahren spielte die Mannschaft in der Regionalliga Südwest. Nun kommen die Bayern, Gladbach und Dortmund an die Kaiserlinde. Die SZ hat sich umgehört, was der Aufstieg für den Ort bedeutet und was die Menschen vom Bundesliga-Abenteuer erwarten.
Klaus Weber, 84, ist in Elversberg geboren, spielte selbst für die SVE und war später im Umfeld des Vereins tätig. Für ihn sei der Aufstieg vor allem ein Grund zur Freude. „Die Kneipen sind voll. Der Bäcker, der Metzger – es ist richtig positiv“, sagt er. Rund ums Stadion gebe es zwar Anwohner, die sich über Verkehr, zugeparkte Straßen und Lärm ärgerten. Für Weber überwiege dennoch das Positive. Auch sportlich sei er zuversichtlich: Die Mannschaft sei „echt so gut“, der Abstieg für ihn „kein Thema“. Besonders freue er sich auf Bayern München: „Die hauen die Bayern auch weg.“ Vom Bundesliga-Abenteuer solle vor allem eine lebendige Atmosphäre im Ort bleiben: „Mensch, da ist was los.“ Auch die Gastronomie könne profitieren, die Wirte bräuchten zusätzliche Bedienungen.
Für einen 56-jährigen Anwohner aus Elversberg, der seit vier Jahren nicht mehr ins Stadion geht, sei der Aufstieg „schon extrem“. Besonders beeindrucke ihn, was aus dem kleinen Standort geworden ist: „Was die auf die Beine gestellt haben und was da jetzt mittlerweile an Bewegung ist, ist schon faszinierend.“ Auch mit Blick auf die sportliche Zukunft bleibt er zuversichtlich. Der 1. FC Heidenheim zeige, dass auch ein kleiner Verein länger in der Bundesliga bestehen könne. Die Entwicklung der SVE stimme ihn ebenfalls optimistisch: Nach dem Abschied von Trainer Horst Steffen hätten viele einen „Umbruch“ oder eine „Katastrophe“ erwartet – stattdessen spiele Elversberg nun Bundesliga. Für die Zukunft setzt er auf die Vereinsführung und vor allem auf die Jugend. Besonders freue er sich auf Schalke.
Deutlich kritischer sieht Ruth Anselm, 62, aus Bildstock, den Aufstieg. Sie arbeitet im Heimtierzentrum HTZ in Elversberg und kennt daher vor allem die Verkehrsprobleme, die bei Heimspielen a der Tagesordnung sind. „Ich finde es eine Katastrophe, dass die SV Elversberg nun in der ersten Liga spielt“, sagt sie. Für Kundschaft und Mitarbeiter fehlten Parkplätze, freitags und samstags sei die Situation besonders schwierig. Auch für Notfälle sieht Anselm Probleme: Wenn schnell die benachbarte Tierklinik erreicht werden müsse, könne der Verkehr zum Hindernis werden. Ihre Haltung sei deshalb eindeutig: „Von mir aus können sie zurück in die zweite Liga gehen.“ Für Anselm sei die Bundesliga „für den Ort einfach zu groß“. Ihr Vorschlag: „Sollen sie damit doch lieber nach Saarbrücken ins Stadion.“
Petra Boussaid, 61, aus Schiffweiler, arbeitet bei Curry Schörry und blicke positiv auf die erste Bundesliga-Saison. „Es wird eine große Herausforderung. Wir müssen gucken, wie das wird“, sagt sie. Die Stimmung im Ort sei gut, sie hoffe auf den Klassenerhalt. Besonders freue sie sich auf Bayern München: „Wenn sie so spielen wie in der WM, dann kann Elversberg gut Tore schießen.“ Auch der neue Trainer habe für zusätzliche Motivation gesorgt: „Jetzt zeigen wir erst recht, was wir können.“ Bei den Spieltagen wünscht sie sich allerdings bessere Bedingungen für Ort und Gastronomie. Gerade für Spiele wie gegen Bayern brauche es mehr Parkmöglichkeiten und Shuttlebusse. „In Elversberg zu parken, ist so gut wie unmöglich, da alles immer abgesperrt ist“, sagt sie. Es solle „nicht nur Vorschriften“ geben, sondern „angenehmer werden“.
Für Annette Romann, 58, aus Elversberg, bedeute der Aufstieg persönlich zwar wenig, über die Bundesliga-Premiere freue sie sich aber „unheimlich“. Eine grundlegende Veränderung im Ort habe sie bislang nicht festgestellt. Für sie gehe es zunächst ums Dabeisein. Besonders gespannt sei sie auf das Spiel gegen Bayern München, auch wegen ihrer Verwandtschaft dort. Vom Bundesliga-Abenteuer solle vor allem eine gute Stimmung bleiben. Sie hofft, dass der Aufstieg den Ort „noch mehr nach vorn“ bringe und es vielleicht „noch mehr Geschäfte gibt“.
Olaf Schmidt, 55, aus Leverkusen, ist als Besucher nach Elversberg gekommen. Für ihn ist der Ort durch den Aufstieg zu einem neuen Ziel für Fußballfans geworden. „Es ist mal ein neues Reiseziel, ganz großer Respekt“, sagt er. Der Sprung eines kleinen Klubs zeige, dass auch solche Vereine „Fußball spielen können und auch was erreichen können“. Wie groß das Interesse inzwischen sei, habe er im Fanshop erlebt: Dort habe er „eine unheimliche Nachfrage“ nach Trikots und anderen Artikeln festgestellt. Auch sportlich traut Schmidt der SVE einiges zu. Der 55-Jährige blickt dem Duell entgegen – vor allem wegen des historischen Moments: „Als Leverkusen-Fan freue ich mich natürlich auf das Spiel gegen Leverkusen, aber vor allem auch, weil's das allerallererste Spiel vom Aufsteiger ist.“ Er sei gespannt auf „die ersten Sekunden und Minuten von Elversberg in der ersten Liga“. Die SVE solle erstklassig bleiben und „mindestens noch eine Saison dranhängen“. Zugleich gibt Schmidt zu bedenken, dass für Aufsteiger oft das zweite Jahr schwieriger sei als das erste.
Mit dem Aufstieg rückt Elversberg für Fußballfans weit über das Saarland hinaus in den Blick. Für die Menschen vor Ort beginnt damit zugleich eine Saison, deren Auswirkungen nicht nur auf dem Rasen zu spüren sein dürften. Was davon im Alltag des kleinen Ortes bleibt, wird sich erst zeigen. (pra)