SV Elversberg stolz nach 1:2 gegen FC Bayern München: Wer das Kane-Trikot bekam
Die Fans der SV Elversberg sangen, hüpften und feierten auf den Rängen. Und auch die Spieler waren, nachdem sie die erste Enttäuschung gelegt hatte, zufrieden. Irgendwie fühlte sich das Szenario am Sonntagabend an der Kaiserlinde nicht wie eine 1:2-Niederlage gegen den Fußball-Rekordmeister FC Bayern München an.
„Glückwünsche zur Niederlage – darf man die annehmen? Es war ein sehr spezielles Spiel. Und was die Bayern können, wissen wir ja alle“, sagte SVE-Rechtsverteidiger Jan Gyamerah. „Ich bin jetzt zwölf Jahre lang Trainer, und so froh war ich noch nie, nachdem ich verloren habe“, sagte Trainer Vincent Wagner.
Die SV Elversberg kann also sogar bei Niederlagen begeistern. Bayerns Trainer Vincent Kompany sagte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit nicht zu 100 Prozent konzentriert gewesen sei und dass es gegen Elversberg nicht reiche, wenn ein paar Prozentpunkte fehlen. Wagner bekam bei dem Statement seines Kollegen das Grinsen fast nicht mehr aus dem Gesicht. „Dass es eng werden würde, wenn Elversberg gegen Bayern spielt, hatte vor Kurzem auch noch keiner so richtig auf dem Schirm“, sagte er grinsend.
Nach dem Spiel begann für die SVE-Spieler die eigentliche Herausforderung: Wer bekommt welches Trikot der Bayern-Spieler? Die Innenverteidiger Maximilian Rohr und Lukas Pinckert hatten dabei das größte Problem. Beide spielten gegen Harry Kane, der mal wieder ein Fußballspiel entschied. Ansatzlos und mit nur wenigen Zentimetern Platz erzielte Kane in der 72. Minute den 2:1-Siegtreffer für die Bayern. „Ich habe mich vor dem Spiel noch mit unserem Torhüter darüber unterhalten, was Harry in solchen Situationen macht. Wir wussten es genau, aber es ist nicht zu verteidigen“, sagte Rohr.
Als er am Sonntagabend die Container-Kabinen verließ, hatte er das Kane-Trikot in der Tasche. „Das ist das Trikot, in dem er das Tor geschossen hat“, sagte Rohr. Pinckert musste sich hingegen mit einem Kane-Trikot „von der Stange“ begnügen. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft überreichte dem Elversberger Kapitän ein frisches Trikot. „Ein unglaublicher Spieler, mehr kann man dazu nicht sagen“, sagte Pinckert voller Bewunderung.
Jung-Nationalspieler Lennart Karl hatte in der 26. Minute zum 1:0 getroffen, hielt vor den Elversberger Fans den Finger vor den Mund und bekam danach bei jedem Ballkontakt nur noch Pfiffe. Nach Maurice Krattenmachers Traumtor zum 1:1 in der 61. Minute („Ich hätte lieber gewonnen, als den Ball in den Winkel zu schießen“) ging das Spiel erst richtig los. Kompany wechselte Joshua Kimmich, Alphonso Davies, Luis Díaz und Jamal Musiala ein.
„Ich kenne Kimmich gar nicht, habe aber trotzdem sein Trikot bekommen“, sagte SVE-Stürmer Noel Futkeu. Pinckert erlebte die Einwechslung der Superstars so: „Das ist sowieso schon eine Übermannschaft. Gefühlt bist du schon stehend k.o., und dann kommen da vier solche Raketen rein.“ Nach der Raketen-Einwechslung wurde es Einbahnstraßen-Fußball, die Bayern hätten locker höher gewinnen können. Die SVE hatte in der Schlussphase zwar noch eine Chance von Futkeu auf den Ausgleich, aber auch Glück im eigenen Strafraum.
Bei allem Jubel, Trubel und aller Heiterkeit war SVE-Trainer Wagner irgendwann auch wieder im „normalen“ Modus. „Ich hätte mir noch mehr Mut gewünscht, und auf ein paar Positionen waren wir nicht richtig da“, sagte Wagner. Trotzdem hätte es gegen die Bayern fast gereicht. „Nah dran ist die Schwester von Scheiße, habe ich mal gehört“, sagte der 40-Jährige in seiner typischen Art. So blieb am Ende nur die Erkenntnis, dass man gegen die Bayern an der Sensation geschnuppert hatte – und dass sechs Punkte nach drei Spieltagen in der Bundesliga gar nicht so schlecht sind.
Am Montag wurde der 19-Jährige vom Deutschen Fußball-Bund mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold für herausragende Leistungen geehrt. Onyeka hatte die U19-Nationalmannschaft im Sommer als Kapitän zur Vize-Europameisterschaft geführt. Ein schöner Start für ihn und auch die SVE in die Woche nach dem Bayern-Wahnsinn.