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SV Elversberg gewinnt mit 4:3 gegen Borussia Mönchengladbach

Sport

Mit ausgebreiteten Armen rennt Maurice Krattenmacher in der zweiten Minute der Nachspielzeit in Richtung Fankurve der SV Elversberg. An der Barriere angekommen, gehen beide Fäuste in die Höhe, und der 21-Jährige schreit ein lautes „Jaaaa“ in Richtung der jubelnden Fans. Sekunden später wird Krattenmacher von den übrigen SVE-Spielern auf dem Platz eingeholt und fast erdrückt, auch alle Spieler von der Bank und das Trainerteam jubelt mit. Der Elversberg-Wahnsinn in der Bundesliga geht weiter – die SVE gewinnt dank Krattenmachers Tor in der Nachspielzeit mit 4:3 bei Borussia Mönchengladbach.

„Ein unglaubliches Gefühl. Aber morgen geht es ja schon wieder weiter mit dem nächsten Training“, sagte Krattenmacher. Er wurde in der 65. Minute für Cole Campbell eingewechselt und erzielte nur 71 Sekunden später mit seinem ersten Bundesligator den 2:3-Anschlusstreffer. Krattenmacher schoss in 29 Minuten fünf Mal aufs Tor, erzielte zwei Tore und holte den Freistoß von Felix Keidel heraus, den Keidel in der 80. Minute zum 3:3 verwandelte.

„Das ist einfach brutal. Wir liegen 1:3 hinten und kommen wieder zurück. Das zeigt einfach, was für eine Mentalität in dieser Mannschaft steckt“, sagte Kapitän Lukas Pinckert. Sein Partner in der Innenverteidigung, Maximilian Rohr, sagte: „Wenn du hier in Gladbach so ein Ding noch drehst, ist das schon außergewöhnlich.“

Die Borussia hatte in einem wilden Spiel bis zur 3:1-Führung stark gespielt. Nach einem Eckball in der 11. Minute köpfte Hugo Bolin das 1:0 für die Borussia. In der 29. Minute setzte sich Stürmer David Mokwa an der Mittellinie gegen Ko Itakura durch, lief aus 40 Metern alleine auf das Tor zu und traf zum 1:1. Mokwa hatte bereits beim 3:2-Auftaktsieg gegen Bayer Leverkusen getroffen.

Eine Minute vor der Pause wurde es noch wilder. Gladbachs Stürmer Tim Kleindienst spitzelte bei einem Zweikampf mit Keidel den Ball ins Seitenaus, trotzdem gab Schiedsrichter Martin Petersen Einwurf für Gladbach. Kleindienst führte schnell aus, fünf Sekunden später erzielte erneut Bolin das 2:1. Die Einwurf-Entscheidung führte dazu, dass SVE-Trainer Vincent Wagner erst Gelb und dann Gelb-Rot sah (siehe Text unten).

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Gladbachs Joe Scally nach einem Fehler von Cole Campbell auf 3:1 (56.). Es roch nach der Vorentscheidung, aber es folgte etwas anderes. „Wir haben alles im Griff, aber was dann passiert, keine Ahnung. Wir haben nur noch sinnlose Ballverluste“, sagte Borussia-Kapitän Tim Kleindienst und ging mit seinen jungen Teamkollegen wie dem erst 18 Jahre alten Mathieu Nguefack hart ins Gericht: Alle sollten „schleunigst mal den Fokus so hochfahren, dass der auch 90 Minuten hält. Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich.“

Auch SVE-Mittelfeldspieler Felix Keidel hatte Fehler gemacht. Doch trotz einiger unnötiger Ballverluste übernahm Keidel beim Rückstand Verantwortung und knallte einen Freistoß zum 3:3 aus 20 Metern in den Winkel. Trainer Wagner, mittlerweile auf der Tribüne, rastete jubelnd aus. „Ich wusste, dass er den macht“, sagte Wagner später, „ich habe mit Christian Weber (SVE-Sportdirektor, Anm.d.Red.) eine Wette laufen, dass er drei direkte Freistöße in dieser Saison macht.“ Keidel selbst sagte: „Den musste ich machen. Ich war davor nicht so zufrieden mit meinem Spiel, deswegen musste ich das da wieder geradebügeln.“ Danach war Krattenmacher mit seiner Spielentscheidung an der Reihe und brachte 2.200 SVE-Fans unter den 51.042 Zuschauern zum Ausflippen.

„Wir haben glücklich, aber nicht unverdient gewonnen. Ich bremse keine Euphorie, aber man sieht offensichtlich, wenn wir nicht richtig da sind, klingelt es direkt“, sagte Wagner nach einem Spiel, das auch Weltmeister und FC-Bayern-Legende Bastian Schweinsteiger begeisterte. „Die sind ja so was von gefestigt. Auf ihre fußballerische Art und Weise verzaubern sie die Bundesliga. Macht bitte so weiter“, sagte Schweinsteiger. Als „Glücksfee“ bei der Auslosung der zweiten Runde des DFB-Pokals bescherte Schweinsteiger der SVE übrigens ein Heimspiel Mitte Oktober gegen Zweitligist Darmstadt 98.

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