Sylvester Stallone: Bulimie und Steroide - Stallone spricht über "zwanghafte Körperverehrung"
Für »Rocky« – in den Filmen spielte Stallone den Boxer Rocky Balboa – habe er wie ein »gelassener, ganz normal aussehender Typ« wirken wollen. In »Rambo« habe er einen Krieger gespielt und dafür »ein bisschen animalischer« aussehen wollen. »Also fing ich an zu überlegen: Gestalte deinen Körper wie einen Jaguar, wie eine Katze. Nicht groß wie Arnold (Schwarzenegger – Anm. d. Red.), sondern eher wild und aggressiv und sehr geschmeidig und athletisch. Dann wurde es zu einer Obsession. Eine wirklich schlimme. Es ging so weit, dass ich bulimisch wurde.«
Als er Anfang der Achtzigerjahre den dritten Teil der »Rocky«-Reihe drehte, sei sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent gesunken. Er habe nichts bei sich behalten können, sagte Stallone. »Oder ich wollte es nicht bei mir behalten, weil ich so besessen davon war, auf diesem Fitnesslevel zu bleiben – buchstäblich eine Art zwanghafte Körperverehrung.« Niemand könne das ohne Hilfsmittel und Drogen schaffen. »Es ist ja nicht so, als wäre man ein Junkie, aber wenn man trainiert und versucht, sechs Monate lang durchgehend in Form zu bleiben, und dabei nur Joghurt und Pudding isst, dann klappt das einfach nicht.«
Die Beziehung zu seinem Körper habe sich erst mit dem Film »Cop Land« (1997) geändert. Dabei habe er den »schwächsten Typen im Raum« spielen müssen, »teilweise taub, übergewichtig«, sagte Stallone. Er habe sich »befreit« gefühlt.
Im Laufe seines Lebens habe er neun Rückenoperationen, zwei Schulteroperationen und drei Halswirbelfusionen über sich ergehen lassen müssen, sagte Stallone weiter. Er habe seinen Körper »missbraucht«.
Heute, im Alter von 80 Jahren, sei er noch einigermaßen fit. Aber er nehme etliche Tabletten, um durchzuhalten. »Wenn ich es noch einmal machen könnte, würde ich sagen: ›Lass jemand anderen die Fahne tragen und mach deine Stunts nicht selbst.‹ Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat, mir ständig wehzutun.«
Einen Hinweis darauf gibt Stallone in dem Interview aber doch. Er spricht ausführlich über die Gewalt, die er durch seinen Vater erlebt habe. Alles gehe zurück auf seinen Vater, sagte Stallone. Er habe sich in jungen Jahren immer wieder gesagt, dass niemand ihn brechen werde. »Aber man wird doch ein bisschen gebrochen – körperlich, nicht geistig.«
Echte, wahre Liebe habe er erst im Alter von 70 Jahren verstanden, sagte Stallone. »Und das ist eine Schande. Ich war so sehr darauf fixiert, nicht noch ein Penner aus der Nachbarschaft zu sein. Ich war sehr, sehr ehrgeizig, wie ein Pitbull. Das hat mich angetrieben. Das ist nicht gesund.«