Szene: Paar von zwei Personen in Berlin judenfeindlich beleidigt
Im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg ist es am Samstag zu einem antisemitischen Vorfall gekommen. Wie ein Polizeisprecher dem Tagesspiegel sagte, sind dabei gegen 15.30 Uhr zwei bislang unbekannte Personen mit judenfeindlichen Sprüchen beleidigt worden. Ein Video der Jüdischen Allgemeine zeigt den Mann und die Frau, die die judenfeindlichen Parolen „Fuck Zionismus“ („Scheiß Zionismus“) und „Viva Hamas“ („Es lebe die Hamas“) den nicht im Bild befindlichen Personen hinterherrufen. Anschließend wird der Mann gegenüber der Filmenden unter den Worten „Verpiss dich, Alter, Handy weg“ handgreiflich. Er hat dabei ein T-Shirt an, das laut der Jüdischen Allgemeinen den Aufdruck „Intifada“ in arabischer Schrift trägt. Dem Tagesspiegel liegen klare Hinweise zur Identität des Mannes im Video vor. Dabei soll es sich um einen prägenden Akteur des radikalen Flügels der pro-palästinensischen Szene in der Hauptstadt handeln, der eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen hat. Aufnahmen zeigen ihn zuletzt Ende Mai bei einer Demonstration für das iranische Mullah-Regime in Berlin-Mitte. Während der Versammlung wurden laut des Vereins „democ“ Propagandalieder des islamischen Regimes abgespielt und der ideologische Führer Ali Chamenei auf Portraits verherrlicht. In einem Videobeitrag über die Versammlung des Netzwerks „democ“ ist der Mann in einem Ausschnitt zu sehen. Dabei versucht er, mit einem Plakat auf die Kamera einzuschlagen. Mutmaßlicher Angreifer hat NPD-Vergangenheit Politisch sozialisiert wurde der antisemitische Pöbler aus dem Video der „Jüdischen Allgemeinen“ allerdings in rechtsextremen Kreisen. 2013 nahm er an verschiedenen Demonstrationen der NPD teil. Das belegen Fotos des Blogs „friedensdemowatch“. Das Portal berichtet seit vielen Jahren über extreme Proteste in der Hauptstadt. So ist der Mann auf einem Foto als Teilnehmer zwischen bekannten Neonazi-Kadern einer NPD-Kundgebung am Potsdamer Platz im Juni 2013 zu erkennen. Dabei trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Südtirol bleibt Deutsch“. Spätestens 2016 taucht er dann plötzlich in einem anderen Kontext auf. Laut „friedensdemowatch“ soll er Mitglied der mittlerweile seit Jahren aufgelösten maoistischen Gruppierung „Jugendwiderstand“ sein, wie Fotos ebenfalls belegen. Die Gruppe sorgte vor allem in Neukölln für Angst und Schrecken unter Israel-solidarischen Linken. Auch beim Jugendwiderstand soll er laut „friedensdemowatch“ immer wieder durch Einschüchterungsversuche kritischer Fotojournalisten und körperliche Drohgebärden aufgefallen sein In dieses Muster fällt offenbar auch der Angriff am Dienstag. Die Augenzeugin, die das Video gefilmt und Strafanzeige gestellt hat, sprach im Anschluss mit der Zeitung über das Erlebte. Ihren Angaben zufolge lebt die Frau in Israel und war am Samstag zu Besuch in Berlin. Sie habe die Situation in Prenzlauer Berg zufällig mitbekommen, als sie aus einem Taxi stieg, und sofort damit begonnen zu filmen, nachdem sie die judenfeindlichen Ausdrücke gehört habe. Die Aussagen der Augenzeugin, die zum Schutz anonym bleiben möchte, wurden für das Video der Jüdischen Allgemeinen nachgesprochen. Die Frau erwähnt, dass das Pärchen, dem die Beleidigungen galten, einen Kinderwagen schob. Sie habe allerdings nicht erkennen können, warum die Angreifer das Paar als Ziel ausgewählt hatten und ob die beiden jüdisch oder israelisch waren. Angreifer soll auf Augenzeugin losgegangen sein Als der männliche Angreifer bemerkte, dass der Vorfall von ihr gefilmt wurde, sei er auf sie zugekommen, um ihr das Handy wegzunehmen, und habe sie geschubst und bedroht. Die Augenzeugin gibt an, selbst nicht jüdisch zu sein, aber in Israel zu arbeiten und bereits antijüdische Anfeindungen erlebt zu haben. Für sie habe das Auftreten der beiden attackierenden Personen „sehr routiniert“ gewirkt, um „gezielt Menschen einzuschüchtern“. Noch am selben Tage habe sie Anzeige bei der Berliner Polizei erstattet, weil ihr wichtig war, „diesen Vorfall zu dokumentieren“. Ein Polizeisprecher bestätigte dem Tagesspiegel den Eingang der Strafanzeige zu dem Vorfall in Prenzlauer Berg am 4. Juli. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge ist es dabei gegen 15.30 Uhr auf der Fehrbelliner Straße zwischen Choriner Straße und Kastanienallee zu dem antisemitischen Vorfall gekommen. Laut dem Sprecher wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung gegen die bislang unbekannten Personen vom Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt. Auch die Personen, gegen die sich die Beleidigungen richteten, sind der Behörde den Angaben zufolge bis jetzt nicht bekannt.