Sylvie Meis: "Angst verging nicht, nur weil mir wieder Haare wuchsen"
"Love Island VIP" geht mit einer Neuerung in die dritte Staffel: Erstmals treffen auf der Insel der Liebe bekannte Reality-Stars auf bislang unbekannte Singles. Moderatorin Sylvie Meis begleitet die Teilnehmenden auf ihrer Suche nach der großen Liebe. Wir haben mit ihr gesprochen.
Ein Interview
von Lisa-Marie Yilmaz
Auch in diesem Jahr ist Sylvie Meis dabei, wenn abenteuerlustige VIPs in einer Villa auf "Love Island" die wahre Liebe finden wollen (ab dem 23. September immer mittwochs um 20:15 Uhr bei RTLZWEI und sieben Tage vorab auf RTL+).
Im Interview spricht die Moderatorin über mögliche Absprachen unter den Teilnehmenden vor der Show und eine "Love Island VIP"-Premiere, denn erstmals treffen bislang unbekannte Gesichter auf prominente Singles.
Außerdem blickt Meis auf ihre Brustkrebsdiagnose im Jahr 2009 zurück und erklärt, warum für die Betroffenen nach überstandener Erkrankung "nicht automatisch alles wieder gut" ist.
Frau Meis, welche der Kandidatinnen und Kandidaten des diesjährigen "Love Island VIP"-Casts haben Sie besonders begeistert?
Sylvie Meis: Mit seiner Art hat mich auf jeden Fall Rafael (Neugart; Anm. d. Red.) begeistert. Er ist sehr authentisch und pur in das Format hineingegangen. Als YouTuber ist er zwar vielen Menschen bekannt, aber längst nicht so intensiv in der Reality-Welt unterwegs wie etwa Tim Kühnel. Rafael hat an dem Format teilgenommen, um wirklich die wahre Liebe zu finden, was ich persönlich wunderschön finde. Ich fand auch Nelson (Henry) super sympathisch und witzig; dieser Typ hat wirklich wahnsinnig viel Humor.
Grundsätzlich muss ich sagen, dass der gesamte diesjährige Cast sehr humorvoll und unterhaltsam ist. Das gilt auch für die Girls wie Henna (Urrehmann), Marla (Slengard) oder Hanna (Weig). Auch Greta (Barthel) hat mich mit ihrem Wesen begeistert. Sie kann sehr tough rüberkommen, ist aber eine wahnsinnig liebe und intelligente junge Frau.
Wie blicken Sie auf die Dreharbeiten der diesjährigen Staffel?
Es hat wieder einmal riesigen Spaß gemacht. "Love Island VIP" ist und bleibt mein Lieblings-Format. Diese Show moderieren zu dürfen, ist einfach etwas ganz Besonderes.
Wie stehen Sie dazu, wenn Kandidatinnen und Kandidaten sich vor den Dreharbeiten zu einer Show absprechen?
Über mögliche Absprachen vor Dreharbeiten wird immer wieder spekuliert. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Reality-Stars sich untereinander aus vorherigen Formaten kennen. Insofern wäre es naiv zu denken, im Vorfeld finde kein Austausch statt. Demnach ist es auch kein Zufall, dass bei "Love Island VIP" Granaten in die Show kommen, die durchaus eine Vergangenheit mit dem einen oder anderen Cast-Mitglied haben. Diese Verbindungen gehören dazu – und machen die Formate natürlich auch spannend.
Ebenso spannend ist die Tatsache, dass auch bislang unbekannte Persönlichkeiten Teil des Casts sind.
So ist es, und diese Neuerung freut mich sehr. Damit haben wir einen mehrfach geäußerten Wunsch unserer Fans berücksichtigt, Menschen eine Chance bei "Love Island VIP" zu geben, die bislang noch nicht im Reality-Rampenlicht standen. Meiner Meinung nach erhält das Format dadurch eine ganz besondere Dynamik.
Ich denke, dass es einerseits helfen kann, wenn der Partner oder die Partnerin in einer ähnlichen Branche tätig ist. In der Folge hat man Verständnis für das Leben, das die andere Person führt. Andererseits kann eben diese Gemeinsamkeit auch Probleme hervorrufen. Insofern sorgt die Neuerung bezüglich des Casts meiner Meinung nach für eine besondere Energie, die man – ohne spoilern zu wollen – im Laufe der Staffel definitiv noch erkennen wird.
Das macht "Love Island" zum "Königsformat" der Dating-Shows
Während es in anderen Dating-Formaten häufig "spicy" zugeht, steht "Love Island" für die Suche nach der großen Liebe. Warum braucht es Ihrer Meinung nach eine solche Show?
"Love Island" ist das wahre Original der Dating-Shows. In dem Format geht es um Liebe, Humor und ein glamouröses Setting. Gleichzeitig ist es eine Show, die ein breites Publikum unterhält, was ich persönlich wunderbar finde. Auch bei "Love Island" gibt es spicy Momente, keine Frage – wir sind aber genauso classy. Diese Kombination mag ich sehr, denn die Menschen mögen es, sich von dieser besonderen Show unterhalten zu lassen.
Ich habe nichts gegen Dating-Formate wie "Ex on the Beach", "Are You the One" oder "Temptation Island", im Gegenteil. Sie alle sind Teil unserer Reality-TV-Welt. Trotzdem ist und bleibt "Love Island" das Königsformat.
Sie haben 2009 Ihre Brustkrebsdiagnose erhalten. Der Brustkrebsmonat Oktober verfolgt das Ziel, das öffentliche Bewusstsein für Brustkrebs zu stärken. Inwiefern sollte Ihrer Meinung nach auch Bewusstsein für das Leben nach der Erkrankung geschaffen werden? Immerhin hadern viele Betroffene mit dem Danach …
Mit dieser Frage sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt an. Nur weil die Erkrankung überstanden ist und nach der Chemotherapie die Haare langsam wieder wachsen, ist nicht automatisch alles wieder gut. Diese Erfahrung habe auch ich nach meiner Brustkrebserkrankung machen müssen. Ich hatte mit der Diagnose das Vertrauen in meinen Körper verloren und musste dieses erst einmal wieder neu aufbauen. Die Angst, die der Krebs in mein Leben gebracht hat, verging nicht, nur weil mir wieder Haare wuchsen.
Vor allem die Zeit nach der Chemotherapie habe ich als sehr herausfordernd empfunden. Während man eine Chemotherapie erhält, fühlt man sich in gewisser Weise beschützt und in einem aktiven Kampf gegen den Krebs. Erhält man keine Chemotherapie mehr, muss der Körper aus eigener Kraft gesund bleiben. Eben dieser psychische Druck der Betroffenen wird häufig von Außenstehenden unterschätzt. Das ist natürlich absolut nachvollziehbar, immerhin haben sie nicht das erlebt, was wir Betroffenen erleben mussten.
Wie sind Sie persönlich mit dieser Herausforderung umgegangen?
Ich habe schon während meiner Chemotherapie begonnen, mit meiner Life Coach zu arbeiten. Mir war es wichtig, über alles zu sprechen, was mich beschäftigt. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, eine Therapie zu machen – grundsätzlich plädiere ich dafür, dass Menschen ein solch traumatisierendes Erlebnis verarbeiten, am besten mit professioneller Hilfe.
Meiner Meinung nach ist es nicht immer hilfreich, alle Themen im privaten oder familiären Kreis aufzuarbeiten. Denn auch die Angehörigen müssen die Chance erhalten, in ihrem Leben weitermachen zu können. Man darf nicht vergessen, dass sie in großer Angst und Sorge um die betroffene Person sind.
Was hat es damals mit Ihnen gemacht, Ihre Haare aufgrund der Chemotherapie zu verlieren?
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Die eigenen Haare zu verlieren, ist ein Gefühl, das man niemandem erklären kann, der dieses Trauma nicht erlebt hat. Krebs ist eine lebensbedrohliche Krankheit und die Chemotherapie eine Therapieform, die die Betroffenen sehr schwächt und krank macht. Indem sie in den Spiegel blicken, sehen sie der Krankheit wortwörtlich ins Gesicht. Diese Konfrontation macht viel mit ihnen – auch mit mir damals.
Ich habe während dieser Zeit versucht, einen persönlichen Weg für mich zu finden, mit der Krankheit umzugehen. Mir war es wichtig, weiterzuarbeiten und – mithilfe meiner Perücken – glamouröse Momente erleben zu dürfen. Diese Momente waren wichtig, damit ich meine eigene Identität nicht verliere.