Syrien strebt keine militärische Einmischung im Libanon an
Al-Shaibani hält sich derzeit zu einem Besuch im Libanon auf. Er äußerte sich den Angaben zufolge bei einem Treffen mit dem libanesischen Staatschef Joseph Aoun. Erstmals traf er auch mit Parlamentspräsident Nabih Berri zusammen, einem engen Verbündeten der proiranischen Hisbollah-Miliz. US-Präsident Donald Trump hatte vorgeschlagen, dass Syrien anstelle von Israel die Bekämpfung der von Iran finanzierten Hisbollah im Libanon übernehmen könnte. Syriens neuer starker Mann, Ahmed al-Sharaa, erklärte jedoch, er habe nicht die Absicht, militärisch im Libanon zu intervenieren – und damit alte Wunden wieder aufzureißen. Die syrische Armee war 1976 als Teil arabischer Streitkräfte in den Libanon einmarschiert, um den ein Jahr zuvor entflammten Bürgerkrieg dort zu beenden. Stattdessen blieben syrische Truppen jedoch bis zu ihrem Abzug im Jahr 2005 in dem Nachbarland präsent, wo prosyrische Gruppierungen wie die Hisbollah-Miliz fortan sämtliche Bereiche des politischen und militärischen Lebens beherrschten. Die von Iran finanzierte Miliz zählte zu den wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Der im Dezember 2024 gestürzte Assad spielte lange Zeit eine strategische Rolle für Iran, insbesondere bei ungehinderten Waffenlieferungen an die Hisbollah. Außenminister al-Shaibani sagte dem libanesischen Präsidenten, er wolle »die durch Berichte über eine mögliche syrische Militärintervention im Libanon entstandenen Unklarheiten beseitigen«. Zudem übermittelte al-Shaibani an Aoun eine Einladung seines Präsidenten zu einem Besuch in Syrien; ein solcher Besuch wäre ein Novum. Al-Shaibani hatte den Libanon bereits im Oktober besucht – als erster Vertreter der neuen islamistischen Übergangsregierung nach dem Sturz Assads. Anschlag mit vielen Toten und Verletzten in Damaskus Bei einer Bombenexplosion in einem Café im Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus sind derweil offenbar am Donnerstag neun Menschen getötet worden. 20 weitere Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem möglichen Anschlag. Der Gouverneur von Damaskus, Maher Eldibi, gab am Tatort bekannt, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. »Die Verantwortlichen für dieses Blutvergießen werden bestraft«, sagte er. Der stellvertretende Uno-Sondergesandte für Syrien, Claudio Cordone, erklärte beim Onlinedienst X, die Täter »sollten vor Gericht gestellt werden«. Seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad im Jahr 2024 hat es in Damaskus mehrere tödliche Anschläge gegeben. Im Juni 2025 wurden bei einem Attentat auf eine Kirche 25 Menschen getötet.