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Syrien übernimmt Kontrolle von Russland auf eigenen Mittelmeer-Basen

Welt

Startseite Politik Russland verliert seine Mittelmeer-Basen in Syrien: Ist Putins Weltmacht-Anspruch am Ende? Von: Marcus Giebel Uns auf Google folgen Syrien übernimmt die Kontrolle über bislang von Russland beherrschte Militär-Basen im Land. Spielt Wladimir Putin nun auf Zeit? Damaskus – Wladimir Putin würde seine Kontrolle in Europa nur zu gerne ausweiten. Doch in seinem Ukraine-Krieg scheinen die ursprünglichen Ziele von der Einnahme Kiews nicht mehr realisierbar. In einem anderen Teil der Welt muss der Kreml-Chef nun – ziemlich sicher zähneknirschend – die Kontrolle sogar ganz abgeben. Denn diese hatten die russischen Truppen bislang auf zwei wichtigen Stützpunkten an Syriens Mittelmeerküste inne. Dank der guten Beziehungen Putins zu Baschar al-Assad. Doch der langjährige Machthaber von Damaskus musste 2024 schließlich nach Russland fliehen, als Rebellenmilizen ihn vom Thron jagten. Putins Soldaten hatten dennoch weiterhin auf der Luftwaffenbasis Hmeimim und auf dem Marinestützpunkt Tartus das Sagen. Bis jetzt. Putin verliert an Einfluss in Syrien: Russische Präsenz im Land wird neu geordnet Syriens Außenministerium verkündete laut der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Sonntag, künftig werden beide Stützpunkte als russisch-syrische Trainingscenter genutzt. Dies sei in einem neuen Abkommen festgelegt worden. Es handele sich um eine „Neuordnung der russischen Präsenz“ entlang der syrischen Küste. Was sich wie eine Ohrfeige für Putin anhört, sei „die bedeutendste Entwicklung seit Beginn der Verhandlungen vor rund anderthalb Jahren und ebne den Weg für eine neue Phase in den syrisch-russischen Beziehungen.“ Erst zwei Tage später reagierte Moskau in Form des Außenministeriums. Dieses teilte laut der internationalen Nachrichtenagentur Reuters mit, die getroffene Vereinbarung über die russischen Militär-Basen in Syrien werde die beiden Länder noch enger aneinander binden. Betont werden die „bilaterale Zusammenarbeit auf dem Militärsektor“ und die „lange Geschichte der Freundschaft und Partnerschaft“ beider Länder. Dem Bericht zufolge verriet eine syrische Quelle, die die ausgehandelten Bedingungen kennt, dass weiterhin russische Kräfte auf den beiden Stützpunkten stationiert bleiben würden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA schrieb, die intensiven Verhandlungen zwischen Moskau und Damaskus hätten darauf abgezielt, „die Verbindungen im Einklang mit der neuen politischen Landschaft Syriens sowie dessen Betonung und Souveränität und nationalen Interessen neu zu definieren“. Putin verliert Kontrolle über Militär-Basen: Hofft Russland auf weiteren Machtwechsel in Syrien? Die Beziehung sei neu gestaltet werden, da diese „jahrelang eng mit den politischen und militärischen Gegebenheiten des gestürzten Regimes verknüpft war“. Künftig sollen die syrische Souveränität und die nationalen Interessen im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen. Bedeutet für Putin offenbar: Sein Einfluss wird deutlich schrumpfen. Denn während er al-Assad im Grunde in der Hand hatte, will die neue Regierung um Präsident Ahmed al-Scharaa nicht allein auf die Karte Russland setzen. Laut der Times hält es Hanna Notte für unwahrscheinlich, dass Putin die syrischen Stützpunkte weiterhin für militärische Zwecke nutzen kann. Dies sei aber nicht auszuschließen, ergänzte die Direktorin des Eurasia Nonproliferation Program am James Martin Center for Nonproliferation Studies. Doch der Kreml wird laut der Russland-Expertin weiter auf seine Chance lauern. Und die könnte schneller kommen, als es der syrischen Regierung lieb ist. „Russland hegt große Zweifel daran, inwieweit al-Scharaa tatsächlich die Macht behaupten und Syrien stabilisieren kann“, gibt sie zu bedenken: „Die russische Haltung könnte lauten: ‚Warten wir erst einmal ab, wo Syrien in fünf oder zehn Jahren steht. Wir lassen uns einfach Zeit.‘“ Putin und der Einfluss auf Syrien: „Machthaber drängen Russland aus dem Land“ Im selben Artikel erwähnt Nikita Smagin, Moskau werde wohl begrenzte Rechte zur Betankung von Militärflugzeugen in Hmeimim behalten. Dies sei aber auch die beste Nachricht aus Putins Sicht. Der Experte für Russland-Politik im Nahen Osten ist überzeugt: „Die neuen Machthaber in Syrien drängen Russland langsam aus dem Land … Irgendwann in absehbarer Zeit wollen sie die russische Präsenz loswerden.“ Er findet, die Führung handele dabei sehr geschickt. Denn so würde Damaskus die Beziehungen zu Russland in dieser schwierigen Phase für das eigene Land nicht beschädigen. Für Putin ist aber schon die neue Regelung ein herber Schlag. Denn Moskau nutzte die beiden Militär-Basen in Syrien vor allem für Operationen in Afrika. Und das zahlte sich in den vergangenen Jahren aus, auf dem Kontinent weitete Russlands Präsident seinen Einfluss massiv aus. Rückschläge für Putin mehren sich: Mit Maduro und Orban schon wichtige Partner verloren Andernorts mehren sich jedoch die Rückschläge. So ließ US-Präsident Donald Trump zu Jahresbeginn mit Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro einen Putin-Verbündeten entführen und verhaften. Mit dem Iran wird ein weiterer wichtiger Partner Moskaus seit Monaten mal mehr und mal weniger heftig von den USA und Israel bombardiert und ist damit in seinem eigenen Krieg gefangen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Obendrein verlor Putin mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán seinen wichtigsten Verbündeten innerhalb der EU nach 16 Jahren an der Macht. Dessen Nachfolger Péter Magyar sucht den Schulterschluss zu den europäischen Partnern und ist nicht dafür geeignet, Sanktionspakete gegen Russland zu torpedieren. Nicht zu vergessen al-Assad, dessen Sturz so etwas wie den Anfang dieser Negativspirale darstellte. International hat Putin damit also deutlich an Einfluss eingebüßt. Sein Weltmacht-Anspruch könnte sich folglich dem Ende neigen. Auch wenn der 73-Jährige diesen kaum kampflos aufgeben wird. Ob sein Widerstand nun für alle sichtbar sein oder im Verborgenen vonstattengehen wird. (Quellen: Associated Press, Reuters, SANA, Times) (mg)

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