Symptome bei hohem Cholesterin: Arzt warnt - „Bleibt oft lange unentdeckt“
KI-Stimme. Info Zu den gefährlichsten Folgen einer Hypercholesterinämie gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Fettablagerungen in den Gefäßen können zerplatzen und Blutgerinnsel verursachen. Symptome wie Müdigkeit und Luftnot können durch zu hohes Cholesterin auftreten – allerdings erst im späten Verlauf. Jedes Jahr führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Liste der weltweiten Todesursachen an. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen tragen Herzinfarkte und Schlaganfälle wesentlich dazu bei. Das kann verschiedene Ursachen haben – eine davon ist hohes Cholesterin. Doch viele wissen nicht, dass sie an der Fettstoffwechselstörung leiden. Dem Nephrologen Volker Schettler zufolge bleibt ein hoher Cholesterinspiegel oft lange unerkannt. Dabei haben nicht nur Erwachsene häufig erhöhte Werte, auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Wie lässt sich die Störung schon früh feststellen? Und an welchen Symptomen erkennen Betroffene, dass ihr Cholesterin zu hoch ist? Lesen Sie auch Cholesterinüberschuss im Körper lässt auf Dauer die Gefäße verkalken Zusammen mit Triglyceriden gehört Cholesterin zur Hauptgruppe der Blutfette. Es übernimmt wichtige Aufgaben im Körper: So ist Cholesterin an der Bildung von Hormonen wie Östrogen und Testosteron beteiligt und der Ausgangsstoff für Gallensäure, die die Fettverdauung ermöglicht. Als Bestandteil der Zellwände erhält das Blutfett auch die Funktion der Zellen aufrecht. Lesen Sie auch: Cholesterin und Lipoprotein: Diese 20 Euro beim Arzt können Ihr Leben retten Unser Körper kann seinen Bedarf an Cholesterin zum Großteil selbst decken. Die Leber produziert das Blutfett und reguliert den Cholesterinhaushalt. Genetische Faktoren und ein ungünstiger Lebensstil, wie eine ungesunde Ernährung oder starker Alkoholkonsum, können den Cholesterinspiegel jedoch übermäßig ansteigen lassen und zu einer sogenannten Hypercholesterinämie führen. Welche Lebensmittel Menschen mit hohen Cholesterinwerten meiden sollten, erklärt ein Kardiologe. Zum Gesundheitsrisiko kann das sogenannte Low-Density-Lipoprotein, kurz LDL-Cholesterin, werden. Als Lipoproteine werden Moleküle bezeichnet, die aus Fett (Lipide) und Eiweiß bestehen. Sie dienen Cholesterin als Transportmittel, da es alleine nicht im Blut zirkulieren kann. LDL hat eine niedrige Dichte („Low Density“), es führt Cholesterin von der Leber ins Blut, von wo aus die Zellen es aufnehmen. Ist der Bedarf der Zellen gedeckt, verbleibt das übrige Blutfett in den Gefäßen. Das High-Density-Lipoprotein (HDL) hingegen löst das Cholesterin aus den Arterien und bringt es zurück in die Leber. Unser Experte Prof. Dr. med. Volker J.J. Schettler ist Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie sowie Intensiv- und Notfallmedizin am Nephrologischen Zentrum Göttingen. Erhöhtes LDL-Cholesterin kann Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen Wenn der Körper dauerhaft mit LDL-Cholesterin übersättigt ist, entwickelt sich Atherosklerose. Dabei lagern sich Plaques in den Wänden der Blutgefäße ab, erklärt Volker Schettler. Und genau das macht hohes LDL-Cholesterin auf Dauer so gefährlich: „Diese Plaques vergrößern sich mit der Zeit, sodass sich Blutgefäße immer weiter verengen“, so der Mediziner. Die Ablagerungen können zum einen Bluthochdruck fördern: Damit das Blut durch die verengten Gefäße fließen kann, muss das Herz mehr Druck ausüben. Gleichzeitig bilden sich bei chronischem Bluthochdruck und geschädigten Gefäßwänden schneller Ablagerungen in den Arterien. Zum anderen kann erhöhtes LDL-Cholesterin auf Dauer in lebensbedrohliche Erkrankungen münden: „Wenn Plaques aufplatzen, reagiert der Körper mit der Bildung eines Blutgerinnsels: Es kommt zum Verschluss des Blutgefäßes“, erklärt Schettler. „Je nachdem, wo der Gefäßverschluss auftritt, kommt es zu einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder zu Durchblutungsstörungen in den Beinen, einer sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK).“ Bei der auch als Schaufensterkrankheit bezeichneten Erkrankung entwickeln Betroffene selbst nach kurzen Gehstrecken Schmerzen in den Waden und Oberschenkeln. Das zwingt sie dazu, viele Pausen einzulegen – was den Eindruck erweckt, sie würden in Schaufenster schauen. Übrigens: Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt häufig durch andere Symptome als bei Männern. Cholesterin zu hoch: Symptome treten häufig erst spät auf „Je länger erhöhte Cholesterinwerte bestehen, desto höher ist das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden“, betont Schettler. Darum gilt es, so früh wie möglich, einen hohen Cholesterinspiegel zu entdecken. Oft tritt die Fettstoffwechselstörung aber erst zutage, wenn es zu spät ist: Arterienverkalkungen gehen meist ohne spürbare Symptome einher, da sich in den Gefäßen keine Schmerzrezeptoren befinden. Auch interessant:Das Herz: Risiko „Big Five“ – das rät der Arzt der Regio Kliniken „Atherosklerose entsteht schleichend ohne Beschwerden und bleibt oft lange Zeit unentdeckt, bis es ‚plötzlich‘ ohne Vorwarnung zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder zu Durchblutungsstörungen in den Beinen kommt“, so der Experte. Dennoch können sich krankhafte Veränderungen in den Arterien schon vor einem lebensgefährlichen Gefäßverschluss bemerkbar machen. Krampfhafte Schmerzen in den Beinen beim Gehen und Wundheilungsstörungen können etwa auf eine Durchblutungsstörung in den Beinen hinweisen. Zudem treten vor einem Herzinfarkt häufig Warnzeichen auf. So kann dem Infarkt die Koronare Herzkrankheit (KHK) vorausgehen. Die verengten Herzkranzgefäße führen dann zu Schwäche, ständiger Müdigkeit und Erschöpfung, Luftnot bei Belastung, Herzrasen sowie Schmerzen und Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris). Späte Symptome bei Hypercholesterinämie: Arzt rät zu frühen Kontrollen Die einzige Möglichkeit, einen hohen Cholesterinspiegel rechtzeitig zu erkennen und Folgeerkrankungen vorzubeugen, ist eine Blutuntersuchung beim Arzt. Schettler empfiehlt, diese so früh wie möglich durchzuführen. So sollten bei Kindern ab fünf Jahren die Blutfette bestimmt werden, um angeborene Fettstoffwechselstörungen auszuschließen. „Die Messung ist besonders wichtig, wenn bei blutsverwandten Angehörigen wie Eltern, Großeltern und Geschwistern erhöhte Cholesterinwerte bekannt sind oder wenn es bei verwandten Männern vor dem 55. und bei Frauen vor dem 60. Lebensjahr zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt gekommen ist“, erklärt Schettler. Lesen Sie auch Auch ohne familiäre Vorbelastung solle jeder Erwachsene seine Blutfettwerte kennen, so der Experte: „Spätestens mit 18 Jahren sollte man sein Cholesterin bestimmen lassen.“ Die Blutuntersuchung wird einmalig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, ab dem 35. Lebensjahr steht jedem Versicherten alle drei Jahre eine kostenlose Untersuchung zu.